Goldenes Ross: Warum ein Mainzer das Original in seinem Garten stehen hat

Das Goldene Ross auf dem Mainzer Landesmuseum ist ein echter Blickfang. Dabei ist die Skulptur aber lediglich eine Kopie. Denn das Original steht in einem Mainzer Privatgarten. Doch wie kam es dazu?

Goldenes Ross: Warum ein Mainzer das Original in seinem Garten stehen hat

Schon von Weitem ist das Goldene Ross auf dem Mainzer Landesmuseum zu sehen. So ziemlich jeder Mainzer dürfte die Skulptur schon einmal bemerkt haben. Auch Leser Meik kennt das Goldene Pferd. Doch zeitgleich ist er etwas verwundert. Er fragt: „Wieso steht in einem privaten Garten das goldene Pferd, das aufs Landesmuseum gehört?“ Dabei bezieht sich Meik auf einen alten Zeitungsartikel. Auf dem dazugehörigen Titelbild ist zu sehen, dass das nahezu identische Goldene Ross tatsächlich in einem Mainzer Garten steht.

Wie das Ross in den Garten kommt

Einer, der sich mit der Geschichte des goldenen Pferdes auskennt, ist der Sprecher des Landesmuseums, Michael Bonewitz. Er erklärt, dass das ursprüngliche Ross 1774 von einem Bildhauer hergestellt wurde, aus Kupfer bestand und feuervergoldet war. Somit habe es dem Bau an der Großen Bleiche bei der militärischen Nutzung im 19. Jahrhundert den Namen „Golden Roß-Kaserne“ gegeben. Im Zweiten Weltkrieg (1942) wurde die Skulptur dann durch Bombentreffer zerstört. Diese Zerstörung markierte letztlich den Anfangspunkt der weiteren Geschichte des goldenen Pferds und löst zugleich auch die Frage, warum das Goldene Ross auch noch auf dem Mainzer Privatgrundstück steht.

Der Garten, in dem die Skulptur aufgestellt ist, gehört dem Künstler und Maler Hans Jörg Jacobi. Wie dieser auf Merkurist-Anfrage erzählt, habe sein verstorbener Vater, Hans Jacobi, ehemaliger Bürgermeister und Bauderzent der Stadt Mainz, nach dem Krieg die Idee gehabt, das Pferd wieder auf das Landesmuseum zu bringen. Dafür beauftragte er den Künstler Heinz Müller-Olm, eine Nachbildung des Pferds zu erstellen. Nachdem dieser zunächst ein kleines Modell angefertigt hatte, ging man schließlich über, eine große Kopie anzufertigen. „Schließlich hat der Künstler das Goldene Ross original eins zu eins nachgebaut“, sagt Jacobi.

Anschließend sollte die Skulptur wieder auf das Landesmuseum gestellt werden. Doch daraus wurde nichts, wie Jacobi erklärt. „Weil das Ross sehr schwer ist und aus Stahl besteht, hat man damals überlegt, was alles passieren könnte, wenn es aus rund 14 Metern Höhe herunterknallt.“ Deshalb gelangte dieses Exemplar des Rosses nie zur öffentlichen Ausstellung. Schließlich habe man sich entschieden, von der Skulptur einen wesentlich leichteren Abguss aus Aluminium gießen zu lassen, sagt Jacobi. Nachdem das Ross noch vergoldet wurde, stellte man es dann auf den Giebel des Landesmuseums, wo es heute noch steht.

Das Original des Goldenen Rosses steht aber noch heute in Jacobis Garten. „Der Künstler hat uns die Skulptur dann damals geschenkt und sie wurde mit einem Kran in den Garten gehievt“, erzählt der Mainzer Maler. Dort ist das goldene Pferd auf einem Betonfundament verankert, das mit dem Garten bereits verwachsen ist.

Logo