Linksfraktion will begrüntes Hochhaus und Tunnel unter der Kaiserstraße

Die Stadt Mainz will sich als Austragungsort für die Landesgartenschau 2026 bewerben. Die Linksfraktion im Stadtrat kritisiert die aktuellen Planungen dazu und stellt ihre eigenen Pläne vor.

Linksfraktion will begrüntes Hochhaus und Tunnel unter der Kaiserstraße

Städte weiterentwickeln, sie lebenswerter machen und gleichzeitig etwas für Natur und Klima tun - das sind die Ziele der rheinland-pfälzischen Landesgartenschau. Wer die auf ein halbes Jahr ausgelegte Veranstaltung austragen will, muss ein gutes Konzept vorlegen und in grüne Projekte investieren. Der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) hatte bereits im letzten Jahr vorgeschlagen, Mainz als Bewerber für 2026 ins Rennen zu schicken. Die Linke-Stadtratsfraktion hat jetzt eigene Ideen für mögliche Projekte hervorgebracht, in die die Stadt auch unabhängig von der Landesgartenschau investieren sollte - wegen des Klimawandels solle Mainz dabei „groß denken“ und „Mittelmäßigkeiten vermeiden“.

Begrünter „Anna-Seghers-Turm“

Einer der Vorschläge der Partei: Ein begrüntes Hochhaus nach Vorbild des „Bosco Verticale“ in Mailand. „Die Zukunft für Mainz liegt im Himmel“, sagt der baupolitische Sprecher Martin Malcherek dazu. „Statt Wachstum in die Fläche und entsprechender Versiegelung sollte sich Mainz den Bau begrünter Hochhäuser überlegen.“ Konkret stellt er sich vor, dass über der Anna-Seghers-Bibliothek ein begrünter Turm entsteht - ressourcenschonend aus Holz und mit seiner grünen Fassade feinstaubbindend und gut für das Mikroklima. „So könnten auf einen Schlag bis zu 250.000 Quadratmeter nutzbare Fläche geschaffen werden – ohne einen Quadratmeter neu zu versiegeln. Dies entspricht circa 1.666 Einfamilienhäusern.“

Im Turm selbst könnten während der Landesgartenschau ein Besucherzentrum und Ausstellungsflächen eingerichtet und danach kulturelle- und Wohnnutzung hinzugefügt werden. „Der Eingriff ins Stadtbild ist nur gering, weil die Skyline bereits von den Bonifaziustürmen geprägt wird“, erklärt Malcherek. „Allerdings müsste man diese geringfügig überragen, denn 111 Meter sollten bei einem Mainzer Vorzeigeprojekt natürlich erreicht werden.“ Sozial nachhaltig könnte das Projekt werden, indem die Bewohnerstruktur gemischt wird. Einnahmen durch Vermietung im höheren Preissegment durch die exklusive Lage könnten zur Subventionierung von ebenfalls im Hochhaus untergebrachten Sozialwohnungen genutzt werden. Wegen der Lage am Hauptbahnhof bräuchten die Bewohner weitestgehend keine Autos, was die Stadt zudem verkehrstechnisch entlasten könnte.

Tunnel unter der Kaiserstraße

Eine weitere Idee der Fraktion ist ein Tunnel unter der Kaiserstraße, der den Verkehr so lenken könnte, dass die Wohnqualität an der Straße erhöht wird. „Während der Verkehr unter Tage fließt, kann die Kaiserstraße großflächig begrünt und ihrer ursprünglichen Bestimmung als Boulevard wieder zugeführt werden“, sagt die umwelt- und verkehrspolitische Sprecherin der Fraktion, Carmen Mauerer.

Die bestehenden Parkanlagen könnten zu einem Großstadtdschungel verbunden werden, in dem Spielplätze, Ausstellungen und ein Weinstand untergebracht werden. Die Achse Kaiserstraße könnte dann in einen Rundgang für die Landesgartenschau integriert werden, dessen Start und Ende das begrünte Hochhaus wäre. Sollten weder das Hochhaus noch der Tunnel unter der Kaiserstraße wegen der kurzfristigen Planung umsetzbar sein, dann sollte die Stadt darüber unabhängig von der Landesgartenschau nachdenken, so die Fraktion.

„Großflächig angelegte Tulpenbeete wären eine Horrorvision.“ - Carmen Mauerer, Linksfraktion

Die bisherigen Planung rund um die Bewerbung als Austragungsort der Landesgartenschau kritisiert die Linksfraktion. „Die aktuell diskutierten Entwürfe sehen die Aufwertung bereits begrünter Flächen vor – die sich noch dazu größtenteils in der Nachbarschaft privilegierter Wohnlagen befinden“, sagt Carmen Mauerer. „Neue Impulse werden so weder für Mensch noch Natur gesetzt – angesichts von Klimakatastrophe und Artensterben eine Bankrotterklärung. Großflächig angelegte Tulpenbeete wären – nicht nur aus umweltschützerischer Sicht – eine Horrorvision.“ Die Landesgartenschau dürfe außerdem nicht dazu führen, dass Flächen der Naherholung gesperrt oder nur gegen Eintritt zugänglich sind - denn das hatten die mit der Planung beauftragten „HNW-Landschaftsarchitekten“ im letzten Jahr in einem Gespräch mit der FAZ angekündigt.

Bürgerbeteiligung am Mittwoch

Noch steht die Planung rund um die Bewerbung zur Landesgartenschau 2026 aber am Anfang. Ende Januar haben rund 70 Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Zivilgesellschaft und Verwaltung die Ziele und Planungsräume diskutiert. Jetzt sollen sich die Mainzer selbst an der Planung beteiligen.

„Alles ist offen, nichts festgelegt, jeder darf zu Wort kommen.“ - Michael Ebling, OB

Bei einer Online-Bürgerbeteiligung am Mittwoch wird das Architekturbüro den aktuellen Planungsstand vorstellen. Im Anschluss wird allen Bürgern die Möglichkeit gegeben, Ideen und Meinungen zu äußern und zu diskutieren. „Alles ist offen, nichts festgelegt, jeder darf zu Wort kommen“, sagt Oberbürgermeister Michael Ebling dazu.

Die Bürgerbeteiligung findet am Mittwoch, 24. Februar von 18 bis 20 Uhr statt. Die Zugangsdaten und eine Kurzanleitung zur Benutzung findet ihr hier.

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