Alle reden von Klimaschutz, aber keiner macht ihn konsequent

Klimaschutz: Dabei denken viele an Verbote und Einschränkungen – doch Klimaschutz kann auch ganz anders aussehen. Ein Kommentar.

Alle reden von Klimaschutz, aber keiner macht ihn konsequent

Alle reden vom Klimaschutz, aber keiner macht ihn konsequent - das muss sich so schnell wie möglich ändern. Am 14. März haben wir in Rheinland-Pfalz die Chance dazu: Dann ist Landtagswahl. Ich mache mich stark für Klimaschutz, unsere Umwelt und den Menschen. Eines steht dabei fest: Es muss etwas passieren, sonst ist es zu spät.

Oft wird in Debatten behauptet, Klimaschutz ginge nur mit Verboten, das sehe ich völlig anders. Wir alle brauchen ein Bewusstsein: Unendliches Wachstum ist schon physikalisch nicht möglich, irgendwann sind unsere Ressourcen und der Platz zum Leben auf der Erde aufgebraucht. Niemand muss zurück in die Fünfzigerjahre, aber wir müssen Alternativen schaffen. Wir können weiterhin mit dem Auto fahren, aber eben mit dem Elektroauto oder noch besser – wir werden gefahren. Wir können weiterhin die besten Gerichte und auch gutes Fleisch essen, aber müssen wir jeden Tag Fleisch aus erbärmlicher Tierhaltung essen?

Die Menschen müssen begreifen, dass wir Tiere und die Natur nicht einfach ausbeuten können, ohne dass dadurch Konsequenzen für uns alle folgen werden. Wenn wir gewisse Dinge anders machen, dann können wir die Klimakatastrophe, das Artensterben und viel menschliches Leid verhindern. Das Beste daran ist: Wir können das tun – mit viel Freude und Spaß dabei.

Aber das kann doch keiner bezahlen!?

Klimaschutz ist teuer und eigentlich nicht zu finanzieren, heißt es dann immer in den Debatten. Als Bundesumweltminister hat Peter Altmeier (CDU) im Jahr 2013 erklärt, die Energiewende werde bis zu 1000 Milliarden Euro kosten. Nur einen kleinen aber nicht ganz unwichtigen Punkt hat er dabei vergessen: Die Kosten für die Zerstörung unserer Umwelt, wenn wir nicht auf erneuerbare Energien setzen. Die werden nämlich viel höher ausfallen als 1000 Milliarden. Aber das ist eben weiter in der Zukunft als die nächste Wahl. Deshalb hat das in der Vier-Jahres-Politik keinen Platz. Aber nehmen wir mal an, es würde die Umweltzerstörung nicht geben und wir müssten tatsächlich in den nächsten zehn Jahren jeweils 100 Millionen in Windräder, Solaranlagen und Dämmung investieren.

Sonne und Wind liefern uns Energie und wisst ihr, was super daran ist? Sie schreiben uns nicht mal eine Rechnung dafür!

Alles was wir dafür tun müssen, ist Geld in Photovoltaikanlagen und Windräder investieren, nach Altmeiers Rechnung sind das also 100 Millionen verteilt auf zehn Jahre. Wenn man jährlich 40 Milliarden Euro dieser Schulden abbezahlt, hätten wir diese Summe also nach 25 Jahren wieder getilgt. Im Jahr 2019 haben wir pro Jahr 65 Milliarden Euro ausgegeben, für den Import von Erdöl, Kohle und Erdgas. Diese Rohstoffe haben wir dann verbrannt und weg waren sie. Und nicht nur das: Sie haben auch noch Schadstoffe und CO₂ verursacht. Plus Folgekosten von bis zu 200 Euro pro ausgestoßener Tonne CO₂. Die Kosten steigen also weiter. Erneuerbare Energien sind nicht nur wesentlich umweltfreundlicher als die Verbrennung von Rohstoffen, sie sind sogar wesentlich günstiger – für jeden im Geldbeutel spürbar! Noch dazu wäre der Umstieg ein gigantisches Konjunkturprogramm. Zusätzlich wären wir nicht mehr von Oligarchen oder Scheichs abhängig und könnten ein gutes Vorbild für andere Regionen sein.

Wenn ich mir etwas nach dieser Wahl wünschen dürfte, dann das: Wir müssen Wissenschaftler endlich ernst nehmen. In der Corona-Krise klappt es doch auch. Wir müssen die Bedrohung der Klimakrise als reale Gefahr sehen und aufhören, die Natur auszutricksen. Das funktioniert nicht. Realpolitik muss sich endlich an physikalischen Grenzen orientieren.

Konkret sollte die kommende Landesregierung folgendes umsetzen:

1. a) Genehmigungsverfahren für Windräder sind viel zu komplex geworden – sie dauern heute fünf bis sieben Jahre. Deswegen brauchen wir eine deutliche Vereinfachung der Verfahren. Innerhalb von zwei Jahren muss entschieden werden können, ob an einem Standort Windräder möglich sind oder nicht.

b) Windräder dürfen nicht nach ideologischen Gesichtspunkten errichtet werden, sondern nach klaren physikalischen Kriterien in Sachen Schall. Ein modernes Windrad kann besser und leiser betrieben werden als ein Windrad, das vor 20 Jahren errichtet wurde.

c) Akzeptanz bei den Bürgern wird nicht durch ideologische Abstände erreicht, sondern durch echte finanzielle Vorteile für jeden Anwohner. Anwohner im Umkreis von zwei Kilometern um ein Windrad müssen von den Netzentgelten befreit werden. Das wäre eine Entlastung pro Haushalt von bis zu 300 bis 400 Euro im Jahr.

2. Jeder Solaranlagenbetreiber sollte kostenlos einen Zugang ans Stromnetz bis zu einer Dachfläche von 500 Quadratmetern vom Energieversorger gestellt bekommen. Mit den aktuellen Regelungen ist ein Anschluss einfach zu teuer und zu kompliziert. Dann können alle – auch Mieter – Solarstrom für weniger als 10 Cent pro Kilowattstunde (knapp ein Drittel der normalen Stromkosten) beziehen.

3. Ausbau der Ladeinfrastruktur: In den nächsten zehn Jahren sollte jeder Parkplatz vor Supermärkten mit einer Lademöglichkeiten für E-Autos versehen werden. Und zwar auf Kosten der reichsten Konzerne Deutschlands wie Aldi, Lidl und Co.

Also liebe Merkurist-Leser: Wenn wir die Klimakatastrophe verhindern wollen, dann müssen wir jetzt handeln – nicht nur die Politik. Jeder kann etwas tun – angefangen bei der aktuellen Landtagswahl!

Unsicher, wen du wählen sollst? Hier gehts zum Wahl-O-Mat.

Hintergrund

Matthias Willenbacher ist Energiewende-Pionier und Unternehmer aus Leidenschaft. Er baute 1996 sein erstes Windrad und gründete daraufhin juwi. Neben juwi gründete Matthias Willenbacher einige weitere Firmen, unter anderem die wiwin GmbH & Co. KG, Anbieter einer Online-Plattform für nachhaltige Investments. Seit Januar 2021 ist er Inhaber von Merkurist.

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