Das Marktfrühstück wird immer größer - und das ist doch geil

„Zu voll“, „kaum Toiletten“, „schlechte Organisation“ - in der Öffentlichkeit hört man fast nur Kritik über das Marktfrühstück. Doch warum eigentlich? Unser Autor findet: Mitten in Mainz entsteht etwas Großes.

Das Marktfrühstück wird immer größer - und das ist doch geil

„Wie wäre es mal, wenn ihr was Positives über den Markt schreibt? Ein Sprendlinger - was hat der mit Mainz zu tun?“, schrieb mir neulich ein Freund genervt über Whatsapp. Gerade hatte Merkurist eine Blaulicht-Meldung über einen Mann aus Sprendlingen veröffentlicht, der beim Marktfrühstück gegen eine Wand gepinkelt und einen Ordnungsamt-Mitarbeiter verletzt hatte. „Stellt doch mal die Frage, warum der Markt so groß geworden ist“, schrieb er weiter. „Das steht alles am Anfang, aber das kann so viel Prestige bekommen wie die Fastnacht.“

Gerade wollte ich ihm antworten, dass das doch eine offizielle Polizeimeldung war. Und überhaupt nicht negativ gemeint. Und wir am selben Tag auch schöne Bilder vom Markt gepostet hatten. Doch da war es schon zu spät. „Gut, bin fertig, muss weiter trinken“, schloss er ab.

Nörgler sind lauter

Denn natürlich war er an diesem Samstag wieder mitten auf dem Markt - so wie tausende Andere. Seit Jahren wird das Marktfrühstück immer voller, besonders seit 2017 gibt es einen richtigen Ansturm. Aus der Tradition wird langsam eine Religion - wie schon Florian Sitte bei seinem „Mainz bleibt Mainz“-Auftritt als Angela Merkel feststellte:

In der Öffentlichkeit nimmt man allerdings fast nur die Nörgler wahr. „Zu voll“, „kaum Toiletten“, „Wildpinkler“, „mitgebrachte Getränke“, „schlechte Organisation“ - das sind einige der Kritikpunkte, die immer wieder zu hören sind. Oder noch kürzer zusammengefasst: Früher war alles besser.

Früher, als man samstags noch zum Markt ging wegen des Marktes und nicht wegen des Saufgelages. Als man für eine Weinschorle noch nicht 20 Minuten anstehen musste. Als man noch unter sich war, ohne die Studenten und Hipster.

„Die Besucher müssen sich benehmen

Doch was soll daraus folgen? Einlasskontrollen? Eine Hipsterverbotszone in der Innenstadt? Nein. Denn was die Kritiker übersehen: Das Marktfrühstück ist in den vergangenen Jahren nicht so groß geworden, weil irgendjemand beschlossen hatte, dass es so groß werden soll. Das Marktfrühstück ist ganz natürlich gewachsen, weil es einfach ein tolles Ereignis ist. Oder wie Merkurist-Leser Phil schreibt:

„Wir sind eine Stadt, kein Dorf. Es ist normal, dass eine gute Sache sich in der Stadt herumspricht und jeder mitmachen möchte. Schließlich gehört dieser öffentliche Platz nicht denen, die früher schon da waren.“

Doch auch die Kritiker haben teilweise recht. Je mehr Besucher da sind, desto mehr Störenfriede kommen auch. Nicht wenige lassen ihren Müll liegen, bringen ihr eigenes Gesöff mit, pinkeln wild durch die Gegend (das können nicht nur Sprendlinger).

Das stört auch die Winzer. „Die Besucher müssen sich natürlich benehmen. Es gibt genug öffentliche Toiletten, die auch ausgeschildert sind. Und ins Lokal nimmt man ja auch nicht seine eigenen Getränke mit“, sagt Cathrin Tronser, Geschäftsführerin der „Mainzer Winzer“. „Wir können da nur appellieren. Die Leute müssen auch untereinander darauf achten.“ Dass das Marktfrühstück seinen Flair verloren hat, glaubt Tronser nicht.

Ich auch nicht. Das Marktfrühstück ist auch in seiner neuen Form kein reines Saufgelage. Vielmehr ist es zum richtigen Event geworden, für Mainzer und Auswärtige, für Junge und Alte.

Es gibt so vieles, über das es sich zu nörgeln lohnt - das Marktfrühstück gehört nicht dazu.

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