Was Mainzer Einzelhändler zur Kassenbon-Pflicht sagen

Ob im Kiosk, am Tresen im Club oder in der Bäckerei: Ab dem kommenden Jahr soll es bei jedem Kauf einen Kassenzettel geben. Das neue Gesetz stößt auf Kritik - auch bei Mainzer Einzelhändlern.

Was Mainzer Einzelhändler zur Kassenbon-Pflicht sagen

Beim Bäcker oder Frisör einen Kassenzettel angeboten zu bekommen, ist eher unüblich. Doch das soll sich nun ändern. Denn das Kassengesetz verpflichtet Einzelhändler dazu, ab 2020 für jeden Kauf einer Ware beziehungsweise Inanspruchnahme einer Dienstleistung einen Kassenbon auszudrucken - ob der Kunde ihn mitnimmt oder nicht. Doch das neue Gesetz stößt bei vielen auf Kritik. So werden außer dem bürokratischen Aufwand vor allem die Kosten für das Kassenpapier und die damit verbundene Entsorgung der Kassenzettel kritisiert. Der Handelsverband Deutschland (HDE) rechnet mit mehr als zwei Millionen Kilometer zusätzlicher Länge an Kassenbons im Jahr.

Eigentlich soll das neue Kassengesetz verhindern, dass Steuern hinterzogen werden. Nach Angaben der Deutschen Steuergewerkschaft verliert der Staat nämlich jährlich mehrere Milliarden Euro durch Tricks bei Registrierkassen. Vor allem in Branchen mit hohem Bargeldanteil würden Umsätze mit manipulierten Kassen verfälscht. Laut dem Bundefinanzministerium müssen deshalb bis Ende September 2020 alle Ladenkassen mit einer bestimmten technischen Sicherheitseinrichtung ausgerüstet werden, die Manipulationen verhindert. Die damit einhergehende Bon-Pflicht dient der verstärkten Transparenz im Kampf gegen Steuerbetrug, da anhand eines Abgleichs des Bons mit den Aufzeichnungen der Kassensoftware eine Manipulation der Kasse festgestellt werden kann.

Das sagen Mainzer Einzelhändler

Timo Baumgärtner von „Anne & Timo Friseure“ aus Mainz ist grundlegend mit den vorgesehenen Änderungen einverstanden. Auch er kritisiert allerdings, dass außer der Umrüstung der Kasse auch die Ausgabe von Kassenbons verpflichtend ist. „Ich habe nichts gegen die Kontrolle, aber diesen Müll zu produzieren, ärgert mich - das hat keinen Sinn“, so Timo. Ähnlich sieht das der Mainzer Kiosk-Besitzer Salim Adams, wobei ihm vor allem die anfallenden Kosten für das Kassenpapier Sorgen machen: „Es gibt Tage, da haben wir am Abend keine 50 Euro verdient“, sagt Salim. Die Umrüstung der Kasse und das Papier für die Bons bedeuteten für ihn einen hohen finanziellen Aufwand. Grundsätzlich ist Salim der Meinung, dass der Staat sich eher auf die großen Unternehmen konzentrieren sollte.

Doch nicht nur bei den Einzelhändlern, auch in der Politik stößt das Kassengesetz auf Kritik. So berichtet „Zeit Online“, dass Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) in einem Brief an Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) fordert, dass neue Gesetz aufzuheben. Altmaier hoffe jetzt auf eine kurzfristige einvernehmliche Lösung im Sinne der Umwelt und der Unternehmen. (mm)

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