Ehemaliger Fußballmanager wagt radikalen Neuanfang

Früher drehte sich im Leben von Klaus Drach alles um Fußball und Marketing. Doch vor einem halben Jahr wagte der Sportmanager einen radikalen Neuanfang. Nun kümmert er sich beruflich um Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind.

Ehemaliger Fußballmanager wagt radikalen Neuanfang

Bis vor einem halben Jahr bestimmte der Fußball das Leben von Klaus Drach (51). Früher hatte er für den Mainz-05-Nachwuchs und die Amateure der 05er gespielt, später verpasste er den Sprung ins Profigeschäft - zumindest als Spieler. Denn als Marketing- und Kommunikationsexperte erlebte Drach die erfolgreichen Klopp-Jahre beim FSV, die Deutsche Meisterschaft und Champions League beim VfL Wolfsburg. Danach arbeitete er bei Darmstadt 98, der Deutschen Fußball-Liga (DFL) und in Liechtenstein bei einem internationalen Sportvermarkter. Und schließlich bis Sommer 2019 beim 1. FC Kaiserslautern. Doch dann beschloss Drach, sein Leben grundlegend zu ändern.

„Ich habe sehr gerne Fußball gespielt und mit Leidenschaft in dieser Branche gearbeitet. Doch mit der Zeit habe ich mich immer mehr von der Fußball-Branche und ihren teilweise ziemlich skurrilen Eigentümlichkeiten entfernt“, sagt Drach gegenüber Merkurist. „Der Fußball hatte irgendwann nichts mehr mit dem zu tun, warum ich früher leidenschaftlich gespielt habe und warum ich Fan dieses Sports war.“ Überhöhte Ablösesummen, galaktische Spielergehälter und zu viel Medienpräsenz ließen Drach den Spaß am Fußball verlieren. Gerade junge Spieler würden seiner Ansicht nach überbezahlt. „Ich bin sogar der Meinung, dass sie hungriger auf Erfolge wären, wenn sie nicht wie heute gleich Millionen verdienen würden.“

Radikaler Neubeginn

Stattdessen richtete Drach den Blick weg vom Fußball und widmete sich zunächst seinem Privatleben: „Ich verbringe meinen Samstag nicht mehr ab 15:30 Uhr im Stadion oder vor dem Fernseher und richte meine Freizeit auch nicht mehr nach den Anstoßzeiten der Fußball-Bundesliga“, erklärt Drach. Bis Ende 2019 gönnte sich Drach eine Auszeit, versuchte herauszufinden, wie sein Leben von nun an weitergehen könnte. „Die Auszeit konnte ich mir nur nehmen, weil ich im Fußball-Geschäft gut verdient habe, so ehrlich muss ich auch sein“, gibt Drach zu.

Während seiner Zeit in Kaiserslautern hatte Drach Jens Krieger kennengelernt, der dort das Projekt „Die Alltagsbegleiter“ ins Leben gerufen hatte. Als sich beide über das Thema austauschten, sei Drach begeistert gewesen und beschloss, das Projekt auch in Mainz an den Start zu bringen. „Die Alltagsbegleiter unterstützen Menschen bei alltäglichen Arbeiten. Egal ob kochen, putzen oder als sozialer Kontakt - wir möchten Menschen im Alltag unterstützen, die Hilfe benötigen“, sagt Drach. Dabei spiele es keine Rolle, ob die Kunden auf Pflege angewiesen sind oder nicht. „Wenn Menschen ein Pflegegrad zugesprochen wurde, können sie unsere Leistungen teilweise sogar über die Pflegekasse abrechnen. Wir beraten unsere Kunden gerne und zeigen auf, wie wir ihren Alltag erleichtern können.“

„Erwartungen übererfüllt“

Einerseits habe er seine Berufserfahrung nutzen können, sagt Drach. Andererseits warteten neue Herausforderungen: „Bei Fußballvereinen spielte immer eine Rolle, ob der Club gerade sportlich erfolgreich war oder nicht. Das ist in meinem jetzigen Job anders. Es geht um echte, wichtige Bedürfnisse und die Menschen wollen oftmals das ganze Jahr über unterstützt werden“, so Drach. Seit November ist Drach mit seinen Alltagsbegleitern in Mainz unterwegs. Über den Verlauf in den ersten Wochen freut er sich: „Ich muss sagen, dass unsere Erwartungen übererfüllt werden. Es ist schön zu sehen, dass wir in Mainz und den Vororten bereits so offen empfangen und angenommen werden.“

Nun gehe es darum, sich zu vergrößern. „Wir möchten mehr helfen und noch präsenter werden, dazu suche ich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“ Eine Ausbildung in einem Pflegeberuf sei zwar von Vorteil, allerdings nicht zwingend notwendig, auch weil es viel Weiterbildung „on the job“ bei den Alltagsbegleitern gebe. „Bei uns können sich die Mitarbeiter selbst aussuchen, wie viel sie in der Woche arbeiten möchten. Wichtig ist, dass sie bereit sind, sich als eine Art Freund des Kunden zu sehen“, so Drach. Der Wechsel vom Fußball in einen sozialen Beruf habe ihm gut getan, sagt er. „Es fühlt sich für mich richtig an und ich bin mit Identifikation, Spaß und ganzem Herzen bei der Sache.“ (rk)

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