Hitzesommer: Wie die Stadt Mainz das Aufheizen der Innenstadt aufhalten will

Immer mehr Tropennächte, trockene Böden und wenig Regen: Der Klimawandel macht sich auch in Mainz bemerkbar. Doch wie geht die Stadt damit um?

Hitzesommer: Wie die Stadt Mainz das Aufheizen der Innenstadt aufhalten will

Mitte August hatte die Hitze Mainz fest im Griff. Bis zu 38 Grad heiß wurde es in der Stadt, dazu gab es kaum Regen. Mittlerweile sind die Temperaturen wieder gesunken, doch die Angst vor den Folgen solcher Hitzewellen bleibt. „Was tut die Stadt Mainz gegen das Aufheizen der Stadt? Und wann kommen die Wasserspender?“, fragt Merkurist-Leserin Karin in ihrem Snip.

„Das Schlimmste sind die Tropennächte.“ - Katrin Eder, Umweltdezernentin

Die Mainzer Umweltdezernentin Katrin Eder (Grüne) weiß um die schlechte klimatische Situation in der Innenstadt. Gegenüber Merkurist sagt sie: „Das Schlimmste sind die Tropennächte. Gerade diese sind für die menschliche Gesundheit schlecht, da viele, gerade Kinder, nachts nicht mehr schlafen können. Die Zahl dieser Tropennächte nimmt Jahr für Jahr immer weiter zu.“ Dazu komme, dass Mainz als historische Stadt eng bebaut und verdichtet sei. „Es gibt nur wenige Grünflächen. Deswegen sind Flächen wie das Gonsbachtal so wichtig. Hier beträgt der Temperaturunterschied zur Innenstadt auch mal gerne drei bis vier Grad nachts.“

Auch die Trockenheit macht Eder Sorgen. „Oft werde ich darauf angesprochen, ob die Grünflächen nicht bewässert werden können, wie zum Beispiel die Wiese am Winterhafen. Doch mit der Trockenheit fällt auch der Grundwasserspiegel immer weiter. Daher haben wir uns dazu entschieden diese Flächen nicht zu bewässern und lieber Wasser zu sparen.“ Die Trockenheit mache aber auch den Bäumen zu schaffen. „Gerade Jungbäume leiden unter der Trockenheit. Hier müssen wir kräftig bewässern. Dafür haben wir gerade noch einmal fast 300.000 Euro zur Verfügung gestellt bekommen.“ Viele Bäume werden mithilfe von Wassersäcken bewässert. Diese haben sich bewährt und erfahren wenig Vandalismus, so Eder. „Dennoch sind wir dabei auch auf die Hilfe der Mainzer Bürger angewiesen.“

Verbot von Schottergärten?

Die Verwaltung beschäftige sich mit einigen Ideen, um das Aufheizen der Innenstadt einzudämmen. Eder sagt: „Derzeit arbeiten wir an einer neuen Grünsatzung, die vorsieht, dass nur ein bestimmter Prozentsatz eines Grundstücks versiegelt werden darf. Ein Schottergarten wird dann nicht mehr wie ein Garten, sondern wie eine Versiegelung behandelt. Das ist dann quasi wie ein Verbot von Schottergärten in Mainz.“ Außerdem sollen ein paar öffentliche Flächen demnächst entsiegelt werden. „Zum Beispiel gibt es in Mainz-Bretzenheim in der Wilhelm-Quetsch-Straße eine Asphaltwüste, wo auch kein Verkehr mehr herrscht. Im Bebauungsplan „Am Milchpfad“ in der Oberstadt ist ebenfalls eine Fläche zur Entsiegelung vorgesehen. Wenn es also Projekte gibt, wo das geht, dann hat die Stadt das auch vor.“

Rigide gehe man seit Jahren auch bei den Kaltluftschneisen vor, so Eder. „Diese werden, wie zum Beispiel das Gonsbachtal, von Bebauung freigehalten. Das heißt auch, dass hier zum Beispiel keine Hütten aufgestellt werden sollen.“ Für Wohngebiete werden außerdem innovative Energie- und Wärmekonzepte entwickelt. Beim Thema Fassadenbegrünung habe sich dagegen bislang wenig getan. „Das liegt aber auch daran, dass dort immer der Brandschutz mit bedacht werden muss. Ein möglicher Ort für eine umfassende Begrünung ist die umgestaltete Ludwigsstraße. Hier ist dies auch im Siegerentwurf vorgesehen.“ Mit der „Mainzer Stiftung für Klimaschutz und Energieeffizienz“ plane man zudem ein Förderprogramm, dass Bürger unterstützen soll, die Fassadenbegrünung oder Entsiegelung von Flächen auf ihren Grundstücken planen.

Passivhaus-Status bei Schulen und Kitas

Auch im Baudezernat der Stadt ist das Thema Klimawandel präsent. Dezernentin Marianne Grosse (SPD) sagt: „Bei der Planung von neuen Bauprojekten denken wir Grünflächen mit. Zum Beispiel im Heiligkreuz-Viertel: Hier waren die Flächen komplett versiegelt - das wird nun anders.“ Es gebe für solche Bauprojekte immer Wettbewerbe. Damit sorge man dafür, dass die Verdichtung im Rahmen bleibe, Grünflächen vorhanden seien und es eine hohe Lebensqualität gebe. „Trotzdem müssen wir mit Investoren manchmal viel diskutieren.“ Neue Schulen und Kitas werden außerdem mit nahezu Passivhaus-Status geplant. „Was die Energieeffizienz und Lebenszyklen der Gebäude angeht, sind wir in Mainz immer weit vorne gewesen. Da haben wir hohe Ansprüche.“

„Die Stadt macht ihre Hausaufgaben.“ - Katrin Eder, Umweltdezernentin

Katrin Eder sieht die Stadt Mainz beim Thema Klimawandel gut aufgestellt. „Die Stadt macht ihre Hausaufgaben: Wir planen große Projekte, die viel für die Energiewende bewirken werden wie etwa das Projekt ‘arrived’ des städtischen Wirtschaftsbetriebs, das jetzt beschlossen werden soll.“ In der kommenden Woche werde außerdem der Masterplan Klimaschutz abgeschlossen. „Im Stadtvorstand haben wir eine Verwaltungsstruktur beschlossen, mit der Klima-Themen künftig über die komplette Stadt hinweg implementiert werden sollen.“ Jeder Bereich müsse etwas dazu beitragen.

„Außerdem sind Modellrechnungen zur Klimaneutralität 2035 geplant: Hier wollen wir schauen, was es bedeutet, die Klimaneutralität in Mainz 2035 erreichen zu wollen und welche Maßnahmen das nach sich zieht“, erklärt Eder. Zudem stelle sich die Frage, ob das unter den gesetzlichen Rahmenbedingungen aus EU, Bund und Land überhaupt als Stadt gehe. „Fakt ist aber, um den Klimawandel aufzuhalten müssen sich alle radikal umstellen und umdenken – gerade auch im Verkehrssektor.“

Neue Wasserspender?

Und was tut sich beim Thema Wasserspender? In Betrieb ist von April bis Oktober normalerweise der Spender am Rebstockplatz. Doch wegen der Corona-Pandemie wurde er in diesem Jahr nicht in Betrieb gesetzt, wie Stadtwerke-Sprecher Michael Theurer sagt. „Die Mainzer Stadtwerke halten dies zum einen aus hygienischen Gründen, zum anderen aus Gründen des Abstandhaltens im öffentlichen Raum für unangebracht.“ Ob weitere Spender aufgestellt werden, sei noch nicht klar. „In Zeiten der Corona-Pandemie konzentrieren sich die Mainzer Stadtwerke auf ihr Kerngeschäft. In Gesprächen mit einzelnen Ortsbeiräten wurde in der Vergangenheit aber bereits betont, dass das Thema Trinkwasserspender in den Stadtteilen aufgrund hygienischer Gründe entsprechend hinten angestellt wird.“

Zur Hitzesituation in Mainz und Wiesbaden wurde das Projekt „Klimprax“ durchgeführt. Die Ergebnisse findet Ihr hier. (js)

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