E-Scooter sind längst ein fester Bestandteil des Straßenverkehrs in Mainz. Gerade in der Innenstadt gehören die elektrischen Roller mittlerweile zum Alltag – auch bei Jugendlichen. Unter Merkurist-Lesern entsteht der Eindruck, dass immer häufiger auch Kinder mit den Zweirädern unterwegs sind. Dabei falle nicht nur das Alter auf, sondern auch die Fahrweise: oft zu zweit und ohne sich an Verkehrsregeln zu halten – so der Eindruck.
Das Fahren eines E-Scooters ist rechtlich jedoch bereits ab 14 Jahren erlaubt. Für Außenstehende ist es daher schwierig, auf den ersten Blick zu erkennen, ob ein Fahrer im erlaubten Mindestalter ist. Das erklärt die Polizei Mainz auf Anfrage von Merkurist.
Mit Zahlen kann die Polizei den subjektiven Eindruck nicht direkt belegen. Der Grund: Wer unter 14 Jahren E-Scooter fährt, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Solche Verstöße werden statistisch nicht erfasst. Grundsätzlich teilt Polizeisprecher Rinaldo Roberto mit: „Kinder unter 14 Jahren fallen nicht in einer relevanten Größe als Nutzende von E-Scootern auf. Da E-Scooter aber mittlerweile ein etabliertes Verkehrsmittel darstellen und die Nutzungszahlen zunehmen, nehmen auch Auffälligkeiten zu.” Dazu gehören vor allem das Fahren mit mehr als einer Person auf einem E-Scooter sowie das Fahren auf nicht zulässigen Verkehrsflächen – jedoch nicht nur von Kindern, sondern auch von Jugendlichen und Erwachsenen.
Deutlicher Anstieg in der Unfallstatistik
Auffällig ist jedoch die Entwicklung bei den Unfallzahlen. 2023 galten Kinder unter 14 Jahren lediglich bei zwei von insgesamt 119 E-Scooter-Unfällen als Verursacher. Ein Jahr später stieg der Anteil deutlich: 2024 waren Kinder bereits in 19 von 153 Fällen verantwortlich – also bei rund jedem achten Unfall. 2025 registrierte die Polizei 193 E-Scooter-Unfälle. In 20 Fällen galten Kinder als Verursacher. Damit wird inzwischen etwa jeder zehnte Unfall von einem Kind am Lenker verursacht. So zeigt die Statistik: Kinder spielen bei Unfällen mit E-Rollern inzwischen eine deutlich größere Rolle als noch vor zwei Jahren.
Zugänglich sind E-Scooter für Minderjährige unter Umständen auch durch Sharing-Anbieter. Unternehmen wie Bolt und Lime erlauben die Nutzung ihrer Roller zwar erst ab 18 Jahren. Bei der App-Registrierung der Anbieter wird das Alter auch abgefragt. Es fehlt jedoch eine Überprüfung, etwa durch das Scannen eines Ausweises. Für die Anmeldung reichen häufig eine E-Mail-Adresse, eine Handynummer und ein Zahlungsmittel. Diese erforderliche Bezahlmethode sieht Lime als zusätzliche Hürde: „Wir setzen voraus, dass Minderjährige ohne Zugriff auf die Zahlungsmittel ihrer Erziehungsberechtigten den Dienst nicht eigenständig nutzen können”, heißt es auf Anfrage. Eine Weitergabe des Kontos oder das Freischalten für einen anderen Nutzer sei nicht zulässig.
Diese Konsequenzen drohen Kindern und Haltern
Was passiert, wenn Kinder beim Nutzen eines E-Scooters erwischt werden? Da unter 14-Jährige in Deutschland als schuldunfähig gelten, erhalten sie kein Bußgeld. Stattdessen untersagt die Polizei die Weiterfahrt und informiert die Eltern, so Polizeisprecher Roberto. Außerdem können Polizisten den Roller sicherstellen beziehungsweise an den Halter zurückgeben. Auf den Halter könnten unter Umständen Bußgelder zukommen.
Anbieter selbst kündigen ebenfalls Konsequenzen an: Lime spricht auf Anfrage etwa von dauerhaften Kontosperrungen bei Verstößen. Zudem behalte das Unternehmen sich vor, „bei Hinweisen auf ordnungswidriges oder strafrechtlich relevantes Verhalten, mit Behörden zusammenzuarbeiten beziehungsweise Anzeige zu erstatten. Dies gilt insbesondere bei Unfällen, die durch die unbefugte Nutzung durch Minderjährige verursacht wurden.”
Sicherheit sei sowohl den Dienstleistern als auch der Polizei wichtig. So weist Lime regelmäßig auf zentrale Nutzungsregeln hin, darunter Mindestalter, Alleinfahrt, Alkohol und korrektes Parken. Die Polizei kontrolliert außerdem täglich E-Scooter-Fahrer. Ende April gab es zusätzlich den bundesweiten Aktionstag „sicher.mobil.leben”, bei dem rund 80 E-Scooter-Fahrer überprüft wurden. Das Ziel: mehr Sicherheit, weniger Unfälle – vor allem von Kindern.