Nicht verkaufter Spargel: Warum er wieder auf den Feldern landet

Die Spargelsaison ist im vollen Gange, auch Mainzer Landwirte verkaufen das „königliche Gemüse“ direkt ab Hof oder am Marktstand. Doch einige Stangen werden gar nicht erst geerntet oder kommen zurück auf die Felder. Warum ist das so?

Nicht verkaufter Spargel: Warum er wieder auf den Feldern landet

Die Ernte läuft gut, denn für den Spargel ist das Wetter in diesem Jahr perfekt. „Voraussichtlich können die Bauern im Vergleich zu den letzten Jahr höhere Mengen ernten“, teilt Andreas Köhr, Pressesprecher des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Pfalz Süd, gegenüber Merkurist mit.

Dennoch finde man auf den Feldern jede Menge Gemüse, das liegen gelassen wird, hat Leser Gerd festgestellt: „Bei den Spargelfeldern hinter den Obstbäumen liegen haufenweise noch essbare Bruchspargel, zum Verrotten!“ schreibt er in einem Snip. Wie kommt das?

Hohe Erträge, wenige Käufer

Wie Andreas Köhr vom Bauernverband erklärt, sei die Stimmung trotz der hohen Erträge bei den Landwirten eher „gedämpft“. Denn obwohl die Preise für den Spargel vergleichsweise niedrig sind, gebe es weniger Käufer. „Grund sind wahrscheinlich die insgesamt gestiegenen Preise und die Unsicherheiten bei den Menschen“, vermutet Köhr. Stattdessen würde derzeit viel Spargel aus dem Ausland gekauft, der wegen der geringeren Lohnkosten in diesen Ländern weitaus günstiger ist: In Spanien etwa muss ein Bauer seinen Erntehelfern 6 Euro pro Stunde zahlen, in Griechenland sind es sogar nur 3,90 Euro. Der Mindestlohn in Deutschland hingegen beträgt aktuell 9,82 Euro. Im Oktober wird er noch einmal steigen, auf dann 12 Euro. Hinzu kommen die gestiegenen Kosten für Energie (wir berichteten). „Auch gelten in anderen Ländern andere Regeln für Pflanzenschutz oder Transport“, so Köhr.

Es sei „nicht unüblich“, dass nicht verkaufter Spargel wieder zurück auf die Felder gebracht werde: „Er wird also nicht entsorgt, sondern dient dort als Dünger.“ Das sei zwar ärgerlich für die Bauern, doch sei morgens nie abzusehen, welche Mengen den Tag über verkauft würden. Und gerade Spargel lässt sich kaum lagern, da er sonst schnell verholzt.

Ähnlich sei es später mit dem Obst. Zwetschgen zum Beispiel müssen eine Mindestgröße haben, um in den Handel zu kommen. Früchte, die zu klein sind, werden daher oft hängen gelassen und dienen so wieder als Nahrung für die Pflanzen. Ebenso solche, die von innen heraus von Schädlingen befallen sind – oder eben auch, wenn das Angebot größer ist als die Nachfrage.

Die von uns angefragten Mainzer Spargelbauern waren für Interviews zu dem Thema leider nicht verfügbar.

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