LKA warnt vor dubioser Betrugsmasche

Betrüger geben sich als Mitarbeiter von Interpol aus

LKA warnt vor dubioser Betrugsmasche

Schon mehrfach hat Jasmin aus Mainz diese merkwürdigen Anrufe bekommen. Auf dem Display erscheint eine deutsche Handynummer, dann spricht auf Englisch eine Computerstimme, angeblich im Namen von Interpol oder Europol. Die ID-Daten seien gestohlen worden. Das ist der Moment, in dem Jasmin auflegt und bei der Polizei anruft. Tatsächlich sei sie nicht die einzige, die schon öfter solche Anrufe erhalten habe, erfährt sie dort.

Fragt man beim Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz nach, erfährt man, dass es „keine explizite Auswertung derartiger Betrugsdelikte“ gebe, da sie in den Bereich der allgemeinen Betrugsdelikte (Massenkriminalität) fallen würden. Tendenziell liege die Zahl solcher Anrufe von angeblichen Interpol-Mitarbeitern jedoch inzwischen im „mittleren dreistelligen Bereich“, teilt Pressesprecherin Julia Emmerling mit. Die „Erfolgsquote“ der Betrüger liege bei etwa fünf Prozent. Allein in den vergangenen zwei Wochen wurden dem LKA 110 solcher Taten gemeldet, einige der Opfer hätten angegeben, schon mehrfach angerufen worden zu sein.

Eine halbe Million Euro Beute

Die Masche besteht konkret darin, dass die Betrüger mit diversen dubiosen Geschichten versuchen, ihre Opfer dazu zu bringen, Geld oder andere Vermögenswerte zu überweisen. In dem Fall würden sie sich als Mitarbeiter von Europol oder Interpol ausgeben, angebliche Täter würden die gestohlenen Daten für Straftaten missbrauchen oder die Identität des Angerufenen sei bereits für Straftaten missbraucht worden. Am Telefon werden die Opfer dann dazu gebracht, Freischaltcodes von Gutscheinkarten im Wert von mehreren tausend Euro zu übermitteln, um einer angedrohten Kontosperrung zu entgehen.

„Erst kürzlich hat ein angeblicher ‘Officer’ von Europol bei einer Geschädigten angerufen und behauptete, dass sie Opfer eines Identitätsdiebstahls geworden sei“, berichtet Julia Emmerling vom LKA. Es seien Bankkonten auf ihren Namen eröffnet und Autos auf ihren Namen gemietet worden. Die Bankkonten würden in Verbindung mit Geldwäsche und anderen Straftaten stehen. „Auch ein Bezug ihres Namens zu einem angeblichen Mordfall wurde hergestellt.“ Sie wollen ihr helfen, sagten die Betrüger der Frau. Und sie brachten sie dazu, über mehrere Tage hinweg Käufe und Transaktionen von Kryptowährungen durchzuführen. Ihre Beute: rund eine halbe Million Euro. „Erst als die Täter an die Rentenversicherung der Geschädigten gelangen wollten, fiel der Betrug auf“, so Emmerling.

Perfide an der Masche ist auch, dass die Betrüger mit deutschen Telefonnummern anrufen. Wie Emmerling erklärt, werden diese durch das sogenannte „Call-ID-Spoofing“ erzeugt. Mit dieser Methode können Anrufe unter einer für den Angerufenen vorgetäuschten Nummer geführt werden. Statt der Originalrufnummer des Anrufers wird dann also eine in der Regel frei wählbare Identifikationsinformation angezeigt.

Was ihr tun könnt, wenn ihr solche Anrufe erhaltet:

Das LKA weist darauf hin, dass die Polizei, also auch nicht Inter- oder Europol, niemals um die Übergabe oder Überweisung von Geld bitten würde. Auch habe Europol keine Befugnis, Bußgelder zu verhängen oder strafrechtlich gegen jemanden vorzugehen. Die Tipps der Polizei dazu:

  • Gebt niemals Details zu persönlichen oder finanziellen Verhältnissen am Telefon preis.

  • Lasst euch nicht in ein Gespräch verwickeln oder unter Druck setzen.

  • Legt einfach auf und drückt auch auf Aufforderung einer Bandansage keinesfalls eine Taste eures Telefons.

  • Solltet ihr einen solcher Anruf erhalten, informiert die örtlich zuständige Polizeidienststelle oder meldet den Sachverhalt über die Online-Wache des LKA.

  • Solltet ihr tatsächlich einen finanziellen Schaden erleiden, solltet ihr umgehend Anzeige erstatten.

Weitere Informationen dazu erhaltet ihr hier.

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