1991: Als die Mainzer Fastnacht ausfiel

Kein Rosenmontagsumzug, keine Fernsehsitzung, kein Helau: Im Jahr 1991 fiel die Mainzer Fastnacht aus. Doch warum war das so?

1991: Als die Mainzer Fastnacht ausfiel

Es ist Januar, die Fastnachtskampagne 1990/91 ist in vollem Gange. Doch eigentlich ist den Mainzer Narren gar nicht nach Feiern, Lachen und Helau zumute. Denn es ist auch die Zeit des Irak-Kriegs, der zeitgleich stattfand.

An einem Abend Mitte Januar trafen sich deshalb Vertreter von 44 Fastnachtsvereinen und Garden zu einer Krisensitzung. Am nächsten Tag prangte die Schlagzeile auf der Mainzer Rhein-Zeitung: „Fastnacht fällt aus“. „Wer jetzt noch Fastnacht feiert, macht sich ethisch und moralisch unmöglich“, sagte der damalige MCV-Präsident Rudi Henkel am Rande der Versammlung. Und: „Wir können und wollen nicht feiern.“ Es war also das Ende der Kampagne: keine Fernsehsitzung, kein Rosenmontagszug, kein Jugendmaskenzug und keine weiteren Veranstaltungen.

Das bedeutete aber auch enorme finanzielle Verluste für die Vereine, wie die Rhein-Zeitung weiter berichtete. Vor allem für die kleineren Vereinigungen stand die Existenz auf dem Spiel. Die Narren appellierten: Wer seine Karte zurückgab, der sollte nicht den vollen Betrag zurückverlangen - um die Meenzer Fastnacht zu retten.

Protestaktion der Pädagogikstudenten

Doch nicht nur die Fastnachter zeigten sich von den Geschehnissen im Irak berührt, auch Studenten zeigten ihren Unmut darüber. Auf dem Platz vor der Christuskirche regte sich im Januar 1991 Widerstand gegen den Krieg. Hunderte Holzkreuze wurden auf der Grünanlage aufgestellt. Wie die Allgemeine Zeitung am 26. Januar berichtete, hatten Pädagogikstudenten der Uni hier ein „symbolisches Gräberfeld“ errichtet.

Anlass waren die uniweiten Aktionstage gegen den Krieg. Man wolle auf alle Toten aufmerksam machen, so die Studenten. „In den Medien werden die Opfer verschwiegen. Berichtet wird über Maschinen und Flugzeuge, die nicht zurückkehren, aber nicht über die Menschen.“ Und auch dem Vorwurf des Antiamerikanismus traten die Studenten entgegen: „Wir trauern um die Toten auf allen Seiten, die Aktion soll nicht politisch sein.“ (pk)

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