Nach mehr als 100 Jahren: Zukunft des Schloss Waldthausen ungewiss

Einst Prunkschloss, dann Nazi-Heim und nun Sparkassen-Akademie: Das Schloss Waldthausen im Lennebergwald hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Doch die Zukunft des Schlosses scheint ungewiss zu sein.

Nach mehr als 100 Jahren: Zukunft des Schloss Waldthausen ungewiss

Torbogen an der Fassade, ein hoher Turm ragt an einer Seite empor, davor Springbrunnen: Am Rande von Mainz steht seit mehr als 100 Jahren ein Schloss. Obwohl es mit seinem kleinen Park der Öffentlichkeit zugänglich ist, ist das im Lennebergwald versteckte Anwesen in Mainz eher weniger bekannt. Hier wohnt auch weder eine Adelsfamilie, noch ist es ein Hotel oder historisches Tourismus-Zentrum. Stattdessen ist in dem Schloss heute eine Sparkassenakademie, um die moderne Seminargebäude errichtet wurden. Wie kam es dazu?

„Kohlebaron“ baute sich ein Schloss in Mainz

Ein reicher Mann aus Essen errichtete von 1908 bis 1911 das Schloss: Freiherr Martin Wilhelm von Waldthausen wollte mit dem Prunkbau angeblich dem deutschen Kaiser Wilhelm II. nacheifern. Der Freiherr, der für eine Militärskarriere nach Mainz kam, soll reicher als der Kaiser gewesen sein: „Er besaß Kohlegruben, Stahlwerke, ausgedehnte Ländereien und Rheinschiffe“, schreiben die Historiker Dr. Hans Caspary und Dr. Paul-Georg Custodis in einem Artikel über das Schloss.

Die Mainzer nannten Waldthausen demnach den „Kohlebaron“. Er lebte aber nicht lange in seinem Schloss: Zu Beginn des ersten Weltkriegs emigrierte er mit seiner Familie in die Schweiz - und kehrte nie wieder zu seinem Anwesen im Lennebergwald zurück.

Zweiter Weltkrieg: Das Schloss als NS-Heim

1919 wurden kurzzeitig französische Truppen im Schloss einquartiert, was Waldthausen aber unterband. Auch wenn seine Familie nicht mehr dort lebte, so beschäftigte sie trotzdem bis Anfang des zweiten Weltkriegs weiterhin das Stammpersonal. Nachdem sowohl der Freiherr als auch seine Frau verstorben waren, verkauften die Erben 1941 das Anwesen an die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt. „Das Schloss wurde ein Heim, in dem Frauen und Kinder aus dem bombenbedrohten Mainz Zuflucht fanden“, so Caspary und Custodis. Auch Gau- und Kreisleiter sowie eine SS-Einheit sollen darin untergebracht worden sein.

In der Nachkriegszeit wechselte das Schloss mehrmals seinen Besitzer. Sowohl amerikanische und französische Besatzungsmächte als auch die Bundesrepublik Deutschland gehörten dazu. 1978 kaufte dann die Stadt Mainz Anwesen und Park, um daraus ein Freizeitzentrum zu machen. Doch die Pläne wurden nie verwirklicht, stattdessen folgte eine lange Diskussion über die Zukunft des Schlosses - auch ein Abriss stand zur Debatte. Sie wurde damit beendet, dass schließlich der Sparkassenverband Rheinland-Pfalz (SVRP) das Schloss und einen Teil des Parks übernahm und das Gebäude sanierte. Vieles von der ursprünglichen Ausstattung ist über die Jahre hinweg verloren gegangen - etwa die verschwenderische Pracht, mit der Waldthausen sein Schloss damals eingerichtet haben soll.

Zukunft des Schlosses ungewiss

Bei der bewegten Geschichte, die das Schloss nach mehr als einhundert Jahren hinter sich hat, steht es nun wieder vor einer ungewissen Zukunft. Denn der Sparkassenverband wird den Standort innerhalb der nächsten zwei Jahre verlassen. „Die Gremien des SVRP haben Ende 2017 Beschlüsse zur strategischen Ausrichtung des SVRP als Dienstleister der rheinland-pfälzischen Sparkassen gefasst“, so Alexander Schaubeck vom SVRP.

„Bestandteil dieser Beschlüsse war auch die Entscheidung, mit dem gesamten Verband, zu dem neben der Geschäftsstelle und der Prüfungsstelle auch die Sparkassenakademie gehört, zum 1. Januar 2020 in die Räume der LBS Südwest in der Vorderen Synagogenstraße in die Landeshauptstadt Mainz zu ziehen.“ Bezüglich des Schlosses würden aktuell Gespräche mit möglichen Investoren laufen. Nähere Angaben könne der Verband dazu derzeit nicht machen.

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