Das sind die Reaktionen auf den Mainz-Tatort

Am Sonntag lief der zweite Mainzer „Tatort“ mit Heike Makatsch und Sebastian Blomberg – doch wie kam er bei Medien und Twitter-Usern an? Wir haben die Reaktionen zusammengefasst.

Das sind die Reaktionen auf den Mainz-Tatort

Als im April 2018 zum ersten Mal nach 30 Jahren wieder ein „Tatort“-Team in Mainz ermittelte, war die Kritik durchwachsen. Mainzer Zuschauer waren von „Zeit der Frösche“ sogar eher enttäuscht. Der Grund: Der Krimi mit Heike Makatsch und Sebastian Blomberg hatte kaum Bezug zur Stadt, wurde größtenteils in Berlin gedreht. Das ist nun beim neuen Mainz-Tatort „Blind Date“, der an diesem Sonntag ausgestrahlt wurde, definitiv anders.

Man sieht sehr viel von Mainz: den Dom, die Uni, die Ostein-Unterführung am Hauptbahnhof; sogar die „Dorett-Bar“, die im Film allerdings ein Erotik-Etablissement ist (was sie bis 2009 auch tatsächlich war). Doch wie kam der Film sonst an? Wir haben uns umgesehen.

Twitter

Tatsächlich war Twitter am Sonntagabend verhältnismäßig zurückhaltend. Viele User waren anscheinend eher gelangweilt, regten sich kaum auf. Ein paar Ausnahmen gab es dennoch. „Ein Kindergartenkind weiß, wann der Kindergarten geschlossen ist? Mein Teenager weiß nicht mal, welche Fächer sie am nächsten Tag hat...“, wundert sich User Gerhard. „Eine 5-Jährige, die sich lässig und ohne Tränen (für immer?) von der Mama verabschiedet. Joa“, kritisiert Thore ebenfalls den fehlenden Realitätsgehalt.

Der offizielle „Tatort“-Account fragte seine Follower direkt, wie sie den Film fanden. Keine gute Idee. Denn die Antworten sind fast durchweg negativ. „Wie schafft man es, trotz Heike Makatsch und Jule Böwe einen derart schlechten #Tatort zu drehen? Glatte 6“, kommentiert einer, ein anderer: „Nicht gut, langweilig, Heike Makatsch sollte den Job abgeben. Man merkt, es ist nicht ihr's! Irgendwie komisch. Die blinde Frau hat sehr gut gespielt. Die Einzige, die überzeugt!“.

Kritisiert wird auch, dass die ARD einen Film zeig, in dem jemand mit Kopfschuss in einer Tankstelle erschossen wird, „kurz nachdem ein Querdenker einen Tankstellenmitarbeiter so erschossen hat“. Gedreht wurde der Tatort allerdings schon im vergangenen Jahr, also weit vor der schrecklichen Tat in Idar-Oberstein. Immerhin eine durchweg positive Kritik konnten wir auf Twitter finden: „10/10 schon allein für diese MUSIK!!! ich hatte kopfhörer auf und die musik hat mich förmlich weggerissen! sehr strange story, aber hat mir super gefallen. sehr gefühlvoll.“ Ein andere User fand noch etwas anderes Positives: „Die Benzinpreise waren super.“

Facebook und Instagram

Merkurist fragte seine Follower via Facebook und Instagram, wie sie den Tatort fanden. Und auch dort hält sich die Begeisterung in Grenzen. „Spannend wie ein Kinderpunsch und seine Folgen“, schreibt Leser Thomas, „Stinklangweilig“ findet Corinna. Kathrin findet den Tatort dagegen „sehr gut“, wundert sich nur, warum „die immer am Hbf hin und her“ fahren.

Der Mainzer Künstler „leif.lines“ ist enttäuscht: „Die fahren zusammenhangslos durch die Stadt und die Dialoge klingen wie im Studio gesprochen, unauthentisch...hat mir nicht gefallen.“ Auch Kult-Metzger Peter Leussler hatte sich mehr versprochen: „Schrecklicher Tatort! In einem schönen Mainz.“

Das sagen die Medien

Zeit: „Nun könnte man denken, dass Mainz eine Boomtown ist, seit die beschauliche Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz weltweit bekannt wurde. Als der Ort, aus dem der Coronavirus-Impfstoff von BioNTech kommt, weil Uğur Şahin und Özlem Türeci hier forschen und leben. Dass alles dicht ist, aber dann gibt es diese Szene im neuen Tatort […], in der ein Motorrad mit zwei Frauen drauf vor der Polizei flieht, die Treppen an einer Brücke hinunter und dann eine Straße entlang, auf der kein Mensch ist und kein Auto steht, und die Kamera schwingt sich nach oben für den Blick aufs Idyll. Mainz bleibt Mainz. […] So kommt diese Folge des seltenen Mainzer Tatort daher wie die klassische Kartoffelkloß-Kombi: halb und halb.“

FAZ: „Daraus kann noch etwas werden. Wobei die Regisseurin Ute Wieland, die dafür sorgt, dass wir es hier nicht nur mit interessanten Figuren, sondern auch mit einem haltbaren Spannungsbogen zu tun haben, die Latte ziemlich hoch legt. Und großartige Besetzungen wie Henriette Nagel und Anica Happich muss man erst einmal finden. Sie spielen in einer Geschichte, die wie eine Bonnie-und­-Clyde-Reprise beginnt, um diese dann wirkungsvoll zu sprengen. Von ‘Mainz, wie es singt und lacht’ ist (bis auf den Tonfall von Rosas Eltern) keine Spur. Und das ist ganz gut so.“

NZZ: „Was im Ansatz verheissungsvoll aussah, funktioniert am Ende dann doch nicht: Die Einblicke in das Leben der anderen fügen sich nicht zu einem stimmigen Ganzen. Statt sich gegenseitig zu belichten, stehen sich die Erzählungen im Weg. Dass es sich um Geschichten des Scheiterns handeln soll, lässt sich erahnen. Aber es ergibt sich nicht auf elegante Weise. Ganz am Anfang unternimmt der «Tatort» ein Experiment. Wir nehmen die Welt aus der Perspektive von Rosa wahr. Wir sehen Lichter und Schatten und hören Stimmen und Geräusche, alles bleibt vage. Am Ende bleibt der neue «Tatort» so wenig fokussiert wie seine Eingangssequenz.“

Logo