Mainz plant die Klima-„Revolution“

Die Stadt Mainz will bis zum Jahr 2035 klimaneutral werden. Wie dieses ehrgeizige Ziel erreicht werden kann, das haben Oberbürgermeister Michael Ebling und Umweltdezernentin Katrin Eder am Freitag bei einem Pressegespräch erläutert.

Mainz plant die Klima-„Revolution“

Die Erderwärmung deutlich unter zwei Grad Celsius zu halten, das ist das Ziel des Pariser Klimaabkommens. Das bedeutet, dass die Produktion von klimaschädlichen Gasen bis zum Jahr 2050 quasi eingestellt werden muss. Die Stadt Mainz hat es sich nun sogar zum Ziel gesetzt, diese Klimaneutralität bis zum Jahr 2035 zu erreichen. Der Stadtrat soll das bei seiner Sitzung im Februar beschließen. Am Freitag präsentierte die Stadt nun Pläne, wie das Vorhaben umgesetzt werden soll.

„Gesellschaftlicher Kraftakt“

Zunächst verdeutlichte Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD), dass Mainz im letzten Jahr bereits selbst von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen war. So habe man den Lennebergwald im Sommer wegen Astbruch sperren müssen. Grund hierfür sei gewesen, dass der Grundwasserspiegel abgesunken war. Zudem musste die Stadt 2020 zum ersten Mal dazu aufrufen, Trinkwasser zu sparen. Das sei ein Novum für den Landstrich rund um Mainz gewesen, so Ebling. Die Erderwärmung zu stoppen, bleibe auf lokaler Ebene somit eine große Herausforderung.

Das soll nun durch verschiedene Maßnahmen erreicht werden, wie Umweltdezernentin Katrin Eder (Grüne) erklärte. So werde beispielsweise bei Bauvorhaben der Stadt Mainz an den Klimaschutz gedacht. „Wir haben einen Wärme-Masterplan, der beinhaltet, nicht mehr Gas oder Öl als Heizquelle zuzulassen.“ Bestehende andere Heizarten müssen umgestellt werden. Zum Einsatz kommen stattdessen Nahwärme und Fernwärme, für die unter anderem zerkleinertes Holz genutzt oder mit Kraft-Wärme-Koppelung gearbeitet wird. Neubauten dürfen zudem nur noch im Passivhaus-Standard gebaut werden, wie im Wohnquartier in der Albert-Stohr-Straße oder am neuen Wohnprojekt „Rodelberg“. Außerdem wolle man in Mainz bei Gebäuden, die vor dem Jahr 2000 errichtet wurden, eine Sanierungsquote von vier Prozent erreichen. Bundesweit liege dieser Wert bei einem Prozent, so Eder. Hier arbeite man schon eng mit der Handwerkskammer zusammen, um das alles umsetzen zu können. „Dieses Vorhaben zu erreichen, wird sicherlich ein gesellschaftlicher Kraftakt".“

Ein weiterer Punkt, um die Klimaneutralität bis 2035 zu erreichen, ist die Stilllegung des Müllheiz-Kraftwerks auf der Ingelheimer Aue. Den anfallenden Müll aus Mainz, dem Landkreis Mainz-Bingen sowie dem Donnersbergkreis will man dann aber nicht einfach nach Wiesbaden, Frankfurt oder ins Ausland bringen, um ihn dort zu verbrennen, so Eder. Um dafür eine gute Vorgehensweise zu finden, brauche die Stadt die Hilfe von übergeordneten politischen Entscheidungsträgern, die neue Gesetzesvorgaben schaffen können. „Ich will nicht desillusionieren, aber wenn wir die Klimaneutralität schaffen wollen, brauchen wir auch Unterstützung vom Bund“, so Eder.

So müsse der Bund auch die Frage über den Fortbestand des Verbrennungsmotors klären. In Mainz soll laut Plan der Anteil der Elektro-Autos auf 90 Prozent steigen, die Lade-Infrastruktur dafür deutlich ausgebaut werden und im besten Fall ab 2025 keine Autos mit Verbrennungsmotoren mehr zugelassen werden. Die Busflotte soll bis 2035 fast ausschließlich mit Elektroantrieb fahren.

Stadt will Bürger für Klimaneutralität gewinnen

Um das Vorhaben, Mainz bis 2035 klimaneutral zu machen, zu verwirklichen, will die Stadt vor allem auch die Bürger erreichen. So sollen die Mainzer umfassend über das Projekt informiert werden. Speziell will die Stadt auch Eigentümer von Ein- und Zweifamilienhäusern dazu gewinnen, ihr Vorhaben zu unterstützen - unter anderem mit Beratungsangeboten sowie Förderanreizen und Prämien für mögliche Sanierungsarbeiten an ihrem Haus. Im Herbst 2021 soll zudem ein „Fachbeteiligungsprozess“ gestartet werden, in den auch die Mainzer Bürger eingebunden werden.

„Menschen müssen sich Klimaneutralität leisten können“

Umweltdezernentin Katrin Eder sieht in den Plänen der Stadt, bis 2035 klimaneutral zu werden, insgesamt „fast sowas wie eine Revolution“. Dr. Eleonore Lossen-Geissler von der Mainzer SPD-Fraktion bezeichnet das Vorhaben als „ambitioniertes Ziel“ und attestiert Mainz „eine Vorreiterrolle“. Insgesamt müssten die Maßnahmen zum Klimaschutz jedoch „sozial verträglich“ sein. „Die Menschen müssen sich auch künftig ihre Wohnung, ihren Strom oder ihre Fahrkarte in unserer Stadt leisten können“, sagt Lossen-Geissler abschließend.

Der Stadtrat wird in seiner nächsten Sitzung am 10. Februar 2021 über eine Fülle von Maßnahmen beraten und abstimmen. Sie alle haben das Ziel, die Vorgabe, spätestens bis zum Jahre 2050 die Treibhausgas-Emissionen um mindestens 95 % zu senken, auf 2035 vorzuziehen.

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