Räume, Flure, Veranstaltungsflächen – inzwischen lässt sich ziemlich gut erkennen, was in der ehemaligen Kommissbrotbäckerei an der Rheinallee 111 entstehen soll. Noch fehlen an einigen Stellen Beleuchtung und letzte Ausbauten, auch an den Toiletten wird beispielsweise noch gearbeitet. Trotzdem steht fest: Nach jahrelanger Planung beginnt für die Kulturbäckerei nun der tatsächliche Betrieb.
Ab Oktober will der Verein Kulturbäckerei die Räume im zweiten Obergeschoss und Dachgeschoss nach und nach mit Leben füllen. Insgesamt stehen dort rund 1400 Quadratmeter zur Verfügung. Geplant sind unter anderem kleine Konzerte, Lesungen, Ausstellungen, Filmveranstaltungen, Workshops und weitere soziokulturelle Formate.
Das Konzept geht dabei über ein klassisches Kulturhaus mit festem Veranstaltungsprogramm hinaus. Die Kulturbäckerei versteht sich auch als Plattform für die freie Mainzer Kulturszene: Vereine, Initiativen und andere Gruppen sollen die Räume selbst nutzen und eigene Projekte verwirklichen können.
20 Räume – viele davon können gebucht werden
Insgesamt gibt es rund 20 Räume. Sieben bis acht davon sind bereits dauerhaft an Kulturakteure vermietet. Dazu zählen unter anderem der Berufsverband Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK), TheaterRaumMainz, PAD, eine Filmproduktion sowie eine Jugendkunstschule.
Die übrigen Räume sollen nicht einfach leer bleiben, sondern flexibel genutzt werden können. Über ein Online-System sollen Vereine, Initiativen, Kulturschaffende und andere Interessierte Räume für Veranstaltungen, Treffen, Workshops oder eigene Projekte buchen können.
Genau diese Offenheit gehört für den Verein zum Kern des Konzepts. Die Kulturbäckerei soll demnach nicht nur ein Ort sein, an dem Kultur präsentiert wird, sondern einer, an dem Mainzer selbst etwas auf die Beine stellen können. Der Verein verfolgt diese Idee bereits seit 2017 und hat in den vergangenen Jahren unter anderem im K-LAB am Karoline-Stern-Platz Veranstaltungen und Beteiligungsformate erprobt.
Förderung kurzfristig um 50.000 Euro gekürzt
Zum Start gibt es allerdings auch eine schlechte Nachricht für den Verein: Die ursprünglich vorgesehene jährliche Förderung der Stadt Mainz wurde kurzfristig um 50.000 Euro reduziert. Statt der bislang eingeplanten 350.000 Euro stünden damit nun 300.000 Euro jährlich zur Verfügung, hieß es bei einer Pressekonferenz mit Oberbürgermeister Nino Haase und Finanzdezernent Daniel Köbler am Mittwoch (wir berichteten).
Das ist gerade deshalb bemerkenswert, weil der Mainzer Stadtrat 2024 noch eine Förderung von 350.000 Euro ab 2026 beschlossen hatte. Das Geld wird für den laufenden Betrieb des soziokulturellen Zentrums benötigt – von Personal und Miete bis zur Organisation des Programms. Wie stark sich die Kürzung auf den Betrieb auswirken wird, muss sich zeigen. Klar ist aber: Die Kulturbäckerei startet damit finanziell unter anderen Voraussetzungen als ursprünglich geplant.
Club, Restaurant und Café kommen später
Die Kulturbäckerei ist allerdings nur ein Teil des neuen Kulturstandorts. Das gesamte Gebäude tritt unter dem Namen „hundert11“ auf. Die unteren Etagen übernimmt Norbert Schön, bekannt als Betreiber des Mainzer „schon schön“. Dort sollen ein großer Veranstaltungssaal für bis zu 600 Gäste, ein Club für rund 400 Besucher sowie Gastronomie entstehen. Vorgesehen sind unter anderem ein Restaurant und ein Café. Auch der Innenhof soll für Veranstaltungen, Märkte und Feste genutzt werden:
Bis dort gefeiert werden kann, dauert es allerdings noch etwas. Die von Schön betriebenen Bereiche werden erst später eröffnen. Wann genau der Club startet, steht derzeit noch nicht fest – und auch dessen Name bleibt vorerst geheim.
Damit entsteht an der Rheinallee schrittweise ein ziemlich umfangreicher neuer Kulturstandort: oben die soziokulturellen Räume der Kulturbäckerei, unten Club, größere Veranstaltungen und Gastronomie.
Großes Eröffnungswochenende im Oktober
Richtig gefeiert werden soll die neue Kulturbäckerei vom 23. bis 25. Oktober. Für das Eröffnungswochenende ist ein umfangreiches Programm geplant.
Los geht es am Freitag, 23. Oktober, ab 17 Uhr mit einem Festakt, Redebeiträgen und Konzert. Am Samstag und Sonntag öffnet das Haus jeweils ab 11 Uhr. Geplant sind Ausstellungen, Konzerte, Workshops und Führungen durch das neue Zentrum. Der Eintritt soll kostenlos sein.
Nach fast einem Jahrzehnt Planung ist der entscheidende Unterschied nun aber: Aus einem lange diskutierten Mainzer Kulturprojekt wird tatsächlich ein Ort, den die Stadt betreten und nutzen kann.