Polizei, Strom, Busse: Was passiert, wenn viel Personal ausfällt?

Die Coronafallzahlen steigen weiterhin rasant an, infolgedessen müssen immer Menschen in Quarantäne. Wie sind Polizei, Versorger und Öffentlicher Nahverkehr gerüstet, wenn auch hier Personal ausfällt? Wir haben nachgefragt.

Polizei, Strom, Busse: Was passiert, wenn viel Personal ausfällt?

Die Fallzahlen in Mainz sind so hoch wie nie, immer mehr Menschen müssen in Quarantäne – entweder weil sie selbst erkrankt oder direkte Kontaktperson sind. Vergangene Woche meldete etwa die Stadt Mainz einen so hohen Corona-Krankenstand bei den Mitarbeitern, dass – auch wegen der damit verbundenen Quarantäneregelung – die Bürgerservices stark eingeschränkt sind (wir berichteten).

Heikel könnte es werden, wenn Mitarbeiter der „Kritischen Infrastrukturen“ ausfallen – also bei Organisationen oder Einrichtungen mit wichtiger Bedeutung für das Gemeinwesen. Dazu gehören etwa Polizei und Feuerwehr, Krankenhäuser sowie die Netze: der öffentliche Personennahverkehr, Wasser- und Stromversorgung.

Wie das Marienhaus Klinikum Mainz (MKM) kürzlich auf Merkurist-Anfrage mitteilte, rechne man dort durch die steigenden Fallzahlen auch mit Personalausfällen (wir berichteten). Wie also sind die Einrichtungen gerüstet, falls plötzlich viele Mitarbeiter gleichzeitig ausfallen?

Polizei

Aktuell sehe die Situation gut aus. Wie der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Mainz, Rinaldo Roberto, mitteilt, sei es bisher noch zu keiner kritischen Situation gekommen. So seien derzeit von etwa 1800 Mitarbeitern lediglich circa 15 in Quarantäne. Prinzipiell werde darauf geachtet, dass die strengen Hygieneregeln und Kontaktbeschränkungen auch eingehalten werden: In Innenräumen würden ausschließlich FFP2-Masken getragen, Besprechungen überwiegend als Video- oder Telefonkonferenzen durchgeführt, Dienstreisen „auf das absolut notwendige Maß reduziert“. Wenn möglich, würden die Mitarbeiter von zu Hause aus arbeiten.

Zudem sei die Impfquote mit 95 Prozent sehr hoch. Falls dennoch in einer Region besonders viele Beamte ausfallen sollten, würden sie durch Kräfte „anderer Dienststellen innerhalb der eigenen Behörde oder auch anderer Präsidien, beispielsweise auch aus der Abteilung Bereitschaftspolizei des Polizeipräsidiums Einsatz, Logistik und Technik“ ersetzt, so Roberto. Darüber hinaus seien Pläne erstellt worden, „um die Funktionsfähigkeit der Dienststellen zu gewährleisten“. Dazu gehörten etwa veränderte oder verlängerte Arbeitszeiten.

Feuerwehr

Zurzeit gebe es auch bei den hauptamtlichen Kräften der Feuerwehr „eine sehr geringe Zahl an Ausfällen“, teilt Sarah Heil, Pressesprecherin der Stadt Mainz, mit. Es entstünden durch die Ausfälle – durch Corona oder andere Erkrankungen – keine Engpässe.

Eine Quarantäne werde „durch geeignete Maßnahmen“ versucht zu vermeiden, so Heil. So seien bei der Berufsfeuerwehr die Mitarbeitenden der Wachabteilungen, Feuerwehrleitstelle und „Büro“ getrennt. Zudem gebe es einen Schichtplan mit festen Zuteilungen. Durch diese internen Maßnahmen könne die Feuerwehr einer kritischen Situation „jederzeit gegensteuern“.

Sollte es dennoch zu sehr hohem Personalausfall kommen, werde zunächst Personal verschoben, dann greife ein alternatives Schichtmodell. „Sollte auch dies nicht ausreichen, werden wir auch die Freiwillige Feuerwehr hinzuziehen“, teilte die Pressesprecherin mit. Und ergänzt: „Die Sicherheit für die Mainzer Bürger:innen wird nicht leiden.“

Strom, Gas, Trinkwasser und Wärme

„Wir sind überzeugt davon, dass wir alles getan haben, damit die Versorgung mit Strom, Gas, Trinkwasser und Wärme weiter wie gewohnt zuverlässig aufrecht erhalten werden kann“, teilt Michael Theurer, Pressesprecher der Mainzer Stadtwerke mit. So hätten sich die Stadtwerke bereits im März 2020 auf die Auswirkungen durch Corona vorbereitet: Besonders „versorgungskritisches“ Personal, etwa in der Netzleitstelle oder bei den Entstör-Trupps, würde besonders geschützt, beispielsweise durch separate Zugangs- und Aufenthaltsbereiche.

Auch sei damals bereits, zusätzlich zu der Hauptnetzleitstelle, eine Notleitstelle in Betrieb genommen worden, räumlich weit voneinander entfernt. „Damit fahren wir seit fast zwei Jahren quasi einen Parallelbetrieb, und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können in beiden Leitstellen in getrennten Teams unabhängig voneinander arbeiten“, erklärt Theurer.

Hinzu kämen Kontakteinschränkungen, etwa durch Homeoffice und mobiles Arbeiten. Es gab und gibt zudem regelmäßig interne Impfaktionen, die Impfquote des Personals liege inzwischen bei 97 Prozent. Damit sei die Versorgung in Mainz gesichert, so Theurer.

Öffentlicher Personennahverkehr

Und wie sieht es im ÖPNV aus? Derzeit sei der Krankheitsstand beim Fahrpersonal „vergleichsweise moderat“, sagt Michael Theurer von der Mainzer Mobilität (MM). Nennenswerte Fahrtausfälle gebe es daher derzeit, wie aktuell etwa in Wiesbaden, in Mainz nicht.

Falls sich die Situation in den nächsten Wochen ändern sollte, werde die MM reagieren, etwa indem im ersten Schritt der Takt auf einzelnen Linien „gestreckt“ werde: „Das heißt, es fahren dann weniger Fahrzeuge auf einer Linie“, so Theurer.

Die Fahrer haben in den Fahrzeugen eigene Fahrerkabinen oder Trennscheiben und seien dadurch– auch ohne dass sie Mundschutz tragen – entsprechend geschützt. Zudem seien inzwischen 85 Prozent der Fahrer geimpft. Mit Fahrtausfällen sei erst einmal nicht zu rechnen, sagt Theurer: „Komplett ausschließen können wir das aber je nach Entwicklung nicht.“

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