Kaum Spenden mehr für Ukraine: Oppenheimer sucht verzweifelt Hilfsgüter

Seit Monaten fährt der Oppenheimer Stefan Stay auf eigene Faust Hilfsgüter in die Ukraine. Doch nun stockt die Spendenbereitschaft – ausgerechnet dann, wenn sie am nötigsten ist.

Kaum Spenden mehr für Ukraine: Oppenheimer sucht verzweifelt Hilfsgüter

Erst am Freitagmorgen ist Stefan Stay aus der Ukraine zurückgekehrt. Mit einem großen Transporter, von Freunden ausgeliehen, hatte er sich einige Tage zuvor allein auf den Weg in die Ukraine gemacht. Es war bereits seine siebte Tour ins Krisengebiet.

Im Gepäck: Lebensmittel für Bedürftige, Verbandsmaterial für die Armee, Tierfutter für Hunde. Er würde am liebsten bereits nächste Woche wieder losfahren, doch hat er kaum Hoffnung, dass bis dahin das Fahrzeug voll sein wird. Denn die Menschen hören allmählich auf zu spenden. Dabei sei Unterstützung gerade jetzt so wichtig: „An der Front kommen kaum Hilfsgüter an“, so Stay gegenüber Merkurist. Und den Frauen mit ihren Kindern im Krisengebiet würde das Ersparte ausgehen. Wie also sollen sie sich künftig ihr Essen finanzieren?

Kaum mehr Spenden

„Die Spendenkurve flacht – erwartungsgemäß – ab“, sagt dazu Diana Stănescu von „Aktion Deutschland hilft“. Das sei nichts Ungewöhnliches, sondern der normale zeitliche Verlauf. „Grundsätzlich ist die Spendenbereitschaft der Menschen in den ersten Tagen nach Eintritt eines Katastrophenfalls am größten.“ Einmalspenden seien die Regel, das Budget sei eben auch irgendwann ausgeschöpft. Der Krieg in der Ukraine bewege die Menschen in Deutschland jedoch so sehr, dass das höchste Spendenvolumen für eine einzelne Katastrophe in der Geschichte der Bundesrepublik zusammengekommen sei, so Stănescu. Stefan Stay sagt: „Wenn jeder beim Einkaufen eine Fertigsuppe für 60 Cent kaufen würde, hätten zahllose Menschen in der Ukraine eine kleine warme Mahlzeit.“

Stay hat Freunde vor Ort in der Ukraine, bei denen er übernachten kann und feste Anlaufstellen, die er immer wieder anfährt: ein Hotel, das als private zentrale Anlaufstelle genutzt wird, ein Tierheim, ein geheimer Treffpunkt, an dem er die medizinischen Hilfsgüter an Soldaten übergibt. Auch unterstützte er den Mainzer Arzt Gerhard Trabert, der auf seiner Reise in die Ukraine verletzte und kranke Menschen versorgte. Einer Organisation hat er sich nicht angeschlossen, er fährt die Touren auf eigene Faust, versucht alle Ausgaben zu belegen: Tankquittungen, Übergaben, die Zugehörigkeit zur ukrainischen Tafel.

Spendensammlung auf eigene Initiative

Er sammelt bei Freunden, über Vereine, bei denen er Vorträge hält, über Kontakte, vor einem Supermarkt und über seine Facebookseite. „Die Eindrücke, die ich in der Ukraine sammeln kann, sind schlimm“, berichtet er gegenüber Merkurist. „Frauen und Kinder warten an der Grenze, dass sie das Land verlassen können. Sie wissen nicht wohin, sind vollkommen hilflos. Die Kinder verstehen nicht, was los ist. Viele Menschen müssen ihre Tiere zurücklassen, weil sie sie nicht zu Fuß mitnehmen können“, berichtet Stay, selbst dreifacher Familienvater. Was die Menschen jetzt vor allem bräuchten, seien Lebensmittel, medizinische Ausstattung und Futter für die Tiere, „damit das Leid dort etwas erträglicher wird“, so Stay.

Ihr möchtet Stefan Stay unterstützen? Benötigt wird aktuell vor allem:

  • Lebensmittel mit langer Haltbarkeit (Konserven, Kekse etc.), Babynahrung, Windeln und Feuchttücher, Hygieneartikel, Nahrungsergänzungsmittel

  • Verbandsmaterial, Pflaster, Medikamente (z.B. Antibiotika, Schmerzmittel), Desinfektionsmittel, Nahtmaterial, chirurgische Instrumente

  • Schaufeln, Besen, Rechen, Eimer, Taschenlampen, Batterien, Tabletten zur Wasserreinigung, Schlafsäcke, Funkgeräte, Outdoorbedarf, Werkzeuge

  • Militärkleidung, große Zelte, Arbeitsstiefel, Stromgeneratoren, Funkgeräte mit 10 bis 15 km Reichweite

  • Hundefutter, Halsbänder, Leinen, Geschirre, Veterinärmedikamente (Entwurmung, Entflohung etc.), Näpfe

  • Tankgutscheine für die Fahrten

Anlaufstellen in der Region, bei denen ihr die Hilfsgüter für seine Fahrten abgeben könnt:

  • Mainz: Dagmar Seitz-Klippel, Kakteenweg 43, Finthen, Tel. 0179 1265588

  • Oppenheim: Stefan Stay, Bahnhofstraße 23, Tel. 017682692543

  • Groß-Gerau: Patrizia Monzheimer, Rheinstraße 1, Tel. 01743961110

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