Die Mainzer Martinus-Bibliothek hat im vergangenen Jahr bedeutende alte Drucke reinigen lassen, um sie für die Zukunft zu erhalten. Wie die Wissenschaftliche Diözesan-Bibliothek mitteilt, wurde das Projekt vom Land Rheinland-Pfalz gefördert.
Restauratoren reinigten 20 wertvolle und stark verstaubte Bücher aus dem letzten Drittel des 15. Jahrhunderts. Seite für Seite wurden die Drucke aus der Frühzeit des Buchdrucks vorsichtig mit Schwämmen und Pinseln trockengereinigt. Bei einer lateinischen Bibel, die 1476 in Nürnberg gedruckt wurde, hatten sich beide Buchdeckel gelöst. Hier konnte dank der Förderung auch der Einband gesichert werden, sodass das Buch wieder vollständig benutzbar ist.
Spurensuche in alten Büchern
Die geretteten Werke gelten als bedeutendes rheinland-pfälzisches und Mainzer Kulturgut. Anhand ihrer Vorbesitzer, wie dem Domdekan Johann von Heppenheim, lässt sich die Verbreitung von Literatur in der Mainzer Bistumsgeschichte nachvollziehen. Drei der Bände stammen aus dem ehemaligen Mainzer Augustinerkloster. Einige der Bücher enthalten zudem prächtigen Buchschmuck wie verzierte Anfangsbuchstaben und Pflanzenmalereien.
In den Büchern fanden sich auch einige Überraschungen. In der Frühzeit des Buchdrucks war es üblich, Blätter von alten Handschriften im Bucheinband wiederzuverwenden. So blieben in der Hälfte der Drucke mittelalterliche Handschriftenfragmente erhalten, das älteste aus dem 11. Jahrhundert. In einem Buch entdeckte man zudem den Tintenabdruck eines hebräischen Talmudkommentars.
Um die Bücher langfristig zu schützen, lagern sie nun in der Bibliothek bei 18 Grad und 50 Prozent Luftfeuchtigkeit. Zusätzlich sind sie in speziellen, säurefreien Kartons verpackt.