Ein Bündnis aus Umwelt- und Klimaschutzverbänden kritisiert die Pläne der Kraftwerke Mainz-Wiesbaden (KMW), ein weiteres Gaskraftwerk auf der Ingelheimer Aue zu bauen. Das teilen die Institutionen, darunter die Scientists for Future und der BUND Mainz, in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit.
„Strom aus Gas ist teuer und extrem klimaschädlich“, so Prof. Friedhelm Schönfeld von den Scientists for Future Mainz. Es sei unverantwortlich, weiterhin auf eine fossile Energieversorgung zu setzen. „Alternativen sind hinlänglich bekannt, erprobt und wesentlich kostengünstiger“, so Schönfeld. Die Verbände sehen in den Plänen einen Widerspruch zu den Klimazielen der Stadt Mainz, die bis 2035 klimaneutral werden will.
Gegen das geplante Kraftwerk wurden bei der zuständigen Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd (SGD Süd) insgesamt zehn Einwendungen eingereicht. Eine für den 7. Mai geplante Erörterung dieser Einwendungen wurde kurzfristig abgesagt, da die Einwände laut SGD Süd „hinreichend begründet und konkret“ seien. „Wir sehen Diskussionsbedarf“, erklärt Michael Lengersdorff, Sprecher von MainzZero. „Wie will die KMW dies mit neuen Gaskraftwerken erreichen?“
Wasserstoff-Umstellung fraglich
Die KMW plant laut den Verbänden langfristig eine Umstellung des Kraftwerks auf Wasserstoff. Diese Perspektive wird jedoch als fraglich bewertet. „Ob die Umstellung auf Wasserstoff jemals realistisch, ökologisch und ökonomisch sinnvoll sein wird, ist jedoch mehr als fraglich. Grüner Wasserstoff ist Mangelware“, sagt Prof. Thomas Hieke von den Christians for Future. Im Antrag der KMW sei der Einsatz von Wasserstoff kein Thema.
Mit Investitionen von über 44 Millionen Euro würde „erneut eine alte, konventionelle Gaskraftwerkstechnik für Jahrzehnte zementiert“, kritisiert Maren Goschke vom BUND Mainz. Zudem sorge der Verzicht auf eine neue Umweltverträglichkeitsprüfung für Irritationen. Die letzte Prüfung stamme aus dem Jahr 2005. Greenpeace Mainz-Wiesbaden befürchtet, dass die KMW mit dem Bau die Klimaneutralität für Mainz boykottiere.
Batterien als kostengünstige Alternative
Die Verbände verweisen auf Batterietechnik als bewährte und kostengünstige Alternative zu Gaskraftwerken. Die Kosten für Batterieanlagen seien stark gesunken. Eine Batterie, deren Produktion vor 15 Jahren noch rund 1.300 Euro pro Kilowattstunde gekostet habe, könne heute für 90 Euro hergestellt werden.
Während Batterien über Jahre genutzt werden könnten, müsse Gas täglich neu geliefert werden. Die einwendenden Institutionen fordern daher eine Diskussion mit der SGD Süd und der KMW, um treibhausgasneutrale Alternativen zu erörtern und die Akzeptanz in der Bevölkerung zu sichern.