„Der Fall ist verstörend“ – Polizisten mit Schrotflinte und Jagdgewehr erschossen

Polizei und Staatsanwaltschaft geben Details in Pressekonferenz bekannt

„Der Fall ist verstörend“ – Polizisten mit Schrotflinte und Jagdgewehr erschossen

Nachdem in der Nacht von Sonntag auf Montag eine Polizistin (24) und ein Polizist (29) bei einer Kontrolle bei Kusel erschossen wurden, haben Polizei und Staatsanwaltschaft am Dienstag Details zu dem Vorfall bekannt gegeben.

Demnach waren die beiden Polizisten in der Nacht eigentlich zur „Bekämpfung von Eigentumskriminalität“ unterwegs. Warum die Beamten dann den Kastenwagen der Tatverdächtigen kontrollierten, ist noch unklar. Die Ermittler vermuten aber, dass das Fahrzeug zu diesem Zeitpunkt an der Landstraßen stand. Das Gespräch begann nachts um 4:19 Uhr. Die Beamten setzten einen Funkspruch ab, dass sie auf „dubiose Personen“ getroffen seien, die den „Kofferraum voller Wildtiere“ hatten und forderten zwei Streifenwagen zur weiteren Kontrolle an. Etwa eine Minute später setzten sie dann einen Hilferuf ab: „Kommt schnell, die schießen.“ Dann sei nur noch ein Schuss zu hören gewesen.

Kopfschuss mit Schrotflinte

Zehn Minuten später fanden die alarmierten Kollegen die 24-jährige Polizeianwärterin tot. Sie wurde mit einem Kopfschuss aus der Schrotflinte erschossen und lag vor dem Zivilfahrzeug. Ihren 29-jährigen Kollegen fanden die Polizisten in einer Böschung hinter dem Fahrzeug. Er sei schwer verletzt, aber nicht mehr ansprechbar gewesen und verstarb kurz darauf. Der Mann wurde insgesamt mit vier Schüssen getötet, ein Schuss traf auch ihn in den Kopf. Der Polizist habe vor seinem Tod 14 Schüsse abgegeben, die Tatverdächtigen wurden aber nicht getroffen.

Als die anderen Polizisten eintrafen, fand sich kein anderes Fahrzeug mehr vor Ort. Neben der toten Polizistin wurden aber Führerschein und Personalausweis gefunden. Beide Papiere deuteten auf den 38-jährigen Tatverdächtigen aus dem Saarland hin. Deshalb nahm die Polizei Rheinland-Pfalz direkt mit den Kollegen im Saarland Kontakt auf. Bei den Ermittlungen verdichteten sich Hinweise auf zwei Wohnobjekte in Sulzbach (Saarland) und ein Fahrzeug.

Verdacht auf Mord

Im Bereich der Bahnhofstraße in Sulzbach gelang den Beamten der Zugriff auf den 38-Jährigen, als dieser am Montag gegen 17 Uhr das Gebäude verließ. Er ließ sich widerstandslos festnehmen. Die Beamten durchsuchten die Wohnung und fanden einen weiteren 32-jährigen Tatverdächtigen aus Sulzbach. Auch er ließ sich widerstandslos festnehmen.

Der Ermittlungsrichter erließ am Dienstagmorgen gegen beide Haftbefehle, die bereits vollstreckt sind. Die Verdächtigen befinden sich in Untersuchungshaft. Der 38-Jährige äußerte sich bisher nicht zu dem Fall. Der 32-jährige Tatverdächtige gab den Vorwurf der Wilderei zu und bestätigte auch, dass Schüsse gefallen sind. Er habe aber nicht geschossen. Beide sind bereits polizeilich in Erscheinung getreten. Der 38-Jährige wegen Jagdwilderei und Verkehrsunfallflucht, der 32-Jährige wegen Betrugsdelikten. Die Behörden gehen davon aus, dass die beiden die Wilderei recht professionell und gewerblich betrieben haben. In der Wohnung des 38-Jährigen in Spiesen-Elversberg fanden die Beamten mehrere Waffen.

Der Ermittlungsrichter geht wegen der zeitlichen Zusammenhänge und der Art der Waffen davon aus, dass die Tatverdächtigen die beiden Polizisten gemeinschaftlich ermordet haben. Eine Mordabsicht liege vor, weil sie die Jagdwilderei verdecken wollten. Zudem gebe es eine erhöhte Fluchtgefahr. Bei der Pressekonferenz sprachen die Verantwortlichen von einem „verstörenden Fall“.

Die Behörden stehen noch am Anfang der Ermittlungen, wollen aber alle Fakten öffentlich mitteilen. Auch die Gerichtsverhandlung soll öffentlich stattfinden.

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