Krankheit Kater: Warum dieses Urteil für eine Mainzer Firma wichtig ist

Das Frankfurter Oberlandesgericht hat entschieden: Ein Alkohol-Kater ist eine Krankheit. Für ein Mainzer Unternehmen ist diese Frage ziemlich wichtig - wie der Geschäftsführer erklärt.

Krankheit Kater: Warum dieses Urteil für eine Mainzer Firma wichtig ist

Wenn die Partynacht mal wieder wild war und reichlich Alkohol floss, kommt am nächsten Tag bei vielen Menschen das böse Erwachen. Kopfschmerzen, Unwohlsein, Übelkeit - der klassische Kater. Das Frankfurter Oberlandesgericht (OLG) hat sich nun mit der Frage beschäftigt, ob es sich beim Kater sogar offiziell um eine Krankheit handelt. Und das hat mit einem Mainzer Unternehmen zu tun: „one:47 Anti Hangover Drink“.

Denn der Hersteller eines Anti-Hangover-Drinks wirbt damit, dass sein Nahrungsergänzungsmittel gegen das typische Katerleiden hilft. Die Symptome eines Katers lägen aber außerhalb der natürlichen Schwankungsbreite des Körpers, so das Gericht. Heißt konkret: Laut dem Frankfurter OLG ist der Kater als eine Krankheit zu betrachten. Geklagt hatte der Verband Sozialer Wettbewerb (VSW).

Kernfrage: Ist der Kater eine Krankheit?

„one:47“-Geschäftsführer Christopher Prätsch sagt gegenüber Merkurist: „Die Kernfrage ist, ob der Kater eine Krankheit ist oder nicht. Ist er eine Krankheit, dürfen Lebensmittel (zu denen Nahrungsergänzungsmittel gehören) nicht damit beworben werden, dass sie dagegen helfen. Selbst wenn dies in Studien bewiesen wurde.“

Und welche Konsequenzen muss „one:47“ jetzt ziehen? Einerseits könne man die Werbung anpassen und nicht direkt mit der Wirksamkeit gegen den Kater werben, so Prätsch. „Die zweite Möglichkeit ist, ‘one:47’ statt als Nahrungsergänzungsmittel als ein ‘Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke’ zu vertreiben. Dafür muss der Kater sogar eine Krankheit sein“ , sagt Prätsch. Hierzu müssten aber spezielle Kriterien durch „one:47“ erfüllt werden. Beispielsweise muss in der Regel in einer wissenschaftlichen Studie nachgewiesen werden, dass das Produkt tatsächlich wirksam ist. Zwar erfülle das Mainzer Unternehmen nach eigener Aussage und einer Uni-Studie dieses Kriterium, allerdings werde man vonseiten der Pharmaindustrie und von Wettbewerbsverbänden immer wieder angegriffen, so Prätsch.

OLG widerspricht Studie

In einem von „one:47“ vorgelegten Gutachten kommt ein Professor der Universitätsmedizin Mainz zu dem Ergebnis: „Aus meiner fachkundigen Sichtweise ist also ein Alkohol-Kater nicht als Krankheit einzustufen.“ Der Kater sei viel mehr als natürliches Auf und Ab der körperlichen Leistungsfähigkeit zu verstehen. Trotzdem entschied das OLG anders. Ein Vorgang, den Prätsch nicht nachvollziehen kann. „Interessanterweise hat weder die Gegenseite noch das Gericht selbst Gutachter berufen. Nur wir hatten Gutachten mit eingebracht“, sagt er. Die Entscheidung des Gerichtes, den Kater als Krankheit anzusehen halte man für falsch. Womöglich müsse diese Frage nun vom Bundesgerichtshof geklärt werden.

Übrigens: Auch wenn der Kater für Produktwerbung als Krankheit eingestuft wird, heißt das nicht, dass man sich beim Arzt deshalb krankschreiben lassen kann. Sozialrechtlich und medizinisch gilt der Kater weiterhin nicht als Krankheit. Hier handelt es sich um unterschiedliche Rechtsbereiche. (df)

Logo