Entschluss: Palatin wird abgerissen

Mit dem Abriss des Palatins muss auch das Capitol schließen. Doch es gibt noch Hoffnung auf ein Comeback – wenn auch in kleinerer Form. Die jetzigen Betreiber indes geben ihren Abschied bekannt.

Entschluss: Palatin wird abgerissen

Die Mainzer Kinos Capitol & Palatin in der Hinteren Bleiche werden nun endgültig schließen. Das gaben die Betreiber Eduard Zeiler und Jochen Seehuber am Dienstagabend offiziell bekannt. Zum einen werde das Gebäude, in dem sich das Palatin befindet, abgerissen. Zum anderen habe das Mainzer Kultur- und Baudezernat entschlossen, das Kino nicht weiter finanziell zu unterstützen. „Wir müssen in der Folge mit dem Abriss des Palatins auch das Capitol – das sich alleine nicht wirtschaftlich führen lässt – schließen“, so die Betreiber.

Die Idee, nach dem Abriss ein neues Kino im Neubau zu integrieren, werde aber aufgegriffen, wenn auch in „geschrumpfter und veränderter Form“, schreiben die Betreiber weiter. So wolle der Eigentümer Fischer&Co drei Säle bauen. Zudem, so teilte dieser dem Baudezernat mit, sei eine weitere Nutzung des Neubaus vorgesehen.

Betreiber wollen sich nicht an Ausschreibung beteiligen

Zeiler und Seehuber sind dennoch enttäuscht: „Ein klares Bekenntnis zur Mainzer Kinokultur klingt jedenfalls anders“, heißt es in der Mitteilung. Mindestens zwei Jahre würde es dauern, bis der Bau fertiggestellt sei. Die Stadt werde wohl dann die Räume vom Eigentümer mieten und den Betrieb öffentlich ausschreiben. Beteiligen wollen sich Zeiler und Seehuber nach eigenen Aussagen jedoch nicht daran: „Also für einen Job in mehreren Jahren und für ein Gebäude mit drei Sälen unbekannter Größe und Funktionalität – da werden wir uns wohl oder übel realistischeren Zukunftsperspektiven widmen müssen.“ Bislang hat das Palatin vier Säle, im Capitol befindet sich ein großer Saal.

Nach 13 Jahren als Betreiber der Mainzer Programmkinos, zahlreichen Auszeichnungen von Bund und Land sowie einer Petition zum Erhalt des Capitol & Palatin mit bislang über 25.100 Unterschriften hätten sie sich mehr erhofft.

Auch aus der Politik kommen erste Stimmen zu der aktuellen Situation. So teilt der linke Oberbürgermeisterkandidat Martin Malcherek mit, er habe mit „Kopfschütteln“ das Resultat aus dem Dezernat registriert. „Sollte dies eintreten, gäbe es in Mainz kein Programmkino mehr“, so Malcherek. Das sei der „Niedergang der Mainzer Kinokultur“. Bei der Stadt Mainz indes zeigt man sich verwundert über die Reaktion von Zeiler und Seehuber. Alle bis dahin geführten Gespräche hätten eine derartige öffentliche Kritik nicht vermuten lassen, äußern sich die Verantwortlichen im SWR. Darin hätten die Betreiber „ausdrücklich versichert“, dass der Betrieb von drei Kinosälen für sie möglich sei.

Hintergrund

Das Gebäude, in dem sich das Palatin-Kino und der Rockclub „Alexander The Great“ befinden, wurde im August 2021 verkauft. Kurz danach erklärte Frank Röhr, Geschäftsführer von Fischer&Co, gegenüber Merkurist, dass er sich eine Verlängerung des Pachtvertrags „durchaus vorstellen“ könne (wir berichteten). Ende August starteten Mainzer Filmwissenschaftler, Filmschaffende und Kino-Freunde daraufhin eine Onlinepetition für den Erhalt der beiden Mainzer Programmkinos. Das Palatin und Capitol sind die beiden ältesten noch in Mainz erhaltenen Kinos.

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