Dauerhaft schlechte Arbeitsbedingungen: Mainzer Erzieher im Streik

Viele Kindergärten bleiben heute geschlossen, weil Erzieher auf die Straße gehen. Was fordern die Beschäftigten?

Dauerhaft schlechte Arbeitsbedingungen: Mainzer Erzieher im Streik

Kitas und soziale Dienste gehen am Dienstag (8. März) in ganz Rheinland-Pfalz in den Streik. Dazu hat die Gewerkschaft ver.di die Beschäftigten aufgerufen. In Mainz fand zudem eine Kundgebung auf dem Gutenbergplatz statt.

„Entlastung der Beschäftigten ist das Gebot der Stunde, damit es zu keinem Bildungsnotstand kommt, denn wenn die Rahmenbedingungen so bleiben werden viele den Beruf des Erziehers wieder aufgeben oder gar nicht erst ergreifen“, heißt es in dem ver.di-Aufruf. Außerdem würden die überwiegend in den Berufen tätigen Frauen „deutlich schlechter entlohnt“.

In den Kitas sind die positiven Corona-Fälle hoch, die Inzidenzen bei Kindern und Erziehern steigen. Keine andere Berufsgruppe setzt sich täglich einer so großen Anzahl an Ungeimpften aus, selbst dreifach geimpfte Erzieher erkranken und fallen damit aus. Damit verschärft sich die eh schon angespannte Personalsituation weiter.

„So geht’s nicht weiter!“

„Bessere Arbeitsbedingungen, mehr Gesundheitsschutz, mehr Lärmschutz, bessere Personalschlüssel, Bezahlung für Ausbildertätigkeit“, fordert auch eine Merkurist-Leserin für die Erzieher. Das im vergangenen Jahr eingeführte „Gute Kitagesetz“ habe die Arbeitsbedingungen noch weiter verschlechtert. „Fünf Jahre Ausbildung, schlecht bezahlt, über Corona vergessen...Es fehlen Stellen im fünfstelligen Bereich. […] so geht's nicht weiter!“, schreibt eine andere Leserin.

„Viele Leute überlegen auch schon einfach zu kündigen, aber da hört das Problem ja auch nicht auf“, berichtet eine Erzieherin aus der Nähe von Mainz gegenüber Merkurist. „Ich finde, dass wir viel zu wenig gehört werden. Zum einen, weil wir uns wahrscheinlich nicht öffentlich genug äußern, zum anderen auch, weil es wohl keiner hören möchte.“

So würden die Erzieher im besonderen Maße auch ihre Gesundheit und die der Kinder aufs Spiel setzen, durch das neue Kita-Gesetz hätte sich die ohnehin schon angespannte Situation weiter verschlechtert: Die Räume seien zu klein, die Gruppen zu groß, es gebe zu wenig Personal und die Erwartungshaltung, „überall etwas ‘Bildung’ und ‘Frühförderung’ zu betreiben, kaum erfüllbar“. Und niemand würde nachfragen, was in den Kitas gebraucht werde, um mehr Sicherheit zu schaffen und „wenigstens minimal gerne auf die Arbeit zu kommen“. Die junge Frau ist erst seit zwei Jahren im Beruf. „Ich überlege jetzt schon, ob das wohl das richtige war.“

Ende Februar hatten Gewerkschaften wie ver.di und „Erziehung und Wissenschaft“ (GEW) mit Arbeitgebern darüber verhandelt, die tariflichen Eingruppierungsregelungen für die kommunal Beschäftigten in den sozialen und Erziehungsberufen anzupassen. Sie fordern eine „echte Anerkennung und Wertschätzung statt nur lobender Worte“, so die GEW. Konkret zählen darunter bessere Arbeitsbedingungen, eine finanzielle Aufwertung sowie mehr Zeit für „Qualität in der Arbeit“, also etwa festgelegte Zeiten für die Vor- und Nachbereitungen der pädagogischen Arbeit. Doch bisher waren die Verhandlungen aus Sicht der Gewerkschaften ohne großen Erfolg: „Leider haben die Arbeitgeber beim Verhandlungsauftakt die Chance zu einer Einigung vertan“, so ver.di.

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