Kult-Kiosk wird zum plastikfreien Restaurant

Seit etwa einem Jahr ist der Kiosk am Juxplatz in Gonsenheim geschlossen. Doch bald soll es weitergehen. Merkurist hat mit dem neuen Betreiber über sein Konzept gesprochen.

Kult-Kiosk wird zum plastikfreien Restaurant

Zum Kiosk am Juxplatz hat Neilton Schnell, 47, schon seit seiner Jugend eine emotionale Bindung. „Ich habe mehr als 20 Jahre in Finthen gelebt. Auf dem Bolzplatz in Gonsenheim haben wir immer Fußball gespielt.“ Der Bolzplatz ist besonders, weil mitten auf dem Feld ein Baum steht. Genauso besonders sei der Kiosk am Juxplatz gewesen, zu dem sie anschließend immer gingen. „Den hat damals noch Karl Heinz Bendinger geführt. Er war eine Legende in Gonsenheim“, sagt Schnell.

Jetzt ist Schnell selbst für den Kiosk verantwortlich. Oder besser: den ehemaligen Kiosk. Anfang des vergangenen Jahres hatte Inhaber Ahmed Muhammad den Laden geschlossen. In den vergangenen Jahren war es zu mehreren Einbrüchen gekommen. Dabei gingen auch Fenster und Türen kaputt. „Nach dem dritten Einbruch wollte meine Versicherung das nicht mehr übernehmen, deshalb habe ich den Kiosk geschlossen“, erzählte Muhammad im Dezember gegenüber Merkurist.

Neues Gastro-Konzept

Den Laden wollte Muhammad aber behalten. In den vergangenen Jahren hatte er aus eigener Tasche mehr als 100.000 Euro in das Objekt investiert. Doch jetzt musste ein neues Gastro-Konzept her. Und hier kommt Schnell ins Spiel. Denn mit seiner Idee konnte der gelernte Koch den Inhaber trotz vieler Mitbewerber überzeugen.

Doch wie sieht das Konzept aus? „Wir verfolgen ein nachhaltiges und soziales Konzept“, sagt Schnell. Darauf weist schon der Name des neuen Restaurants hin: „Landkind“. Gekocht wird nur mit regionalen und saisonalen Zutaten, zudem soll das Restaurant komplett plastikfrei sein. „Und wir wollen Abfall vermeiden. Das Kaffeegeschirr besteht zum Beispiel aus recycltem Kaffeesatz. Übrig gebliebenes Essen soll an die Tafel gehen.“ Muhammad bleibt stiller Beteiligter, Schnell führt das operative Geschäft.

Mittagstisch, Kuchen und feste Speisen

Das neue Restaurant soll von 7 Uhr bis 22 Uhr öffnen. Nur sonntags ist es geschlossen, an diesem Tag soll es in unregelmäßigen Abständen Koch-Events geben. Ab 11 Uhr beginnt täglich der Mittagstisch mit vier verschiedenen Gerichten. „Diese wechseln jeden Tag und werden an die jeweilige Saison angepasst“, so Schnell. Dazu gehören zum Beispiel Schnitzel, Spargelgerichte oder Hirschgulasch.

Als feste Speisen gibt es Kumpir, Burger, Salate, Porridge, Waffeln, Crêpes, belegte Baguettes und Brote. Die Zutaten werden von lokalen Bauern bezogen, das Brot von den Bäckereien Pfaff und Vetter gebacken. „Das Essen wird ein, zwei Euro teurer sein, als man es vielleicht gewohnt ist. Dafür wissen die Leute, dass sie ordentliche Produkte bekommen“, sagt Schnell. Um 15 Uhr wird der Mittagstisch abgedeckt und es gibt hausgemachten Kuchen. Jedes Essen gibt es auch „To Go“ – ohne Plastikverpackung.

Vollkonzession entzogen

Der Umbau vom Kiosk zum Restaurant ist zum größten Teil abgeschlossen. Außen wurde das Gebäude mit Holz verkleidet, die Decke schwarz gestrichen; innen wurden unter anderem die Toiletten neu gemacht, eine Theke gebaut und der Boden gefliest. Doch Ende des Jahres gerieten die Arbeiten ins Stocken. Der Grund: Der Gonsenheimer Ortsbeirat entzog den Betreibern die Vollkonzession, die zuvor genehmigt worden war.

Zwar dürfte der Laden jetzt öffnen, doch gekocht werden darf nicht. „Nach einem Zeitungsartikel waren Gerüchte entstanden, dass hier ein Dönerladen mit Dosenbier eröffnen soll.“ Außerdem gebe es Sicherheitsbedenken, weil man mehr Publikumsverkehr erwartete. Daraufhin habe der Ortsbeirat einstimmig entschieden, die Vollkonzession wieder zu entziehen. Jetzt sei man in guten Gesprächen, Ortsvorsteherin Sabine Flegel vermittele. „Ende Januar wird die Sache dann neu verhandelt“, so Schnell.

Verein und eigener Garten

Wenn die Konzession wieder erteilt wird, könnte das Restaurant Ende März eröffnen. Denn bis dahin ist noch einiges zu tun: Die Wände sollen noch von einer Künstlerin verziert, das Dach und der Außenbereich begrünt, der Zigarettenautomat außen entfernt werden. Zur Eröffnung von „Landkind“ sollen mindestens 22 Gäste Platz haben. Von außen soll das Restaurant wie eine „kleine, grüne Oase“ aussehen, sagt Schnell.

Und er hat weitere Pläne: In Drais hat er vor kurzem einen Garten mit 800 Quadratmetern gepachtet, aus dem er Zutaten wie Kräuter, Obst und Gemüse beziehen will. In dem Garten sollen sozial Benachteiligte beschäftigt werden. Außerdem wollen Schnell und Muhammad den Verein „Landkind“ gründen, der soziale Projekte unterstützt. „Ein gewisser Prozentsatz unserer Einnahmen wird dann in den Verein fließen.“

Gedichte vom Vorgänger

Und auch der legendäre Vorgänger Karl Heinz Bendinger, der 2012 verstarb, soll nicht in Vergessenheit geraten. Dieser hatte früher kleinere Gedichte geschrieben und sie den Kunden als Geschenk in die Zeitungen und Zeitschriften gelegt. Schnell sagt: „Die Gedichte wurden über die Jahre gesammelt. Wir wollen sie auf unsere Umweltverpackungen drucken und den Gästen so ebenfalls als Geschenk mitgeben.“

(ps)

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