„Mainz ist tot“ - wie steht es um die Club- und Kulturszene?

Mehrere Merkurist-User sehen die Mainzer Club-und Kulturszene kritisch. Doch was sagen die OB-Kandidaten zu dem Thema? Wir haben sie gefragt.

„Mainz ist tot“ - wie steht es um die Club- und Kulturszene?

Wie steht es um die Mainzer Club- und Kulturszene? Wenn es nach Merkurist-User „L.C.“ geht, ist die Antwort eindeutig: nämlich ziemlich schlecht. „Mainz ist tot. Gibt es hier keinen Raum für Club- und Nacht-Subkulturangebote?“, fragt er in seinem Snip. Und auch andere Leser haben den Eindruck, dass es da noch Luft nach oben gibt. „Was meiner Meinung nach fehlt, ist ein richtiger Techno-Schuppen wie einst das ‘M’“, kommentiert Leser „Deschno“.

Zuletzt mussten mit dem „50 Grad“ und dem „Star Club“ auch zwei der bekanntesten Clubs der Stadt schließen. Immerhin eröffnete im Dezember das „Kulturzentrum“ nach drei Jahren Sanierung wieder. Deschno bringt das Dilemma auf den Punkt: „Welcher Laden zieht so viel Publikum an, dass er überlebt, aber gleichzeitig etwas abseits liegt?“ Denn in der Innenstadt ist der Lärmschutz ein großes Problem - hier muss die Stadt Interessen abwägen. Leser Stefan will deshalb wissen: „Was sagen denn die Oberbürgermeister-Kandidaten dazu?“ Am 27. Oktober sind die Mainzer zur Wahl aufgerufen.

Das sagen die OB-Kandidaten

Amtsinhaber Michael Ebling (SPD) sieht die Situation nicht so negativ. „Es tut sich ja was im Mainzer Kulturleben. Zum Beispiel das Alte Rohrlager: Das war vorher ein Unort. Jetzt sind dort eine Brauerei, das Fanhaus und die Fankneipe, zeitweise auch das Peng“, so Ebling gegenüber Merkurist. Das nächste größere Projekt werde die ehemalige Kommissbrotbäckerei, die zur „Kulturbäckerei“ wird. „Da wird wieder Raum entstehen für Kultur, fürs Feiern“, so Ebling. Durch solche Orte könne die Stadt an kulturellem Profil gewinnen - wie damals bei der Planke Nord. Im Interview brachte er außerdem einen möglichen „Nachtkulturbeauftragten“ ins Spiel. „Ein Mensch, der eine Affinität zur Stadt und zur kreativen Szene hat und die Kraft besitzt, sowohl Ideen zu fördern als auch Interessen auszugleichen.“

Einen ähnlichen Vorschlag hatte OB-Kandidat Nino Haase im Merkurist-Interview im Februar ins Spiel gebracht. „Die Clubszene hat in Mainz in letzter Zeit sehr gelitten. Ein Problem in Mainz ist: Wir sind so dicht besiedelt, dass es oft zur Ruhestörung kommt.“ Haase nannte zunächst das „Münchner Modell“ als mögliches Vorbild. „In München etwa sind Clubs und Bars häufig im Erdgeschoss von ganz normalen Wohngebäuden. Das wird dort etwas anders organisiert, zum Beispiel mit ‘Silencern’ vor dem Club.“ Aber auch das Amt des Nachtbürgermeisters könne er sich für Mainz vorstellen. „Jemand, der solche Konflikte frühzeitig erkennt und versucht zu entschärfen.“

Vorbild Wiesbaden?

Martin Malcherek, OB-Kandidat von den Linken, findet, dass alles, was sich „unterhalb der Szene von Staatstheater und Museen“ abspielt, oft zu wenig von der Stadt unterstützt werde. „Wir müssen dafür sorgen, dass die Kreativität ihren Stellenwert in der Stadt bekommt. Ich habe nix gegen die Hochkultur, aber das andere muss auch zum Zug kommen“, sagte er gegenüber Merkurist. Als Vorbild sieht er den Schlachthof in Wiesbaden, der von einem Verein betreut wird. Dieser werde wiederum von der Stadt unterstützt. „So etwas wünsche ich mir auch in Mainz.“

OB-Kandidatin Tabea Rößner sagt: „Eine Stadt lebt von ihrer Vielfalt, und dazu gehört gerade auch die Subkultur. Oft erobern freie Initiativen ungenutzte Räume.“ Wenn diese dann aber von Investoren entwickelt würden wie bei der Planke Nord am Zollhafen, verlören viele Leute einen Ort, wo sie sich treffen und ausleben können. „Auch wenn mit der Kommissbrotbäckerei hoffentlich bald ein soziokulturelles Zentrum in Mainz entsteht, gibt es zu wenig Proberäume für Bands und zu wenig Clubs für bestimmte Musikrichtungen“, so Rößner. Die Stadt müsse prüfen, wie sie jenseits der Hochkultur gerade auch die freie Szene unterstützen könne. Auch Rößner kann sich einen Nachtbürgermeister, der moderiert und Konflikte löst, vorstellen.

„Feste am Rhein durch Picknicks ersetzen“ - OB-Kandidat Martin Ehrhardt

Ganz andere Ideen hat Martin Ehrhardt, Kandidat von „Die Partei“. „Wir können in Clubs gehen und dort Tischkicker und Tipp-Kick zocken. Außerdem schaffen wir die ganzen Feste am Rhein ab und ersetzen sie durch Picknicks. Abends finden Lesezirkel in Grundschulen statt und wegen des Lärmproblems werden Nachtclubs nur noch in der Kaiserstraße gestattet, denn diese wird tagsüber fortan sehr ruhig sein.“ (nl)

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