Danke, Sandro!

Nach zwei bitteren Niederlagen wurde Mainz-05-Coach Sandro Schwarz am Sonntag entlassen. Kaum ein Bundesliga-Trainer hat sich so mit seinem Verein identifiziert wie er. Umso widerlicher ist die Schadenfreude in den sozialen Medien. Ein Kommentar.

Danke, Sandro!

Man muss es sich immer wieder ins Gedächtnis rufen, vor allen an Tagen wie heute: Die sozialen Medien bilden nicht die Realität ab. Zumindest nicht die ganze. An diesem Sonntag wurde Mainz-Trainer Sandro Schwarz nach zwei Jahren Amtszeit entlassen. Die Kommentare in den sozialen Medien: voller Häme und Schadenfreude.

Die ins Persönliche gehende Kritik begleitete Schwarz über seine komplette Amtszeit. Nach Siegen wurde sie natürlich leiser, nach angeblich peinlichen Niederlagen lauter. Dabei hatte Schwarz die Mannschaft im vergangenen Jahr auf Platz 11 geführt – zu keinem Zeitpunkt der Saison bestand Abstiegsgefahr. Von Schwarz‘ erstem Halbjahr 2017/18 bis zur Rückrunde der vergangenen Saison hatte sich die Mannschaft kontinuierlich gesteigert. Misserfolg sieht anders aus.

Verein hatte keine Wahl mehr

Der kam dann allerdings in dieser Saison. Acht Niederlagen in elf Spielen, darunter die Rekordniederlage in Leipzig – da hatte der Verein keine Argumente mehr, den Trainer zu halten. Zumal nach der Länderspielpause mit Hoffenheim und Eintracht Frankfurt schwere Gegner warten. Manager Rouven Schröder hatte sich lange Zeit gegen die üblichen Mechanismen gewehrt, jetzt war er zum Handeln gezwungen.

Doch statt sich bei Ex-Trainer Schwarz zu bedanken und ihm alles Gute zu wünschen, ergießen viele User immer noch Häme über ihn. „Gott sei Dank“, heißt es auf Facebook, oder: „Beste Nachricht des Tages.“ Hier wird gefeiert, wie ein Mensch seinen Job verliert. Ein Mensch, der mit Herzblut gearbeitet hat, sich zu 100 Prozent mit dem Verein identifiziert und der trotz aller Häme immer souverän geblieben ist.

Zum Glück sieht es auf Twitter auch ein bisschen anders aus. Einer der meistgelikten Kommentare unter dem Entlassungs-Tweet von Mainz 05 lautet: „Danke Sandro für 2,5 Jahre Herzblut. Fällt mir schwer, dich nicht mehr auf der Bank zu sehen. Aber wohl die beste Entscheidung, alleine um dich zu schützen. Aber denk dran, man sieht sich immer zweimal im Leben. Nimm dir eine Auszeit und verbring Zeit mit der Familie. Danke, Sandro.“ (df)

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