Tragischer Held vom Mainz-Marathon will für Deutschland zu Olympia

Er kam aus Eritrea, wurde zum Pechvogel beim Gutenberg-Marathon und will jetzt eine große Karriere starten: Läufer Selama Estopia hat große Ziele für die Zukunft und einen ganz besonderen Wunsch, wie er Merkurist verrät.

Tragischer Held vom Mainz-Marathon will für Deutschland zu Olympia

Selama Amariam Estopia wird wohl für immer in die Geschichte des Mainzer Gutenberg-Marathons eingehen. Beim Halbmarathon überraschend in Führung liegend überquerte er rund 200 Meter vor dem Ziel eine Matte im Boden, die zur Zeitmessung vorgesehen war. Dabei dachte der gebürtige Eritreer irrtümlich, er sei gerade über die Ziellinie gelaufen (wir berichteten).

Letztlich wurde Selama nur 29. und zum tragischen Helden des Wettbewerbs. Doch mittlerweile hat der Läufer dieses sportliche Drama verarbeitet. Merkurist überreichte ihm für seine dennoch gute sportliche Leistung am Dienstag deswegen den Pokal „Sieger der Herzen“. Bei der Pokalübergabe erklärten Selama und sein Trainer, welche Ziele sie demnächst erreichen wollen.

Erst ein Jahr im Training

Trainer Hans-Peter Tiedje ist überzeugt, dass Selama, der bereits Süddeutscher Meister über 3000 Meter in der Halle ist, auch in Zukunft Erfolge feiern kann. „Selama hat sehr großes Potenzial.“ Der Lauftrainer hatte den anerkannten Flüchtling aus Eritrea erst vor rund einem Jahr an einer Alzeyer Schule entdeckt und ihn zum Laufsport gebracht. Dafür, dass Selama erst in Deutschland mit dem Laufsport begonnen habe, sei seine Entwicklung enorm schnell, so Tiedje.

Doch Selama müsse sich noch steigern. „Das nächste große Ziel ist, dass er die zehn Kilometer unter 30 Minuten läuft. Selama kann das schaffen.“ Dafür müsse der 22-Jährige aber, so Tiedje, im Training pro Woche rund 150 bis 180 Kilometer laufen und sich stetig steigern. Möglicherweise könnte Selama dann mit einem Vorlauf von zwei Jahren bald auch bei den Deutschen Meisterschaften starten. Auf eine Distanz festgelegt ist der gebürtige Eritreer aber noch nicht. „Zurzeit läuft er Strecken zwischen 3000 und 10.000 Metern bis hin zum Halbmarathon.“

Olympia-Sieger für Deutschland?

Wenn alles gut laufe, könne er sich vorstellen, so Tiedje, dass Selama auch Deutscher Meister werden kann. „Im Ausdauerbereich habe ich noch keinen Läufer gesehen, der so talentiert wie Selama ist.“ Um aber tatsächlich große Erfolge feiern zu können, sind die kommenden zwei Jahre entscheidend. Dafür müsste es der Läufer in den deutschen Kader schaffen, um dann entsprechend gefördert zu werden. Grundvoraussetzung hierfür ist die deutsche Staatsbürgerschaft. Die Chancen auf eine Einbürgerung seien bei Selama gegeben, sagt Trainer Tiedje. „Er hat gute Deutsch-Kenntnisse, will sich voll und ganz integrieren, hat eine Arbeit und bringt gute sportliche Leistungen.“

Selama, der acht Stunden pro Tag als Reinigungskraft arbeitet und abends trainiert, arbeitet hart für seine Ziele. Wie er gegenüber Merkurist sagt, wolle er sich unbedingt weiterhin steigern und verbessern. Zwar könne er sich vorstellen, als Koch zu arbeiten, doch Träume habe er noch andere. „Ich möchte für Deutschland zu Olympia“, so der Läufer. Das wäre für ihn das Größte. Trainer Tiedje traut das seinem Schützling zu. Doch könnte es gar zum Olympiasieg reichen? Diese Frage, so Tiedje, lasse sich noch nicht ernsthaft beantworten.

Doch bevor Selama möglicherweise 2024 in Paris oder 2028 in Los Angeles bei Olympia für Deutschland an den Start geht, hat er noch andere Ziele. „Im möchte auch im nächsten Jahr beim Gutenberg-Marathon dabei sein, dann aber auch gewinnen.“

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