Mainzerin nimmt neun ukrainische Frauen auf – nun suchen sie neue Bleibe

Eine Finther Familie hat vor einiger Zeit eine neunköpfige Großfamilie bei sich aufgenommen. In vier Wochen jedoch müssen sie das Haus verlassen und suchen nun dringend nach einer neuen Unterkunft.

Mainzerin nimmt neun ukrainische Frauen auf – nun suchen sie neue Bleibe

Von Odessa und Nikolajew nach Rumänien, dann über Bukarest nach Wien – und von dort nach Mainz. Bepackt mit nur einer Tasche pro Person waren Familie Sveshnikova und zwei Freundinnen tagelang mit dem Zug unterwegs, bis sie endlich am Mainzer Hauptbahnhof ankamen: Neun Frauen und Mädchen zwischen 12 Jahren und Ende 60.

Zehn Tage ist das nun her. Seitdem wohnen sie – Mutter und Tochter, Tanten und Großmütter sowie die zwei Freundinnen, die sich ihnen spontan angeschlossen hatten – auf dem Mainzer Layenhof. Untergekommen sind sie bei Familie Dölle, genauer gesagt in der zeitweise freistehenden Doppelhaushälfte, die einer befreundeten Familie gehört. Diese hält sich derzeit für drei Monate in Amerika auf. „Das Haus stand also leer, da bot es sich an, es einer Familie zur Verfügung zu stellen“, sagt Anna Dölle, die selbst vier kleine Kinder hat. Vermittelt wurde ihr die Familie Sveshnikova durch die Equippers Church. Ein Gemeindemitglied ist selbst Ukrainer, er lebt in Mainz, reist aber regelmäßig in seine alte Heimat, um, gemeinsam mit anderen, „Menschen dort rauszuholen“, wie Dölle berichtet.

Hilfe kommt von mehreren Seiten

Ursprünglich wollte Familie Dölle „nur“ ein Kinderzimmer freiräumen, für eine Mutter mit Kind. „Doch bald haben wir gemerkt, dass viele Menschen in Großfamilien anreisen.“ So sei die Idee gekommen, Menschen in dem nebenstehenden Haus in Obhut zu nehmen. Lebensmittel konnten sich die Frauen bislang noch selbst kaufen, doch nun gehe langsam das Geld zu Neige. Am Mittwoch war Dölle mit allen neun Frauen bei der Stadtverwaltung. Alle Mitarbeiter dort waren sehr freundlich und hilfsbereit“, berichtet sie. Formulare und Informationen auf der Webseite gebe es auch in kyrillisch, die Mitarbeiter dort hätten ihr für Engagement gedankt. Noch vor Ort hat jede der Frauen eine Karte ausgehändigt bekommen, mit einem Guthaben von 450 Euro für Lebensmittel für April und Mai. Hilfe komme auch von Freunden und Nachbarn, die Kleider geben oder Ostergeschenke vor der Tür abstellen. Zudem können die Frauen kostenlos Bus fahren, die Telekom habe ihnen kostenlose Telefonkarten ausgehändigt.

Die Frauen seien voller Dankbarkeit, so Dölle. Sie lachen miteinander und genießen die gewonnene Bewegungsfreiheit, „den blauen Himmel über ihnen“, sagt sie. Gleichzeitig leben sie immer mit der Angst, ob ihre Männer und Väter, ob ihr 19-jähriger Sohn den Tag überleben werden. Die 12-jährige Tochter sei vom Krieg traumatisiert, wochenlang habe sie immer wieder im Keller ausharren müssen, während draußen die Streubomben fielen. Andere, die keinen Keller haben, müssten in den unteren Stockwerken der Häuser ausharren und hoffen, dass nichts passiert.

Familie braucht neuen Platz

Nun wird es bald das nächste Problem geben: In vier Wochen kommen die Nachbarn wieder aus den USA zurück, dann müssen die Frauen das Haus räumen. „Sie brauchen dringend einen neuen Platz“, so Dölle. Die Stadt hätte ihnen einen Platz in einer Gemeinschaftsunterkunft angeboten, die hätten sie aber direkt beziehen müssen. Das Risiko sei nun hoch, dass in drei Wochen nur noch Turnhallen zur Verfügung stehen, so Dölle. „Doch das Risiko wollten sie eingehen, einfach, um noch ein paar Wochen durchatmen zu können.“ Anna Dölle ist nun auf der Suche nach Wohnungen für die Frauen, „und wenn es nur Matratzen und eine kleine Küche sind.“

Wer ukrainischen Flüchtenden helfen möchte, kann sich zum Beispiel über die Webseite der Stadt Mainz informieren. Zudem koordinieren mehrere Mainzer Vereine und Organisationen Spenden, um geflüchtete Ukrainer in Ostpolen zu unterstützen. Hier kommt ihr zur Webseite.

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