Mainzer Tierheim berichtet von traurigem Fund

Was nett gemeint ist, ist nicht immer gut - möglicherweise war es bloß Tierliebe, jedoch ist das Ergebnis schockierend: Das Mainzer Tierheim berichtet von dem traurigen Fund einer gequälten Krähe.

Mainzer Tierheim berichtet von traurigem Fund

Noch nicht all zu lange ist es her, dass Fotos von angezündeten Tauben viele Mainzer schockierten (wir berichteten). Nun berichtet das Kleintierhaus Tierheim Mainz von einem nächsten traurigen Vorfall: Am 22. Juni wurde eine Krähe mit massiv geschädigtem Gefieder und viel zu langen Krallen im Mainzer Tierheim abgegeben. Grund für ihren katastrophalen Zustand ist laut Dagmar Diehl, Kleintierpflegerin des Kleintierhaus Tierheim Mainz, keine offensichtliche Tierquälerei, sondern vermutlich eher menschliches Fehlverhalten.

„Die Krähe ist nicht völlig abgemagert, und alle Schäden an ihr deuten entsprechend unserer Erfahrungswerte darauf hin, dass sie längere Zeit in einem Käfig verbracht hat. Deshalb gehen wir davon aus, dass sie mehrere Wochen in menschlicher Obhut war“, sagt Diehl. So seien die Krallen des Tieres zum Beispiel auffällig lang und rund, weshalb sich annehmen lässt, dass die Krähe längere Zeit bloß auf dünnen Stangen gesessen habe. Im Normalfall nutzen sich die Krallen nämlich auf natürliche Weise an Bäumen ab.

Außerdem fehlen der Krähe wichtige Mineralstoffe und Vitamine. Ob das Tier zusätzlich an organischen Schäden leide, wisse man aktuell noch nicht. Auch sei bisher nicht klar, inwieweit sich die Krähe von ihren Schäden erholen werde. „Momentan ist sie in einem Zustand, in dem man noch nicht sagen kann, ob sie sich davon erholen wird - wir hoffen es natürlich“, so Diehl.

Die Krähe sei von einer Fußgängerin in der Stadt entdeckt worden, wo sie fußläufig unterwegs war. Anschließend sei sie direkt ins Tierheim gebracht worden. Vermutlich sei die Krähe dort ausgesetzt worden, nachdem sie über längere Zeit gehalten worden sei. „In letzter Zeit erleben wir solche Vorfälle, in denen Menschen Wildtiere bei sich zu Hause halten und falsch versorgen, leider öfter. Aber dieser Fall ist schon besonders schlimm“, so Diehl weiter.

Gründe für die private Haltung

„Gerade Krähen sind oftmals nett und freundlich gegenüber Menschen, viele finden das toll“, sagt Diehl. Deshalb wollen viele Menschen Wildtiere als Haustiere halten. „Andere denken, sie würden den Tieren helfen, indem sie sie mit nach Hause nehmen und versorgen.“ Das betreffe vor allem junge Küken, die insbesondere in der derzeitigen Jungvogelsaison häufig aus ihren Nestern fallen. Doch für Diehl ist das falsch verstandene Tierliebe: „Wenn man keine Ahnung hat, ist es besser, nichts zu tun als das Falsche“.

Was kann man tun?

Nicht nur ist die Haltung von Wildtieren laut Diehl strafbar, weil es sich dabei um Naturentnahme handelt. Es sei besser, sich an Profis zu wenden, als einen Selbstversuch zu wagen. Teilweise habe es im Kleintierhaus Tierheim Mainz schon sehr kuriose Fälle gegeben. „Einmal erzählten uns Leute, sie hätten Tauben mit Hackfleisch gefüttert, weil sie dachten Wildtiere müssten Fleisch essen“, so Diehl. Ein weiteres Problem sei, dass vielen Vögeln häufig Wasser in den Schnabel eingeflößt werde.

Diehl ist es wichtig, dass Leute sensibilisiert werden, damit solche Vorfälle nicht mehr passieren. „Es gibt viele öffentliche Tierheime oder Auffangstationen, die bedürftigen Tieren helfen können.“ (pk/rk)

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