Verdreckte Kleidung und „ausgelatschte“ Schuhe: Ärger über unbrauchbare Spenden in Mainz

Hundertausende Ukrainer sind gerade auf der Flucht vor dem Krieg in ihrem Land. Um diese zu unterstützen, werden auch in Mainz Spendeaktionen gestartet. Doch nicht immer sind die Sachspenden noch brauchbar. Das sorgt teilweise auch für Wut.

Verdreckte Kleidung und „ausgelatschte“ Schuhe: Ärger über unbrauchbare Spenden in Mainz

Eine Welle der Hilfsbereitschaft geht gerade durch Deutschland. Für die von Krieg und Vertreibung betroffenen Menschen aus der Ukraine werden unzählige Sachspenden abgegeben. Auch in Mainz und Umgebung engagieren sich viele Organisationen und auch Privatpersonen und sammeln Kleidung, Schuhe sowie Artikel des täglichen Bedarfs für die Ukraine. Doch was sich teilweise in den Säcken und Kartons befindet, die an den Sammelstellen abgegeben werden, eignet sich nicht immer, um es zu nutzen. Manchmal handelt es sich bei den Sachspenden eher um Abfall, der eigentlich entsorgt werden müsste.

Auf diesen Missstand weist jetzt Rinaldo Roberto hin, der die Pressestelle der Mainzer Polizei leitet und sich privat für die Sache engagiert. In einem emotionalen Post auf seinem privaten Facebook-Profil erklärt er, warum er über einige Sachspenden „wütend“ ist und sich „schämt“.

„Was sollen die Menschen denken?“

Wie Roberto vorneweg schickt, sei die Hilfsbereitschaft in Deutschland überwältigend. Jeder, der hilft, habe dafür seinen Respekt und Dank. Aber leider gebe es ganz offensichtlich einige Menschen, die es vielleicht gut meinen, aber nicht lange genug darüber nachdenken, um was es dabei eigentlich geht, schreibt Roberto. „Was sollen diese Menschen denken, wenn sie einen Karton mit Kleiderspenden aus Deutschland öffnen und völlig verbrauchte und ungewaschene Kleidung finden, so wie ich heute beim Sortieren von Spenden bei der Unterstützung einer Hilfsorganisation?“

Darunter seien getragene Socken oder Strumpfhosen gewesen, die schon fast durchgescheuert waren. „Ausgelatschte Schuhe aus den Neunzigern, oder mit Kacke in der Sohle, vergilbte Kissen mit strengem Geruch, Pullover, an denen mehr Haare hingen als beim Friseur unterm Stuhl, Hosen mit braunen Flecken, die nach Pferdestall oder Jacken, die nach Raucherhaushalt rochen und einen speckigen Kragen hatten“, fasst Roberto den Zustand einiger Spenden zusammen. Manche Dinge davon hätten offensichtlich so lange im Keller gelegen, dass sie „verschimmelt“ waren.

„Wir haben mindestens ein Viertel der Kleidung und der Schuhe aussortiert.“ Das koste Manpower, Zeit und im schlimmsten Fall auch Geld. Vom Ekel und der Scham einmal abgesehen, schreibt Roberto. Wahrscheinlich würden in ganz Deutschland Hunderte von Helfern genau das erleben, was er nun und auch schon mehrfach erlebt habe.

Andere Helfer erleben Ähnliches

Von den Usern der sozialen Medien erhält Roberto für seinen emotionalen Post viel Zustimmung. Einige haben bereits Ähnliches erlebt. So kommentierte eine Nutzerin auf Facebook: „Das haben wir jahrelang bei Kinderkleider-Aktionen erlebt. Beschämend!“ Ein anderer Kommentator meint: „Viele Menschen verwechseln Wohltätigkeit mit Altkleidersammlung.“ Und eine weitere Userin postet: „Leider ist es immer so. Zu jedem Spendenaufruf muss man immer den benötigten Müllcontainer dazu bestellen. Sehr ärgerlich auch, wie viel Kapazitäten es bindet.“

Gegenüber Merkurist stellt Roberto aber auch klar, dass die von ihm geschilderte Situation jedoch nur auf einen kleinen Teil der Spenden zutreffe. Die größte Teil sei in gutem Zustand. Es würden teilweise auch richtig teure oder sogar neu gekaufte Sachen gespendet. Er freut sich über die insgesamt enorme Spendenbereitschaft. „Es ändert nichts daran, dass diese unglaubliche Welle an Hilfsbereitschaft genau das ist, was uns auszeichnet.“

Wie ihr mit Spenden helfen könnt, erfahrt ihr zum Beispiel hier:

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