Naturschutz am Feldrand: Immer mehr Blühstreifen rund um Mainz

Landwirte als Naturschützer: Um Insekten Nahrung und Lebensraum zu schenken, verzichten immer mehr Landwirte auf einen Teil ihrer Ackerflächen zugunsten von Wildblumen. Auch in Mainz blüht es zunehmend am Feldrand.

Naturschutz am Feldrand: Immer mehr Blühstreifen rund um Mainz

Wer zwischen den Feldern rund um Mainz spazieren geht, kann zunehmend bunte Wildblumen am Wegesrand entdecken, umschwirrt von Bienen, Schmetterlingen und Hummeln. Tatsächlich haben sich diese Flächen in den vergangenen drei Jahren mehr als verdoppelt. Wie der Bauern- und Winzerverband (BWV) Rheinland-Pfalz Süd mitteilt, gab es im ganzen Bundesland eine Steigerung von 2150 Hektar im Jahr 2018 auf 4800 Hektar im vergangenen Jahr – und das sind nur die Flächen, die mit Unterstützung von EU-Fördermitteln angelegt wurden.

„Viele Landwirte wollen die Biodiversität fördern und Futterflächen für Insekten und damit auch für Vögel bereitstellen“, hat Andrea Oppacher-Friedrich festgestellt. Sie engagiert sich seit einiger Zeit in der „Nachhaltigkeits-Initiative Mainz-Bretzenheim“ und unterstützt somit auch lokale Landwirte, die sich für mehr Naturschutz einsetzen möchten. „Aus unserer Einschätzung hat sich da in den letzten Jahren Einiges getan.“

Blühende Ränder in Bretzenheim

So hat Familie Mossel Blühstreifen mit vielfältigen heimischen Blumen und Kräutern am Rand ihrer Felder angelegt, Stefan Arnold vom Stefanshof wird auf den zu mähenden Wiesenflächen mehrere Bereiche aussparen, damit Insekten weiterhin Nahrung und einen Platz zum Überwintern finden. Bio-Bauer Jochen Bender legt im Rahmen des BUND-Projekts „Wein, Weizen, Wildbienen“ ganze Blühflächen an. „Es gibt auch noch weitere Landwirte, die gesprächsbereit sind“, so Oppacher-Friedrich. Wichtig sei dabei vor allem, dass viele Flächen miteinander vernetzt sind, damit Insekten keine lange Strecken zurücklegen müssen. Auch im Ortskern von Bretzenheim sind in Kooperation mit dem Grün- und Umweltamt Grünflächen angelegt worden.

Doch meistens sei der Schritt hin zu mehr Wildblumenflächen gar nicht so einfach, hat Oppacher-Friedrich die Erfahrung gemacht. „So ist mit der Umnutzung der Ackerfläche ein hoher bürokratischer Aufwand verbunden und auch geeignetes Saatgut ist recht teuer. Außerdem decken viele SpaziergängerInnen sich hier mit Blumen für die heimische Vase ein – das ist natürlich nicht so gedacht!“ Auch freilaufende Hunde seien oft ein großes Problem, da sie zum einen die in den Flächen lebenden Tiere stören und zum anderen die Feldfrüchte auf den Äckern beschädigen und verunreinigen.

EU-Förderung für Blühstreifen

Andreas Köhr, Sprecher des Bauern- und Winzerverbands, rechnet damit, dass diese Flächen in den nächsten Jahren weiter wachsen werden: „Die Landwirte und Winzer wollen sich stärker für eine bessere Biodiversität engagieren. Man lebt ja von und mit der Natur.“ Wenn sie bestimmte Auflagen einhalten, können Ackerbauern für Wildblumenflächen eine EU-Förderung erhalten, entweder in Form einer Greening-Prämie oder im Rahmen des EU-Förderprogramms EULLa (Entwicklung von Umwelt, Landwirtschaft und Landschaft). Mit bis zu 1000 Euro pro Hektar werden die Umweltschutzmaßnahmen der Landwirte bezuschusst.

Ausgenommen von der Förderung sind jedoch noch die Obstbauern. Dennoch säen etliche von ihnen auf freiwilliger Basis Wildblumen aus. „Wir streuen die Samen auf Flächen am Rand des Feldes, die nicht bewirtschaftet werden“, erklärt etwa Anja Nickolaus vom Obsthof Nickolaus in Drais. „So entsteht im Lauf der Zeit von allein eine vielseitige Faunalandschaft, die wir wachsen lassen.“ Obwohl ihre Familie selbst in die Wildblumenflächen investieren müsse, mache sie es gerne, so Nickolaus. Auch sie hat den Eindruck, dass die Blühflächen in der Gegend zugenommen haben, „Vieles auf eigener Basis“.

Der Bauern- und Winzerverband möchte sich dafür einsetzen, dass auch Blühflächen im Obstbau künftig gefördert werden. „Es gibt keine Gründe, die dagegen sprechen“, so Pressesprecher Andreas Köhr.

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