Die tragische Geschichte hinter dem Ebersheimer Weihnachtshaus

Diese Geschichte berührt viele Mainzer: Erwin Blankenberger aus Ebersheim schmückt seit Jahrzehnten sein Haus an Weihnachten für seine im Wachkoma liegende Tochter. Dieses Jahr erzählt der Familienvater die komplette Geschichte hinter dem Drama.

Die tragische Geschichte hinter dem Ebersheimer Weihnachtshaus

Der 9. März 1983 veränderte das Leben der Familie Blankenberger aus Ebersheim für immer. Denn an diesem Tag verunglückte die damals 16-jährige Tochter Anja so schwer, dass sie in ein Wachkoma fiel und bis heute nicht daraus aufgewacht ist. Kommunizieren können die Eltern mit ihrer Tochter seitdem nicht mehr wirklich. Doch mindestens einmal im Jahr merken die Blankenbergers, dass Anja ihre Umwelt noch wahrnimmt.

Denn sie reagiert immer zur Weihnachtszeit auf die grellen und bunten Lichter, die Erwin Blankenberger an seinem Haus und im gesamten Garten installiert hat: Seit rund 30 Jahren leuchten nun im Dezember hunderte Lichterketten. Viele Mainzer bewegt die Geschichte um das Ebersheimer Weihnachtshaus (wir berichteten). In diesem Jahr erzählt Erwin Blankenberger aber nun zum ersten Mal, warum seine Tochter schon 36 Jahre im Koma liegt.

Tochter umgefahren - Täterin flüchtet

Der Grund dafür ist ein tragischer Unfall. Seine damals 16-jährige Tochter war Richtung Nieder-Olm unterwegs. „Sie ging gerade auf dem Bürgersteig, als das Unglück passierte“, sagt Blankenberger. Eine Autofahrerin, die offensichtlich die Kontrolle über ihr Fahrzeug verloren hatte, fuhr sie einfach um und beging danach Fahrerflucht. „Bei dem Unfall ist Anja dann schwer verletzt worden und schließlich in das Wachkoma gefallen.“ Rund ein Jahr lang lag seine Tochter anschließend in der Uni-Klinik, ehe sie Blankenberger und seine Frau nach Hause holten.

Wie sich später herausstellte, sei die Unfallverursacherin einen Tag nach dem Unglück für drei Wochen nach Teneriffa geflogen. Ob sie so die Tat vertuschen wollte, bleibt unklar. Letztlich wurde die Frau aber überführt. „Eineinhalb Jahre nach dem Unfall wurde sie verurteilt“, sagt Blankenberger. Für den Familienvater und seine Frau änderte sich seitdem das Leben aber komplett. Quasi Tag und Nacht pflegen die beiden ihre Tochter, die inzwischen 53 Jahre alt ist.

Premiere im Lichtergarten

Ganz so leicht fällt ihnen das aber nicht mehr. Blankenberger ist inzwischen Mitte 70 und nicht mehr ganz so fit wie früher, wie er sagt. Außerdem muss er sich jetzt auch intensiver um seine Frau kümmern, die einen Schlaganfall erlitten hat. Für den Aufbau seines Lichtermeers lässt er sich deshalb auch länger Zeit. Zudem fallen auch viele Reparaturen an den Lichterketten an.

Auf eine Beleuchtung auf dem Dach verzichtet er seit zwei Jahren. Denn zuletzt fiel es ihm immer schwerer, auf das Hausdach zu klettern, um dort die Lichter zu installieren. Dafür gibt es in diesem Jahr eine Premiere: Ein riesiger Schneemann mit Hut grüßt die Spaziergänger in Blankenbergers Garten.

Zum ersten Mal gibt es auch eine Krippe mit Maria, Josef und dem Jesuskind sowie Ochs und Esel. „Die Krippe habe ich geschenkt bekommen und sie gleich mit integriert“, sagt Blankenberger.

Hauptblickfang sind aber immer noch die bunten Lichter. Diese sind es auch, auf die Tochter Anja im Laufe der Jahre am meisten reagiert. „Man hat gemerkt, dass sich ihr Gesichtsausdruck verändert, wenn sie die Lichter sieht. Man konnte irgendwie spüren, dass es ihr gefällt.“ Manchmal öffnet seine Tochter dann sogar für kurze Momente die Augen, sagt Blankenberger. „Deshalb werde ich auch in Zukunft so lange es geht mein Haus zur Weihnachtszeit schmücken.“ (rk)

Logo