Konzerte und Theater: So planen die Veranstalter für den Sommer

Leere Zuschauerräume, kein Applaus, kein Lachen: Lange mussten Musiker und Theaterschaffende auf Live-Auftritte verzichten. Wie sie ihre Gäste trotzdem begeistern konnten und welche Pläne sie haben, berichten uns eine Produktionsfirma und ein Theater

Konzerte und Theater: So planen die Veranstalter für den Sommer

Mit Spannung warteten die Veranstalter darauf, dass die Bundesnotbremse wegfällt. Denn ab jetzt dürfen auch Kulturveranstaltungen im Freien mit maximal 100 Zuschauern wieder stattfinden (wir berichteten). Hinter den Musikern, Theaterschaffenden und Künstlern liegen Monate ohne Live-Auftritte, ohne Zuschauer. Viele von ihnen haben in der Zeit neue Konzepte entwickelt, um ein bisschen Kultur unter die Menschen zu bringen.

So etwa die Konzert-Produktionsfirma Loft Arts. Erst 2019 hatten Leonard Stolz und Niklas von Klitzing angefangen, organisierten große Konzerte mit Live-Bands und 600 Zuschauern. Sie handelten Verträge aus, bauten sich ein Netzwerk aus Musikmanagern, Künstlern und großen Musik-Labeln auf. „Als Produktionsfirma waren wir schneller in der Branche angekommen, als wir zunächst gedacht hatten“, sagt Leonard Stolz, einer der geschäftsführenden Gesellschafter von Loft Arts aus Saulheim.

Professionelle Musikvideos für Künstler

Mit Beginn der Corona-Pandemie fiel das alles ins Wasser, Stolz und von Klitzing mussten auf die Schnelle ein neues Konzept auf die Beine stellen. „Mit unserer Band und unserem angewachsenen Team gründeten wir ‘Loft Arts Frames’“, berichtet Stolz. „In erster Linie bieten wir Künstlern damit die Möglichkeit, in dieser schwierigen Zeit aufzutreten, ihrer Kunst nachzugehen.“ Songs können so in einer hochwertigen Weise neu performt werden, denn das 20-Personen-Team von Loft Arts besteht aus Musikern, Videografen, Fotografen, Designern, Ton- und Lichttechnikern. Als auch einige Unternehmen auf die Produktionen aufmerksam wurden, fragten sie nach Werbevideos - darunter Jägermeister und Fritz-Kola. „Die Nachfrage war so groß, dass wir letztendlich eine eigene Werbeagentur gründeten“, so Stolz.

Dennoch vermissen sie die Live-Veranstaltungen und wollen wieder Konzerte veranstalten, sobald es möglich ist: „Diese Intimität und Nähe zur Musik ist einzigartig und digital schwer nachzuempfinden.“

„Für den Kontakt zum Publikum gibt es einfach keinen Ersatz“ - Kim Manuel Reuter

Ähnlich geht es Kim Manuel Reuter vom Galli Theater Mainz: „Egal, was wir machen, für eine Sache gibt es einfach keinen Ersatz: Den Kontakt zum Publikum, die Begegnung, das Miteinander. Diesen besonderen Moment im Theater, wenn die Schauspieler mit den Zuschauer auf eine einzigartige, magische Weise miteinander verbunden sind - miteinander atmen und miteinander fühlen.“

Auch das Galli-Theater fand eine Menge digitale Alternativen, um mit den Gästen in Kontakt zu bleiben: Regelmäßige Livestreams, kostenfreie Märchenhörspiele, Gedichte, Online-Theaterkurse für Kinder sowie Musik-Jam-Sessions der Märchen-Lieder aus ihren Theaterstücken. Bis zu 800 Live-Zuschaltungen hatten allein die interaktiven Mitspieltheater-Livestreams. Dennoch vermissen sie die Kinder sehr: „Die roten Bäckchen und gefühlsgeladenen großen Augen nach einer Märchenaufführung sind für uns unvergleichbar“, so Reuter.

Im Sommer wird es Außen-Auftritte geben

Wie im vergangenen Jahr werden Kim Manuel Reuter und seine Kollegin Anna Hinrichs im Sommer wieder draußen spielen: Familien-Aufführungen am Mainzstrand etwa, Abendtheater im Mombacher Freibad, ein Theater- und Dinner-Abend im Hof des Restaurants Gourmet Mondial und Kindertheater-Ferienkurswochen im Finther Bürgerhaus. Die Hörbuchproduktionen wollen sie auch nach der Wiedereröffnung ihres kleinen Theaters beibehalten und erweitern. Außerdem sollen theaterpädagogische Angebote ausgebaut werden: Als „mobiles Theater“ werden sie dann in Kitas und Schulen auftreten. „Die Kinder sparen sich somit die Anfahrt, es gibt klare Hygienekonzepte und feste Gruppen“, erklärt Reuter.

So entbehrungsreich das vergangene Jahr für sie war, so groß war die Unterstützung, die das Galli-Theater erfahren hat - sowohl von Zuschauern als auch von Gonsenheimer Gewerbetreibenden: „Man kann sagen, dass uns unsere Gäste durch das Jahr gebracht haben, sowohl finanziell als auch mental.“

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