Guido Schäfer über Polizisten-Feier: „Dieses Denunziantentum ist das allerletzte“

Nach einer Polizisten-Feier in der Mainzer Altstadtkneipe „Zum Heringsbrunnen“ gibt es viel Kritik an Beamten und Gastwirt. Ex-Mainz-05-Kicker Guido Schäfer hat eine ganz andere Meinung.

Guido Schäfer über Polizisten-Feier: „Dieses Denunziantentum ist das allerletzte“

Noch immer diskutiert Mainz über die Polizisten-Feier in der Altstadtkneipe „Zum Heringsbrunnen“ (wir berichteten). Dort hatten sich am Montagabend mehrere Polizisten zu einer Feier versammelt, die bis nach 22 Uhr ging. Zudem sei dabei kein ausreichender Abstand gehalten worden. Wie viele Teilnehmer die Feier genau hatte, ist unklar. Zunächst ging man von rund 40 aus, „Heringsbrunnen“-Wirt Michael Schollmayer spricht von „25 bis 27“ Leuten. Viele Internet-User kritisieren Polizei und Wirt, andere zeigen Verständnis. Auch Kult-Kicker Guido Schäfer hat eine klare Meinung zu dem Fall.

Schäfer spielte von 1988 bis 1996 für Mainz 05 und war in dieser Zeit auch für seine Kneipenbesuche bekannt. Mittlerweile lebt und arbeitet er in Leipzig, an diesem Wochenende ist er als Reporter für die „Leipziger Volkszeitung“ wieder in seiner alten Heimat. Und auch im „Heringsbrunnen“ war er am Samstagabend: „Wenn ich in Mainz bin, besuche ich auch immer meine alten Stammkneipen“, sagt Schäfer gegenüber Merkurist.

„Dieses Denunziantentum ist das letzte“

Die Aufregung um die Polizisten-Feier habe er mitbekommen, verstehen könne er sie aber nicht. „Ich bin generell ein Typ, der Verständnis für andere zeigt. Polizisten sind auch nur Menschen und stehen unter großem Druck. Sie müssen sich für wenig Geld so viel gefallen lassen“, sagt Schäfer. „Es ist typisch deutsch, dass man sich jetzt so darüber aufregt.“ Auch er selbst habe immer wieder Regeln gebrochen. „Und auch die großen Bedenkenträger sollen sich mal Gedanken machen, ob sie in letzter Zeit nicht auch etwas Verbotenes getan haben.“

Doch müssen sich Polizisten nicht noch mehr an die Regeln halten, die sie selbst kontrollieren? Schäfer sagt: „Natürlich haben sie einen Fehler gemacht. Und dafür sollten sie auch einen Denkzettel kriegen, eine kleine Strafe. Aber es darf jetzt nicht passieren, dass deswegen ihre Karriere verbaut wird.“ Auch Politiker, die jetzt laut „Aufklärung, Aufklärung“ riefen, sollten den Ball flach halten. Am wenigsten könne er die diejenigen verstehen, die den Fall angezeigt haben. „Die stehen auf ihrem Balkon und rufen sofort an. Dieses Denunziantentum ist das allerletzte.“ Das Polizeipräsidium Mainz hatte sich in einer Pressemitteilung vom Verhalten der Polizisten distanziert (wir berichteten).

Verständnis für Gastronom

Bei seinem Besuch im „Heringsbrunnen“ habe sich Schäfer an alle Regeln gehalten. „Um 21:59 Uhr war schon ein Bein draußen, das zweite habe ich um 22 Uhr nachgezogen.“ Er hofft, dass „Heringsbrunnen“-Wirt Michael Schollmayer keine zu hohe Geldstrafe zahlen muss. „Scholly hat einen Fehler gemacht und steht dazu.“ Schollmayer spendete den Umsatz, den er nach 22 Uhr „unverdientermaßen erwirtschaftet hat“ – an die Kinder des Oppenheimer Polizisten, der vor Kurzem gestorben war. Zudem erstattete er Selbstanzeige. Schäfer sagt: „Scholly war schon immer geradeaus. Seine Mitarbeiter und er machen das seit vielen Jahren mit viel Liebe.“

„Wenn Scholly aus Mainz vertrieben wird, dann übernehme ich den ‘Heringsbrunnen’“ - Guido Schäfer

Den Gastwirten werde derzeit die Existenz entzogen. „Die Sperrstunde und die Abstandsregeln sind doch für Gastronomen grauenvoll“, sagt Schäfer. Deshalb hoffe er, dass Schollmayer keinen großen Ärger bekommt. „Wahrscheinlich wird es eine Geldstrafe geben, hoffentlich nicht zu hoch.“ Wenn nicht, hat Schäfer auch schon einen Plan: „Wenn Scholly aus Mainz vertrieben wird, dann übernehme ich den ‘Heringsbrunnen’.“ (nl)

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