Alufolie am Schloss – das steckt dahinter

Seit längerer Zeit ziert Alufolie nun schon Fenster an der südlichen Front des Mainzer Schlosses. Merkurist erhielt Einblicke in die Räume dahinter.

Alufolie am Schloss – das steckt dahinter

Wer regelmäßig am Kurfürstlichen Schloss vorbeiläuft, dem ist sie sicher schon aufgefallen: Alufolie an Fenstern der südlichen Front. Schon seit einigen Jahren ein gewohnter Anblick. Doch was steckt dahinter?

Das verbirgt sich hinter der Folie

Seit 1852 werden die Räume des Kurfürstlichen Schlosses vom Römisch-Germanischen Zentralmuseum (RGZM) genutzt. „Das Haus platzt aus allen Nähten“, erzählt Dr. Christian Miks, Archäologe und Koordinator des nun anstehenden Umzuges. Nach fünf Jahren Schließung und mehreren Verzögerungen zieht das Museum in einen 14.500 Quadratmeter großen Neubau gegenüber dem DB Cargo-Gebäude in der Rheinstraße (wir berichteten). Das bedeutet: 220.000 Objekte müssen von einem Ort an einen anderen gebracht werden. Der immense logistische Aufwand umfasst mehrere Arbeitsschritte, erklärt Miks. Hierbei werden die Objekte gesichtet und - wenn nötig - restauriert, von Fotografen professionell abgelichtet, um am Ende verpackt und eingelagert zu werden.

In dieser Prozesskette kommt die Rettungsfolie zum Einsatz, genauer an der Fotostation. Um ordentliche Inventurfotos der Objekte machen zu können, muss der Raum dunkel genug sein. Die Jalousien, die sich an den Fenstern befinden, leisten hierzu nur einen geringen Beitrag. Dabei soll die Folie nicht nur den Raum verdunkeln: Durch Reflexion der silbernen Fläche wird Sonnenstrahlung und Wärme abgehalten. „Die durchgehende Fensterfront sorgt für eine permanente Erhitzung des Raums“, so Miks. Die Folie solle dieser entgegenwirken und die Arbeiten auch bei großer Hitze erträglich machen.

Die Inventurfotos seien aus mehreren Gründen relevant. Durch sie können kleinste Schäden an den Objekten erfasst und bearbeitet werden. Außerdem lassen sich die Objekte während des Umzuges zurückverfolgen. Später soll dann anhand der Fotografien ermöglicht werden, die Sammlung auch digital zu betrachten.

Der Umzug des RGZM ist nun schon zwei Jahre in Verzug: lange genug, dass die Folien an den Fenstern teilweise von der Sonne zersetzt sind. Nun ist der Großteil in speziellen Kartons verpackt, die Oxidation und Beschädigung verhindern. Um die Objekte nachverfolgen zu können, befinden sich auf den Kartons Bilder und Barcodes. Im Laufe des Herbstes werden die Ausstellungsstücke in den Neubau eintreffen. Danach werden die Räume wieder von der Stadt genutzt. Diese hatte im 19. Jahrhundert dem RGZM das Schloss als Ausstellungsraum zur Verfügung gestellt.

Hintergrund

Nach dem Auszug des RGZM soll das Renaissance-Schloss saniert werden. Hierfür habe der Bund bereits 27 Millionen Euro zugesagt, berichtet die dpa. Ein Expertenrat arbeite an der künftigen Präsentation des Schlosses. In den vom RGZM genutzten Räumen sollen Kongresse und Ausstellungen stattfinden. Die Sanierungsarbeiten sind für 2023 geplant.

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