Aktivisten der „Letzten Generation“ in Mainz: So lief die Aktion

Sie blockierten am Morgen die Alicenbrücke am Mainzer Hauptbahnhof. Ihr Ziel: Die Innenstadt zu blockieren. Wie lief die erste Aktion der „Letzten Generation“ in Mainz ab? Wir waren live dabei.

Aktivisten der „Letzten Generation“ in Mainz: So lief die Aktion

Am Freitagmorgen (9. Dezember) haben Klimaaktivisten der „Letzten Generation“ nun auch die Mainzer Innenstadt blockiert. Vier Aktivisten haben sich ab 8:30 Uhr auf der Alicenbrücke mit Sekundenkleber auf die Fahrbahn geklebt, zwei weitere setzten sich dazu. Ihre Forderungen: eine Einführung eines Tempolimits auf deutschen Autobahnen von 100 km/h sowie ein 9-Euro-Ticket für den ÖPNV zur Einsparung von CO2. (wir berichteten).

Zwar war die Aktion offiziell nicht angemeldet, doch etliche Polizisten waren vor Ort, um den Bereich zu sichern und den Verkehr großräumig umzuleiten. Laut einem Sprecher habe die Polizei im Vorhinein von der Aktion erfahren und entsprechende Maßnahmen vorbereitet. „Wir haben eine Einsatztaktik und uns vor allem rechtlich vorbereitet“, erklärt der Sprecher gegenüber Merkurist.

Etwa 20 bis 30 Polizisten waren vor Ort. Zunächst griffen die Beamten nicht ein, ließen die Aktivisten gewähren. „Hier liegt keine Gefahr vor, auch kaum Verkehrsbehinderungen, da wir den Verkehr um die gesperrte Stelle herumleiten.“ Die Auflösung der Aktion laufe in mehreren Stufen ab: „Zunächst werden sie aufgefordert, sich zu entfernen, wenn das nicht funktioniert, helfen wir dabei“, so der Sprecher im Vorhinein. Prognosen, wie lange die Aktion dauern werde, konnte er zunächst nicht geben.

Angst vor der Zukunft

„Wir haben Angst vor der Zukunft und wollen unsere Welt für die Kinder bewahren“, sagte eine der Aktivistinnen gegenüber Merkurist. „Es ist Klimanotstadt und keiner macht was dagegen, niemand sagt etwas.“ Spaß mache es ihr nicht, auf der Straße zu sitzen, doch sie wolle mit der Aktion Druck auf die Regierung ausüben. „Es verschwinden täglich 150 Arten von der Erde, und wir sind gefährdet eine davon zu sein. Es wird ganz, ganz schlimm werden.“ Es gebe keine Pläne, verhindert werden könne, dass Menschen ihre Lebensgrundlagen verlieren werden. „Wir leben einfach so weiter, als würde uns das nicht betreffen, aber es betrifft uns alle.“ Es müssten international Maßnahmen ergriffen werden, um das zu ändern.

„Es hat sich in der Geschichte gezeigt, dass ziviler Ungehorsam immer dann nötig war, wenn andere Protestmittel ausgeschöpft wurden“, erklärt ein anderer. Andere friedliche Mittel fehlten momentan, sie hätten nichts gebracht. „2019 waren 1,4 Millionen Menschen für Fridays for Future auf der Straße und trotzdem sagt unsere Bundesregierung, wir müssen erst bis 2045 klimaneutral werden. Der Ball liegt bei der Politik. Da muss jetzt gehandelt werden und nicht nur leere Worte.“

Beleidigungen von Passanten gab es wenige, einige beschimpften die Aktivisten. „Euer Internet und euer Handy: Fangt mal an, das abzuschalten, da könnt ihr auch was tun. Auf dem Auge seid ihr blind, das wollt ihr nicht hören", rief etwa einer von ihnen. Andere zeigten großes Verständnis: „Es ist ein letzter, verzweifelter Versuch von jungen Menschen. Sie sollen weitermachen.“ Die meisten Passanten verhielten sich aber interessiert und ruhig.

Um kurz nach 9 Uhr, nachdem die Beamten die Aktivisten zweimal zum Gehen aufgefordert hatten, begannen die Polizisten dann allmählich, die Menschen von der Straße zu lösen. Um 9:10 Uhr wurden sie von der Straße weggetragen. Nachdem sie von der Fahrbahn abgelöst waren, wurde den Aktivisten ein Platzverweis bis 22 Uhr für Bahnhofsbereich, Alicenstraße, Alicenplatz und Binger Straße ausgesprochen.

Logo