„Der Engel mit den Eisaugen“: Spur des Mörders führte nach Mainz

Es klingt fast wie in einem Hollywood-Film: Ein mutmaßlicher Mörder wird über eine IP-Adresse geortet. Nur kurze Zeit später wird er noch in einem Zug festgenommen. Was dieser Mordfall mit Mainz zu tun hat.

„Der Engel mit den Eisaugen“: Spur des Mörders führte nach Mainz

Blutige Fußabdrücke, ein Einbruch und eine schwer misshandelte Leiche: Der Fall der in Perugia ermordeten Austausch-Schülerin Meredith Kercher gab den Ermittlern lange Rätsel auf. Was viele nicht wissen: Auch Mainz spielt in diesem bekannten Mordfall eine Rolle. Doch der Reihe nach.

„Engel mit den Eisaugen“

Meredith Kercher wurde am 2. November 2007 in Perugia ermordet. Die Ermittler fanden ihre Leiche in ihrem Zimmer. Kerchers Körper wies 47 Messerstiche auf, sie soll vor ihrem Tod misshandelt worden sein - ihr Blut war am ganzen Tatort verteilt.

In dem Fall gab es mehrere Verdächtige. Eine von ihnen: ihre Mitbewohnerin Amanda Knox – sie wurde unter dem Namen der „Engel mit den Eisaugen“ weltweit bekannt. Die Ermittler verdächtigten Knox, gemeinsam mit ihrem damaligen Freund, dem Italiener Raffaele Sollecito, am Mord beteiligt gewesen zu sein.

Ein weiterer Verdächtiger: Rudy Guede. Er war in das Visier der Ermittler gerückt, weil seine DNS-Spuren, Fingerabdrücke und ein Fußabdruck am Tatort gefunden worden waren. Der 21-Jährige war am 20. November, rund drei Wochen nach dem Mord, auf der Zugstrecke zwischen Koblenz und Mainz unterwegs. Zuvor war er aus Italien geflohen. Auf seiner Zugreise hatte er Kontakt mit einem englischen Journalisten. Wie die britische Tageszeitung „Telegraph“ damals berichtete, habe Guede der Redaktion eine Nachricht geschickt. Deshalb konnte die IP-Adresse des Computers, den er benutzte, zurückverfolgt und sein Aufenthaltsort festgestellt werden.

Fall wurde immer wieder aufgerollt

Dann die Festnahme: Interpol fasste Guede in Mainz und brachte ihn nach Italien zurück. Damit war er der letzte Verdächtige, der von der Polizei festgenommen wurde. Aber er war wiederum der erste, der 2008 zu einer Strafe verurteilt wurde: 30 Jahre sollte er für den Mord an Meredith Kercher ins Gefängnis gehen. Der Fall dauerte aber noch viel länger an. Über mehrere Jahre wurde er immer wieder von verschiedenen Gerichten aufgerollt. Am Ende wurde Guedes Strafe im Dezember 2010 auf 16 Jahre Haft reduziert.

Auch die 21-jährige Amerikanerin Knox und ihr damaliger Freund Sollecito wurden immer wieder verurteilt - am Ende aber freigesprochen. Wie die „Süddeutsche“ im Januar 2019 berichtete, soll Guede den Mord an der Austausch-Schülerin allein begangen haben. Bis heute ist er der einzige rechtskräftig Verurteilte in diesem Mordfall. Dennoch verbindet man den Fall bis heute vor allem mit Amanda Knox - den „Engel mit den Eisaugen“. (df)

Logo