Wortgewaltiges Finale

Am Donnerstagabend kürten Jury und Publikum den Träger des diesjährigen Literatur-Förderpreises. Die Finalisten Matthias Boosch, Guido El Idrissi-Wenzel und Leona Stahlmann präsentierten ihre Beiträge im Drusussaal der Mainzer Zitadelle.

Wortgewaltiges Finale

"Eine der schönsten Preisverleihungen, die Mainz zu bieten hat", nennt Marianne Grosse die Verleihung des Literatur-Förderpreises, nachdem sie zur Einstimmung eine Passage aus dem Siegerbeitrag von 2013 zitiert hat. Alle zwei Jahre vergibt die Stadt den mit 2500 Euro dotierten Preis an junge Autoren mit innovativen Textideen, um sie in ihrer Arbeit zu ermutigen. Erstmals in diesem Jahr werden auch die Zweitplatzierten mit je 250 Euro bedacht.

Dietmar Gaumann vom Literaturbüro Mainz bedankt sich herzlich bei der Vorjury, welche die Finalistenbeiträge aus 44 Einsendungen gewählt hat. Leicht haben es sich Dr. Sigrid Fahrer und die Preisträger der Vorjahre, Andelka Krizanovic und Christina Stein, wohl nicht gemacht, denn Gaumann spricht von einer "Millimeterentscheidung".

Eine solche kündigt sich auch an diesem Abend an. Nicht nur die Juroren Dr. Sigrid Fahrer vom Literaturbüro, Kulturdezernentin Marianne Grosse und Kulturjournalist Michael Jacobs haben eine Stimme zu vergeben, sondern auch das Publikum. Und das zählt im Zweifel doppelt.

"Der schockierte Blick gelang mir nicht mehr, die russische Mafia klaut Essen?" - Matthias Boosch ("Der Überfall")

Matthias Boosch hat ein Jahr lang in Lettland gelebt und wird nächstes Jahr mit Lettlandgeschichten ein Buch über seine Erfahrungen veröffentlichen. Auch sein vorgetragener Text "Der Überfall" wurde von diesem Aufenthalt beeinflusst. Die Geschichte über eine Begegnung mit zwei Räubern besitzt viele skurrile Elemente, überrascht aber mit einem nachdenklichen Ende.

"Und ich wünschte, der Fuß in der Niere wäre nur so eine scheißweinerliche Metapher." - Guido El Idrissi-Wenzel ("Über Griffe")

Guido El Idrissi-Wenzel wuchs in Offenbach und Bad Hersfeld auf. Während seines Studiums der Theologie verbrachte er längere Zeit in Jerusalem und lebt heute in Mainz. Mit entspannter Stimme liest er die Geschichte "Über Griffe", die kraftvoll, drastisch und erschreckend aktuell ist und den Zuhörer betroffen zurücklässt.

"Sein Schweigen daraufhin legte sich dicht um uns und schnitt uns aus der Nacht, aus dem Wald und in etwas hinein, das mir unbehaglich wurde." - Leona Stahlmann ("Vetko")

Leona Stahlmann hat in Mainz Germanistik und Buchwissenschaft studiert. Als freie Lektorin für Belletristik beschäftigt sie sich beruflich mit den Worten anderer. Heute stehen ihre eigenen im Mittelpunkt. In einem Auszug ihrer Novelle "Vetko" beschreibt sie mit dichter Sprache, wie sich aus einer merkwürdigen Begegnung eine ungewöhnliche Beziehung entwickelt.

So unterschiedlich sie sind, alle drei Vorträge werden vom Publikum mit begeistertem Applaus quittiert. Um so gespannter werden die Stimmen der Jury erwartet und es ist still, als Marianne Grosse als erste Jurorin die Bühne betritt. Sie beschreibt den Text "Vetko" als eine "Einheit der Handlung, die man nicht nur verstehen, sondern fühlen kann" und lobt die Harmonie der Sprache, die zugleich humorvoll, klar und phantasievoll sei. Mit diesen anerkennenden Worten begründet Marianne Grosse ihre Stimme für Leona Stahlmann. Da Dr. Sigrid Fahrer abwesend ist, wird ihre Bewertung von Dietmar Gaumann vorgelesen.

Als "originell und sicher erzähltes Spiel mit Genreerwartungen" empfindet sie Matthias Booschs Text. Auch Michael Jacobs wertet "Der Überfall" als "stringent und unterhaltsam" und so geht seine Stimme ebenfalls an die "Sozialstudie der lettischen Wirklichkeit". Als er die Wahl des Publikums verkündet, ist Dietmar Gaumann kurz versucht, die Spannung noch weiter in die Höhe zu treiben, entscheidet sich dann aber, den Nerven aller Beteiligten zuliebe, doch dagegen. Auch die Zuhörer haben für "Der Überfall" gestimmt. Nachdem er bereits im Finale 2013 gelesen hat, kann sich Matthias Boosch darüber freuen, den Literatur-Förderpreis diesen Jahres zu erhalten und nimmt unter Beifall die Gratulationen seiner beiden Mitfinalisten und der Jury entgegen.

Nach Übergabe der Preisurkunde sorgen Carina Stamm (Klarinette), Simone Sitterle (Klarinette) und Peter Brechtel (Fagott), die bereits zwischen den Vorträgen spielten, ein letztes Mal für musikalische Unterhaltung, bevor sich Autoren, Juroren und Publikum beim abschließenden Sektempfang entspannt über den Abend austauschen.

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