Restaurants stehen wie Sehenswürdigkeiten auf der Liste vieler Reisenden. Anette Rapp will Menschen genau dort miteinander zusammenbringen. Sie ist Gründerin der Plattform „Contact-tables“. Die Idee: dass Menschen vor Ort und Reisende aus anderen Teilen Deutschlands unkompliziert in Kontakt kommen. Mithilfe einer Online-Plattform können sie ein Restaurant in ihrer Nähe finden, dort einen Tisch reservieren, um sich zu treffen und gemeinsam ins Gespräch zu kommen.
Idee entstand aus gesammelten Reiseerfahrungen
Rapp habe sich mit ihrem Van auf Reisen befunden, auf denen sie immer wieder allein essen gegangen sei, sagt sie gegenüber Merkurist. Manchmal habe sich dabei Gesellschaft ergeben, manchmal nicht. „In diesen Momenten habe ich gedacht, wie schön eine Liste an Restaurants wäre, bei denen Alleinreisende sich zu anderen Menschen an einen Tische setzen könnten“, erzählt sie. „Und dann gab es tatsächlich diesen einen Moment, bei dem die Idee plötzlich ganz klar da war: Ich mache diese Liste!“ Daraus sei schließlich „Contact-tables“ entstanden.
Laut Rapp rücke das Thema Einsamkeit zunehmend in den gesellschaftlichen Fokus. Immer mehr Menschen würden allein leben und auf einen Restaurantbesuch verzichten, weil sie sich alleine an einem Tisch nicht unbedingt wohlfühlen würden. „Über Contact-tables können Restaurants genau diesen Menschen eine unkomplizierte Möglichkeit bieten, mit anderen in Kontakt zu kommen – und dabei neue Gäste gewinnen, die im besten Fall auch zu Stammgästen werden.“
„Contact-tables“ startet auch in Mainz
Die Plattform startete sie Ende Mai 2026. Über 2200 Menschen hätten sich mittlerweile registriert und die ersten Treffen bereits stattgefunden. Rapp möchte nun Menschen und Restaurants in weiteren Städten von ihrer Idee überzeugen.
Ihre Plattform konnte sie bisher in Bad Säckingen und Bad Pyrmont etablieren, auch in München soll ein Restaurant für „Contact-tables“ ab Oktober dabei sein. Diese Woche nimmt am Samstag, 19. September, das „Patagonia“ in der Neustadt als erstes Restaurant in Mainz an „Contact-tables“ teil. Reserviert ist der Tisch für angemeldete User um 18:30 Uhr.
Da es noch seine Zeit brauche, bis die Plattform an Bekanntheit gewinne, würde es in Mainz erst bei „Patagonia“ bleiben, so Rapp. Sie arbeite aber daran, noch vier oder fünf weitere Restaurants für die Idee zu begeistern. Sie wolle so sicherstellen, dass die teilnehmenden Restaurants die „Contact-tables“ auch sicher belegt bekommen.
Besondere Voraussetzungen für eine Teilnahme an „Contact-tables“ gebe es nicht. Vor Ort würden Tische als „Contact-tables“ von teilnehmenden Restaurants zur Verfügung gestellt, gekennzeichnet und für Gäste reserviert. „Wichtig ist vor allem, dass das Restaurant offen für das Konzept ist und den Gedanken dahinter mitträgt.“
Plattform ist offen für alle Menschen
Zu bisherigen Treffen seien überwiegend Menschen im Alter zwischen 40 und 60 Jahren gekommen. Allerdings richte sich „Contact-tables“ an Menschen jeden Alters – unabhängig von ihrer Herkunft und Sprache –, die allein unterwegs seien, in Gesellschaft essen und neue Menschen kennenlernen möchten. „Gerade beim gemeinsamen Essen können Begegnungen ja auch über Sprachgrenzen hinweg entstehen“, erzählt Rapp.
Im nächsten Schritt möchte sie ihre Plattform auf Österreich und die Schweiz ausweiten, um später noch weiter nach Europa zu expandieren. Entsprechend solle auch die Webseite mehrsprachig werden, um internationale Reisende zu erreichen.
„Wir stehen noch ganz am Anfang – aber die Resonanz und das Interesse zeigen mir, dass grundsätzlich ein großer Bedarf an solchen unkomplizierten Möglichkeiten für Begegnung und Gemeinschaft besteht“, sagt Rapp.