Haben Paketzusteller ihre „eigenen Verkehrsregeln“?

Parken mit Warnblinkanlage in zweiter Reihe, manchmal auch quer zur Fahrbahn - laut eines Merkurist-Lesers nehmen sich Paketauslieferer immer wieder Sonderrechte im Straßenverkehr heraus. Doch was sagt die DHL?

Haben Paketzusteller ihre „eigenen Verkehrsregeln“?

Als Merkurist-Leser Peter am Nachmittag des 31. Augusts durch die Karlsbader Straße in Gonsenheim fuhr, hatte er plötzlich eine gelbe Wand vor sich. Ein DHL-Fahrzeug hielt quer zur Fahrbahn - oder besser: auf der Fahrbahn. Denn der Transporter blockierte für einige Minuten die halbe Straße. Peter musste erst den Gegenverkehr vorbeilassen und schließlich um das DHL-Fahrzeug herumfahren. „Gelten für Paketdienste keine Verkehrsregeln?“, fragt er ironisch in seinem Snip. Es sei kein Einzelfall, „aber bisher die größte Frechheit, die ich erlebt habe“.

Zu ähnlichen - und sogar gefährlichen - Situationen kommt es laut Peter beispielsweise auch am Kaiser-Karl-Ring, wo die Transporter in zweiter Reihe mit Warnblinkanlage stehen und von dort Pakete ausliefern würden. „Als Pkw-Führer müssen Sie nach links auf die Straßenbahnschienen ausweichen, was zu gefährlichen Situationen führen kann. Ich persönlich bin beruflich viel mit dem Pkw unterwegs und diese obige Unart ist sehr häufig festzustellen, so nach dem Motto 'Ist die Warnblinkanlage eingeschaltet darf ich das'."

Ladezonen oft vollgestellt?

Doch warum halten die Paketzusteller überhaupt so oft in zweiter Reihe? Andere Merkurist-Leser sehen die Schuld eher bei den Autofahrern. „Gut ist es natürlich nicht, aber manchmal/meistens bleibt ihnen auch nichts anderes übrig, da die Ladezonen tagsüber rücksichtslos zugeparkt werden!“, kommentiert Lieschen unter dem Snip. Ähnlich sieht es Michael: „Die Zusteller in unserer Straße geben sich meistens alle Mühe möglichst wenig im Weg zu stehen, aber das geht mal besser und mal schlechter. Ich hatte noch nie das Gefühl, dass das einer böswillig machen würde.“

Andere Leser fragen sich, ob nicht die Konsumenten für die schwierigen Parksituationen verantwortlich sind. „Wir Bürger wollen unsere Online-Bestellungen so schnell wie möglich nach Hause geliefert haben – die Verkehrsplanung hat das noch nicht vorgesehen“, so Rich, Leser Phil sieht es genauso: „Ja was wollt ihr denn jetzt? Euer Paket gleich am nächsten Tag haben oder korrekt parkende Paketzusteller? Diese armen Leute stehen unter enormen Zeitdruck und müssen teilweise Zeug liefern, das man selbst gleich um die Ecke kaufen kann.“

Was die DHL sagt

Ein Problem, das auch die DHL beschäftigt. Pressesprecher Stefan Heß sagt auf Merkurist-Anfrage: „Die Zustellung von Paketsendungen in Innenstädten stellt in der Tat für alle Paketdienste, nicht nur für unser Unternehmen, eine besondere Herausforderung dar.“ Zum einen stiegen die Paketvolumina, zum anderen seien die Parkplätze rar - gerade in Innenstädten. „Hinzu kommt, dass die als Ladezonen ausgewiesenen Flächen häufig von Privat-Pkw zugeparkt werden, so dass Paketzusteller oft überhaupt keine Chance haben, einen geeigneten Parkplatz in der Nähe der Zustelladresse zu finden“, so Heß.

„Manchmal bleibt tatsächlich als letzte Alternative das Parken in der zweiten Reihe mit Warnblinker, um die Sendungen überhaupt zustellen zu können.“ - DHL-Pressesprecher Stefan Heß

Deshalb bleibe den Auslieferern manchmal als letzte Alternative, mit Warnblinker in der zweiten Reihe zu parken. Dasselbe Problem hätten beispielsweise Müllfahrzeuge. „Auch hier wird dann für einen gewissen Zeitraum die Straße blockiert, sodass erst nach der erledigten Leerung der Verkehr wieder normal fließen kann.“

Neue Services in Innenstädten

Um die Zustellung von Paketen zu entzerren, biete die DHL ein „umfangreiches Packstationsnetz“ an, das Kunden für den Empfang und den Versand von Paketsendungen nutzen können. „Wir bieten auch in der Mainzer Innenstadt ein eng geknüpftes Filialnetz an, das Kunden für den Empfang ihrer Paketsendungen nutzen können“, so Heß. Außerdem teste man derzeit mit Autoherstellern (Smart, VW) neue Zustellmöglichkeiten für Pakete, wie zum Beispiel die Kofferraumzustellung. In Frankfurt sei gerade die Fahrradzustellung für Express-Sendungen erfolgreich getestet worden. Dies solle nun ausgeweitet werden.

„Der geschilderte Vorfall ist auch aus unserer Sicht absolut unzulässig.“ - DHL-Pressesprecher Heß

Unabhängig davon sieht Heß die von Merkurist-Leser Peter beschriebene Situation kritisch. „Selbstverständlich werden wir den Hinweis Ihres Lesers aufnehmen. Denn der geschilderte Vorfall ist auch aus unserer Sicht absolut unzulässig. Diesbezüglich gibt es keine zwei Meinungen.“ Man werde den Mitarbeiter entsprechend sensibilisieren und das Thema im regelmäßigen Dienstunterricht ansprechen. „Zumal bei uns der Grundsatz gilt, dass ein Paketzusteller bei der Zustellung versuchen soll, den Verkehr so wenig wie möglich zu beeinträchtigen - auch in Innenstädten, wo das besonders schwierig ist.“

Merkurist