Anwohner kritisieren Rewe-Nachfolge in der Augustinerstraße

Nach zwei Jahren Leerstand soll ein Netto-Markt in den ehemaligen Rewe in der Augustinerstraße ziehen. Die Anwohner sind nicht begeistert.

Anwohner kritisieren Rewe-Nachfolge in der Augustinerstraße

Seit Jahren engagiert sich Anwohner Jens Plachetka für die Mainzer Altstadt. Sein Ziel: Eine Altstadt, in der man mit Genuss einkauft, gerne flaniert und verweilt. Was er allerdings vor etwa zwei Wochen erfuhr, passt in dieses Bild nicht recht rein: In den ehemaligen Rewe in der Augustinerstraße soll nach rund zwei Jahren Leerstand erneut ein Lebensmittelladen einziehen. Vermutlich ein Netto-Markt, wie die „Allgemeine Zeitung“ berichtet.

Plachetka stören dabei mehrere Punkte. „Erstens gibt es genug Supermärkte in der Nähe“, sagt er. Das sind zum Beispiel Rewe in der Malakoff-Passage, Penny in der Holzstraße und Tegut in der Holzhofstraße. Außerdem sei eine weitere Kette nicht der richtige Weg, erst recht kein Discounter. Stattdessen solle man lieber Ideen sammeln, kreative Lösungen suchen. „Ich denke da an eine Markthalle oder eine Pop-Up-Fläche für junge Kreative“, so Plachetka.

Ideenwettbewerb statt Verödung?

Außerdem habe die Stadt hier eine Vorbild-Funktion: „Sie muss als Eigentümerin Verantwortung übernehmen, denn Eigentum verpflichtet“, sagt Plachteka. Der Laden gehört wie der Frankfurter Hof zur städtischen Kulturzentren Mainz GmbH. „Warum gibt es hier keinen Ideenwettbewerb? Man könnte die Bürger befragen. Und wenn daraus nichts wird, hat man es zumindest versucht.“ Plachteka kann sich auch vorstellen, die Veranstalter der „Stijl“- oder „Goûte“-Messe ins Boot zu holen.

„Ich möchte überhaupt nicht krakeelen, sondern bessere Lösungen aufzeigen. Die Innenstädte veröden immer mehr, dagegen müssen wir etwas tun.“ Ein Netto würde dagegen eher zu einer Verödung beitragen, so Plachetka.

„Konzepte wirtschaftlich nicht umsetzbar“

Philipp Meier von mainzplus Citymarketing bestätigt gegenüber Merkurist, dass ein Supermarkt in die Räume ziehen soll. „Wir befinden uns aktuell noch in den finalen Verhandlungsgesprächen.“ Ob es sich dabei um einen Netto handelt, will er wegen der laufenden Verhandlungen aber nicht bestätigen. Zu einer alternativen Nutzung sagt er: „Die konkreten Vorschläge der Anwohner können wir nicht kommentieren, da sie uns nicht vorliegen.“

Über kreative Konzepte habe man diskutiert und sei auch mit kreativen Anbietern und Konzeptentwicklern im Gespräch gewesen. Aber: „Der geltende Bebauungsplan lässt viele Nutzungskonzepte nicht zu. Teilweise waren Konzepte auch wirtschaftlich nicht umsetzbar – die nötigen Investitionen wären zu hoch gewesen.“

Unterschriften gegen „Netto“

Dass es keinen Bedarf für einen weiteren Supermarkt gibt, glaubt Meier nicht. „Die Räume wurden zuvor ebenfalls als Supermarkt genutzt, daher ist von einer grundsätzlichen Nutzbarkeit und einer Eignung des Standorts auszugehen.“ Zudem sei es bekannt, dass Supermärkte und Versorger für eine Frequenz in Einkaufslagen sorgten.

Anwohner Plachetka kann sich nicht vorstellen, dass ein kreatives Konzept an einem Umbau scheitern würde. „Wenn man das Gebäude etwa für eine gastronomische Nutzung umbauen müsste, wäre das sicher etwas anderes. Aber eine Fläche für kleinere Pop-Up-Geschäfte? Ich kann mir nicht vorstellen, dass man dafür groß umbauen müsste.“

Stellungnahme von Netto

Seit fünf Tagen sammelt Plachetka deshalb Unterschriften für eine andere Lösung, bisher sind mehr als 30 zusammengekommen. Die Liste liegt im Schuhgeschäft seiner Frau „Schuh Passion“ in der Augustinerstraße. „Unterschreiben kann jeder, nicht nur Einzelhändler.“

Netto will sich bisher noch nicht äußern. „Wir bitten um Verständnis, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt noch keine weiteren Informationen zu möglichen Aktivitäten an diesem Standort kommunizieren können.“

(ps)

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