Ebersheim: Verordnung verärgert Landwirte

Eine Verordnung der Stadt Mainz sorgt in Ebersheim für Ärger. Weil Südhang und Südplateau zum Landschaftsschutzgebiet werden sollen, befürchten Landwirte, Jäger und Winzer Nachteile. Ist sogar die Weinwanderung in Gefahr?

Ebersheim: Verordnung verärgert Landwirte

Ortsbeiratssitzungen gelten normalerweise nicht gerade als sexy. Wenn sich einmal mehr als fünf Besucher dorthin verirren, muss schon etwas besonderes auf dem Plan stehen. So wie am vergangenen Donnerstag in Ebersheim: Als der offizielle Teil der Sitzung um 19 Uhr begann, drängten sich um die 40 Menschen in den kleinen Sitzungssaal, viele von ihnen mussten hinter der offenen Tür im Nebenzimmer stehen. Und nicht wenige von ihnen waren ziemlich aufgebracht: Was sich hinter dem sperrigen Begriff „einstweilige Sicherstellung Landschaftsschutzgebiet Südhang und Südplateau Ebersheim“ verbirgt, verärgert vor allem Jäger, Landwirte und Winzer.

„Die Stadt Mainz wird mit einer einstweiligen Sicherstellung die Ebersheimer Weinwanderung verbieten“, schreibt Merkurist-Leser Thomas in seinem Snip. Dazu postet er den Link zur Verordnung, die insgesamt 27 Verbote umfasst - der Begriff Weinwanderung taucht allerdings nicht auf. Die rund sieben Kilometer lange Wanderroute durch die Ebersheimer Weinberge, die in diesem Jahr am 4. Juni stattfand, ist mittlerweile weit über die Grenzen von Mainz bekannt und beliebt. Und so versuchte der Ebersheimer Ortsvorsteher Matthias Gill (Grüne) gleich zu Beginn der Sitzung, die Teilnehmer zu beruhigen: „Die Weinwanderung ist nicht in Gefahr.“ Und: „Für Jäger, Landwirte und Winzer bleibt alles so, wie es ist.“ Doch warum dann die Sicherstellung?

Was Jäger, Landwirte und Winzer befürchten

Auslöser für die Verordnung war laut Martina Bauer vom Grün- und Umweltamt ein Bauantrag für einen Aussiedlerhof. Die Stadt habe keine andere Wahl gehabt, als diesem zuzustimmen. Um zu verhindern, dass Südhang und Südplateau in Ebersheim ähnlich zugebaut werden wie die Laubenheimer Höhe, habe man die einstweilige Sicherstellung beschlossen. Wenn der Stadtrat dieser am Mittwoch zustimmt, wird sie vorläufig für zwei Jahre gelten. Eine einstweilige Sicherstellung ist vergleichbar mit einer Veränderungssperre im Baurecht und noch keine Ausweisung als Landschaftsschutzgebiet. „Unser Ziel ist es, nach zwei Jahren eine ordnungsgemäße Unterschutzstellung auf den Weg zu bringen“, so Martina Bauer. Dafür sollen alle Beteiligten angehört werden. „Wir führen nichts Böses im Schilde - aber das Gebiet ist es Wert, geschützt zu werden“, so Bauer. Auch sie verspricht, dass die Weinwanderung nicht in Gefahr sei.

„Die Eile überrascht uns.“ - Hubert Heimann, Mitglied des Ebersheimer Ortsbeirats

Doch Landwirten, Jägern und Winzern gehen viele der 27 Verbote in der einstweiligen Sicherstellung zu weit. Mit der Bestimmung zum Landschaftsschutzgebiet verbinden sie steigende Restriktionen und Bürokratie. „Landschaftsschutzgebiete sind für Bauern immer problematisch. Die ersten fünf Jahre laufen meist problemlos, doch dann muss man immer mehr mit den Behörden abstimmen, etwa bei Kulturänderungen“, sagte Ludwig Schmitt, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Mainz-Bingen. Auch die Mitglieder des Ortsbeirates sehen manches an der Verordnung kritisch. „Die Eile überrascht uns“, sagte etwa Hubert Heimann (SPD), „und die Irritationen wären geringer ausgefallen, wenn statt 27 Verboten nur drei oder vier aufgelistet worden wären.“

Stadt reagiert

Der Ortsbeirat Ebersheim stimmte der einstweiligen Sicherstellung am Donnerstag zu, empfiehlt der Stadt aber, sich auf die wesentlichen Punkte zu beschränken. Große Hallen oder Mobilfunkmasten sollten zwar verhindert werden, doch für die Nutzer des Gebietes dürfe die Verordnung nicht zu kleinteilig werden. Der Stadtrat wird am Mittwoch über die Sicherstellung abstimmen. Bereits vorher hat die Stadt auf einige der Kritikpunkte reagiert. „Wir haben die Verordnung über die Einstweilige Sicherstellung nochmals klarer gefasst und die Verbote für die ordnungsgemäße Landwirtschaft und die ordnungsgemäße Jagd explizit von allen Verboten ausgenommen“, so Umweltdezernentin Katrin Eder.

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