Wohnen im Mini-Haus: Wird es in Mainz bald Grundstücke für Tiny Houses geben?

In Tiny Houses oder „Minihäusern“ wird das Wesentlichste auf kleinsten Raum reduziert. Könnten sie künftig eine Lösung für den bestehenden Wohnraummangel sein? Die Städte Mainz und Ingelheim gehen hier unterschiedliche Wege.

Wohnen im Mini-Haus: Wird es in Mainz bald Grundstücke für Tiny Houses geben?

Könnten Tiny Houses – also „winzige Häuser“ – den bestehenden Mangel an Wohnraum lösen? Die Minihäuser oder Singlehäuser konzentrieren sich auf das Wesentlichste auf kleinstem Raum: Auf etwa 37 Quadratmetern befinden sich ein Wohnbereich mit Kochnische, ein Sanitärbereich mit Dusche und Toilette sowie ein Schlafplatz.

Oft werden sie als mobiles Heim genutzt, transportiert auf Rädern. Einige werden auch als stationäre Kleinsthäuser genutzt, um das Bedürfnis des „eigenen Dachs über dem Kopf“ trotz kleinem Budget zu decken. Viele wollen so finanzielle Freiheit, Unabhängigkeit, die Reduzierung auf das Wesentliche und ein ökologisches, nachhaltiges Leben miteinander vereinen.

In Ingelheim sucht die Stadt bereits nach Flächen, um Minihäusern Platz zu geben. Oberbürgermeister Ralf Claus (SPD) rief vor einigen Wochen Grundstücksinhaber auf, sich bei der Stadt zu melden, wenn sie ihr Grundstück eine Zeit lang zur Verfügung stellen können. Damit wolle die Stadt Möglichkeiten für (Zwischen-)Nutzungen zwischen Grundstückseigentümern und -Interessenten vermitteln, teilt Denise Töter-Gruber aus dem Büro des Oberbürgermeisters auf Anfrage mit. Voraussetzung ist, dass die Grundstücke voll erschlossen sind, inklusive Wasser-, Abwasser- und Stromanschluss. 30 Anfragen habe es seitdem bereits gegeben, sowohl von Grundstückssuchenden und -anbietenden als auch Herstellerfirmen für Tiny-Houses.

Für die Stadt ungeeignet?

Auch in Mainz gab es vereinzelt Interessenanfragen, ist bei der Stadt zu erfahren. „Derzeit gibt es aber in Mainz keine auf Tiny-House orientierte Flächenentwicklung“, so Pressesprecher Ralf Peterhanwahr. Dass diese Minihäuser das Problem des knappen Wohnraums lösen können, wird bei der Stadt Mainz eher skeptisch gesehen: „Tiny Houses bieten mit ihrer kompakten Bauform einerseits Vorteile, wie zum Beispiel eine kostengünstige und ökologische Bauweise.“ Anderseits seien diese Vorteile im Städtebau nicht wirkungsvoll, denn ihre bauliche Dichte sei sehr gering. „Tiny Houses können nicht übereinander geschichtet werden.“

So werde im aktuellen Wohnungsmarktbericht deutlich, dass ein Zuwachs in allen Haushaltsgrößen zu erwarten sei, vor allem bei den Senioren-Haushalten. Der Stadt Mainz werde daher empfohlen, zukünftig unterschiedliche Wohnungstypen zu errichten, „mit kompakten und gleichzeitig flexiblen sowie barrierereduzierten Grundrissen“. Auch auf den Klimaschutz solle bei Neubauten geachtet werden. „Diese Aspekte sind mit Tiny Houses nur in geringen Teilen umsetzbar“, so Peterhanwahr.

In Ingelheim indes werden nun die Grundstücksangebote ausgewertet, „basierend auf Prüfungen der jeweiligen Bebauungspläne und sonstiger baurechtlicher Sachverhalte“, sagt Töter-Gruber. „Dadurch wird geklärt, welche Grundstücke aus rechtlicher Sicht tatsächlich genutzt werden könnten.“ Bau- und planungsrechtlich seien an die Minihäuser die gleichen Anforderungen zu stellen wie an normale Wohnhäuser.

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