Marianne Grosse: „Niemand hat den Kopf in den Sand gesteckt“

Keine Feste, Konzerte oder Lesungen: Die Kulturszene in Mainz wurde von der Corona-Krise hart getroffen. Nun zieht die Kulturdezernentin Marianne Grosse (SPD) ein erstes Fazit - und lobt die Kulturschaffenden.

Marianne Grosse: „Niemand hat den Kopf in den Sand gesteckt“

Als im März wegen der Corona-Pandemie erste Kontaktbeschränkungen und Veranstaltungsverbote erlassen wurden, war recht schnell klar: Die Kulturszene in Mainz muss sich - wie auch andere Bereiche des Alltags - auf ein hartes Jahr einstellen. Große Veranstaltungen wie die Johannisnacht, der Weinmarkt oder „Summer in the City“ wurden abgesagt. Museen und Galerien mussten wochenlang geschlossen bleiben, Lesungen und Kleinkunst-Auftritte fielen aus. Mit Beginn der Open-Air-Saison kehrte auch die Kultur wieder in den Alltag der Menschen zurück - wenn auch Hygiene-Regeln, Kontaktverfolgung und Maskenpflicht die Veranstaltungen begleiten.

Jetzt, knapp ein halbes Jahr nach den ersten Beschränkungen, zieht Kulturdezernentin Marianne Grosse (SPD) im Gespräch mit Merkurist eine erste Bilanz für die städtischen Institutionen und Veranstaltungen. Sie sagt: „Die Kultur hat es in der Corona-Krise sehr, sehr hart getroffen. Wir konnten für viele Wochen gar keine Veranstaltungen planen, das hat man gemerkt. Und wir mussten unsere Veranstaltungen komplett neu organisieren.“ Persönlich habe sie es sich auch nicht vorstellen können, dass es in diesem Sommer keine Konzerte gibt. „Dass ‘Summer in the City’ abgesagt werden musste, hat mir sehr leid getan, war aber natürlich die einzig richtige Entscheidung. Ich tröste mich dann damit, dass auch die Olympischen Spiele abgesagt wurden oder Fußballspiele ohne Zuschauer stattfinden. Das war unvorstellbar und es ist nun doch so.“

Zusammengehörigkeitsgefühl gespürt

Man habe schon gemerkt, dass die Kultur in Mainz gefehlt hat, „sie wurde von allen vermisst", so Grosse. „Unsere Gesellschaft ist nicht dieselbe ohne Kultur.“ Man habe aber auch festgestellt, dass keiner der Kulturschaffenden den Kopf in den Sand gesteckt hat – obwohl auch viele Existenzen gefährdet waren und noch sind. „Diese Energie und diese Mentalität von ‘Jetzt erst recht’ haben mich beeindruckt. Wir standen und stehen viel im Austausch mit der Kulturszene in Mainz. Was ich nicht einmal gehört habe, war: Der Ofen ist aus. Das bewundere ich sehr.“

Genauso wie die große Solidarität. Laut Grosse arbeiten hier die verschiedensten Institutionen zusammen. „Da werden beispielsweise vom KUZ oder Frankfurter Hof Räumlichkeiten für die freie Szene zur Verfügung gestellt – das ist sehr gut. Das Zusammengehörigkeitsgefühl ist hier richtig zu Tage getreten.“ Man tue alles für die Museen und Kulturinstitutionen, die sich in städtischer Trägerschaft befinden, damit sie gut durch diese Krise kommen, so Grosse weiter. „Ich kann allerdings nicht sagen, wie es mit der freien Szene weitergeht. Die Stimmung dort ist nach meiner Auffassung gut, auch wenn die Lage weiterhin angespannt bleibt.“

Grosses Blick richtet sich derzeit vor allem auf den Herbst und Winter. „Wie das dann wird, müssen wir schauen. Wir ziehen alles in Erwägung und denken verschiedene Szenarien durch. Derzeit planen wir mit den Rahmenbedingungen, die aktuell gelten. Wir werden tun was wir können, um auch der freien Szene zu helfen. Wichtig ist, dass die Kultur weiter besteht und dass wir Alternativprogramme wie die virtuelle Johannisnacht anbieten.“ Damit dies auch stattfinden kann, appelliert sie an die Bürger, sich diszipliniert zu verhalten. „Wir haben im Kulturbereich schon viel erreicht. Wenn wir das nicht gefährden wollen, müssen wir Abstand halten, Masken tragen und die Hygiene-Regeln einhalten.“ (mm)

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