Das Rätsel um das „Nasengässchen“ in der Mainzer Altstadt

In der Mainzer Altstadt gibt es etliche skurrile Straßennamen. Wir haben uns umgehört, welche Geschichte hinter dem „Nasengässchen“ steckt.

Das Rätsel um das „Nasengässchen“ in der Mainzer Altstadt

„Mitternacht“, „Betzelsstraße“, „Eppichmauergasse“ – viele Straßennamen in der Mainzer Altstadt werfen Fragen auf. Interessant ist auch die Geschichte hinter dem „Nasengässchen“, eine der typisch engen Straßen im Bereich um den Dom herum. Sie gehört zur Denkmalzone der südöstlichen Altstadt. Doch was steckt hinter diesem merkwürdigen Namen?

„Um den Namen der Gasse kursieren mehrere Legenden“, erklärt Peter Seelmann im Gespräch mit Merkurist. Seelmann bietet seit vielen Jahren Stadtführungen durch Mainz an. Er kennt etliche, längst vergessene Geschichten und historische Besonderheiten der Stadt. Eine Version lautet, dass sich das „Nasengässchen“ vom Begriff „Nass“ ableitet, da durch die benachbarte Grebenstraße der Grebenbach verlief.

Benannt nach dem Haus „Zur langen Nase“?

„Das ist aber Quatsch“, denkt Seelmann. In einer Dissertation von Rita Heuser aus dem Jahr 2008 fand er Erklärungen, die viel sinniger erscheinen: Dass der Name tatsächlich etwas mit den Eigenheiten der Nase zu tun hat. Im Neuhochdeutschen bedeutete „Nase“ nämlich übertragen so viel wie „etwas Vorspringendes, Gebogenes, vorstehende Zapfen aus Eisen oder Holz“. So könnte die Gasse nach dem Haus „Zur langen Nase“ in der benachbarten Grebengasse benannt sein, das vorstehende Elemente aus Eisen gehabt haben könnte. „Das Haus wurde erstmals 1316 erwähnt, ebenso wie die Nasengasse“, so Seelmann. Die Gasse tauchte also bereits in den ältesten Mainzer Stadtplänen auf.

Andere Historiker, wie Meinrad Schaab, gehen davon aus, dass es die charakteristische Krümmung der Straße ist, die ihm den Namen gegeben hat. Daher sei es auch „Enges Gässlein“ genannt worden. „Auf alle Fälle ist es eine der schönsten Plätze der Stadt“, findet Seelmann. Von hier aus geht es zum Hof Ehrenfels, auch Mauerreste alter Häuser lassen sich noch besichtigen. „Außerdem liegt gegenüber das bekannte Chorhaus des Doms.“

Der Gästeführerverband Mainz bietet Führungen für Gruppen, Einheimische und Touristen an. Mehr Infos findet ihr auf der Webseite.

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