Rassismus-Debatte an Fastnacht in Mainz: Ist das Indianer-Kostüm noch zeitgemäß?

Die Fastnacht in Mainz nähert sich dem Höhepunkt. Doch welche Verkleidung ist noch okay? Ein Rassismus-Forscher warnt vor „Indianer“-Kostümen, bei einem Anbieter für Karnevalsartikel, der auch in Mainz eine Filiale hat, sieht man dies anders.

Rassismus-Debatte an Fastnacht in Mainz: Ist das Indianer-Kostüm noch zeitgemäß?

In der Fastnachtshochburg Mainz steuert die fünfte Jahreszeit langsam auf den Höhepunkt zu und viele Narren fragen sich: Wie darf ich mich heute überhaupt noch verkleiden? Bestimmte Kostüme, wie die des „Indianers“, stehen in der Kritik, weil sie als diskriminierend empfunden werden. Ein Rassismus-Forscher und ein großer Kostümhändler mit Filiale in Mainz vertreten hierzu gegensätzliche Positionen.

Forscher: „Das ist rassistisch“

Karim Fereidooni, Rassismus-Forscher an der Ruhr-Universität Bochum, hat eine klare Haltung. Gegenüber der „WAZ“ sagt er: „Allein das Wort ,Indianer‘ ist schon rassistisch, weil es eine Fremdbezeichnung ist. Ich rate also dringend davon ab, sich so zu verkleiden.“ Auch wenn man damit einen Kindheitshelden ehren wolle, könne dies andere Menschen verletzen.

Der Experte erklärt die Kritik vieler indigener Völker an der sogenannten kulturellen Aneignung. Sie sehen das Tragen ihrer traditionellen Gewänder an Fastnacht als respektlos an. „Weiße Menschen haben die Native Americans kolonialisiert, ihr Land weggenommen und sie unterdrückt. Und jetzt verkleiden sie sich aus Spaß als diese Minderheit. Das ist rassistisch“, kritisiert Fereidooni.

Narren sollten seiner Ansicht nach generell darauf verzichten, sich als „exotische Gruppen“ zu kostümieren. Als Beispiel nennt er das „Blackfacing“, bei dem sich weiße Menschen das Gesicht schwarz anmalen, um eine Person mit dunkler Haut abwertend darzustellen. Auch Baströcke oder Knochen im Haar seien respektlos. Unproblematisch sei es hingegen, sich als Bayer in Lederhose oder als Schwede zu verkleiden, da diese Gruppen nicht „als eigene Rasse konstruiert“ und historisch nicht systematisch unterdrückt wurden. Sein Tipp: „Verkleiden Sie sich lieber als Gegenstand oder Tier. Dann können Sie gar nichts falsch machen.“

Kostümladen sieht kein Problem

Bei der Kostüm-Kette Deiters, die auch in Mainz eine Filiale betreibt, kann man diese Kritik nicht nachvollziehen. „Wir erkennen nicht, dass Menschen sich aus negativen Aspekten so verkleiden und auch nicht, um Indianerinnen und Indianer zu verspotten“, erklärt Inhaber Herbert Geiss gegenüber der „WAZ“.

Die umstrittenen Kostüme seien daher weiterhin im Sortiment und erfreuten sich großer Beliebtheit. Geiss macht deutlich: „Solange Kostüme persönlich und dem Umfeld positiven Spaß bereiten, sehen wir keinen Ansatz, sie aus dem Sortiment zu nehmen.“

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