MeinRad-Ausbau in Mainz: Warum neue Stationen oft eine Hürde sind

Das Leihrad-System MeinRad soll in Mainz weiter wachsen. Doch der Ausbau ist kompliziert.

MeinRad-Ausbau in Mainz: Warum neue Stationen oft eine Hürde sind

Auf eine Anfrage der CDU-Fraktion hat die Mainzer Stadtverwaltung nun detailliert dargelegt, nach welchen Regeln neue Stationen für das Leihrad-System „MeinRad“ entstehen. Das Verfahren zeigt: Bis ein neues Rad an einem neuen Standort ausgeliehen werden kann, ist es ein weiter und oft komplizierter Weg.

Die Einrichtung neuer Stationen erfolge in enger Abstimmung zwischen der Mainzer Mobilität und der Stadt. Dabei müssten zahlreiche Anforderungen erfüllt werden, so die Stadt in ihrer Antwort. Demnach stünden „Sicherheit und Barrierefreiheit“ an erster Stelle. So müsse auf Gehwegen genügend Platz für Fußgänger bleiben, außerdem dürften die Stationen keine Aufstellflächen der Feuerwehr blockieren oder die Sicht im Straßenverkehr, etwa an Kreuzungen, einschränken.

Auch was sich unter und über der Erde befindet, spielt eine Rolle. Um Konflikte mit der Infrastruktur zu vermeiden, werde die Lage von unterirdischen Leitungen geprüft. Bäume und deren Wurzeln etwa dürften nicht beeinträchtigt werden. Schließlich fließen laut der Stadt auch Denkmalschutz und Stadtbildpflege in die Bewertung ein: Eine Station solle sich gut in ihre Umgebung einfügen.

Daten entscheiden über den Standort

Ob ein Standort überhaupt in die engere Wahl kommt, entscheide die Mainzer Mobilität mit einem datengestützten Verfahren. Ein zentraler Faktor sei der sogenannte Erschließungsradius: Wie viele Haushalte oder Einwohner werden durch eine neue Station erreicht, die nicht schon eine andere in fünf Minuten Fußwegentfernung haben? In der dicht besiedelten Innenstadt werde dieser Radius sogar auf drei Minuten verkürzt.

Außerdem werde die Qualität des Standorts bewertet. Dazu analysiert man die Bevölkerungsstruktur – denn Studenten, junge Erwachsene und Familien nutzten MeinRad erfahrungsgemäß besonders häufig. Auch die Dichte an Privatautos pro Haushalt und nahegelegene Anlaufpunkte wie Arbeitgeber, Geschäfte oder ÖPNV-Haltestellen seien wichtig. Ziel sei es, ein Gleichgewicht zwischen ausgeliehenen und zurückgegebenen Rädern zu schaffen, um den betrieblichen Aufwand gering zu halten.

Für die Stationen mit E-Lastenrädern würden wegen höherer Betriebskosten und einer begrenzten Flotte noch strengere Kriterien gelten. Hier setze man bevorzugt auf die Fortführung laufender Kooperationen, beispielsweise mit der Wohnbau Mainz.

Platzmangel und Bürokratie als größte Hürden

Die größten Probleme beim Ausbau des Netzes sind laut Stadtverwaltung die begrenzte Verfügbarkeit von Flächen und die aufwendigen Genehmigungsverfahren. Zwar würden Kooperationen auf Privatgrundstücken bevorzugt, da sie einfacher umzusetzen seien, doch die meisten Stationen entstünden im öffentlichen Raum.

Hier müssten zahlreiche Fachstellen der Stadtverwaltung einbezogen werden – von der Stadtbild- und Denkmalpflege über die Straßenverkehrsbehörde bis zum Grün- und Umweltamt. Da die unterschiedlichen Anforderungen wie Verkehrssicherheit, Barrierefreiheit und städtebauliche Einbindung gegeneinander abgewogen werden müssten, könnten nicht alle gewünschten Standorte auch tatsächlich realisiert werden.

Wer einen Vorschlag für eine neue MeinRad-Station hat, kann diesen per E-Mail an mvgmeinrad@mainzer-mobilitaet.de senden. Wie die Stadt erklärt, werden diese Hinweise von der Mainzer Mobilität und der Verwaltung geprüft.