Die Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz baut ihre Forschung im Bereich der Künstlichen Intelligenz aus und gründet ein neues Labor für KI in den Geistes- und Kulturwissenschaften. Das teilt die Akademie mit. In dem Labor sollen Kompetenzen gebündelt und neue Anwendungsmöglichkeiten für die Forschung erschlossen werden.
„Die Künstliche Intelligenz eröffnet den Geistes- und Kulturwissenschaften völlig neue Forschungsmöglichkeiten. Mit unserem neuen Akademielabor wollen wir diese Entwicklung aktiv mitgestalten“, erklärt Akademiepräsidentin Andrea Rapp. Die Akademie verfüge bereits über eine breite Expertise, die nun in einer gemeinsamen Struktur zusammengeführt werde, um Synergien zu nutzen und die Innovationskraft zu stärken.
Das Fundament für das neue Labor bilden sieben KI-Projekte. Gestärkt wird die Gründung durch einen aktuellen Erfolg: Drei der Vorhaben wurden erst am 29. September von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) bewilligt.
Drei neue Projekte bewilligt
Eines der neuen Projekte, „MAESTRA“, entwickelt ein Datenkorpus, um unter anderem die weltweite Wahrnehmung von Komponistinnen zu verbessern. Ein weiteres Vorhaben widmet sich der Aufbereitung von Daten aus verschiedenen Mittelalterprojekten der Akademie. Damit soll die automatisierte Identifizierung von Personen oder Orten in mittelalterlichen Quellen verbessert werden.
Das dritte Projekt soll eine KI-gestützte Erkennung von Literaturreferenzen in historischer Gelehrtenkorrespondenz ermöglichen. Diese drei Projekte ergänzen vier bereits bestehende KI-Vorhaben der Mainzer Akademie, die sich etwa mit der Erkennung von Inschriften oder dem Aufbau von Wissensgraphen für Briefnetzwerke befassen.
Forschung kritisch reflektieren
Das neue Labor soll gemeinsam nutzbare Werkzeuge und Verfahren entwickeln und neue KI-basierte Forschungsansätze ermöglichen. Zugleich soll es Raum bieten, die Möglichkeiten und Grenzen Künstlicher Intelligenz für die geistes- und kulturwissenschaftliche Forschung kritisch zu reflektieren. Eine zentrale Rolle übernimmt dabei die Digitale Akademie, die seit 2009 geisteswissenschaftliche Forschung mit digitalen Technologien verbindet.
„Unser Ziel ist es, die Möglichkeiten von KI für die Geistes- und Kulturwissenschaften nicht nur zu nutzen, sondern wissenschaftlich und methodisch mitzugestalten“, sagt Torsten Schrade, Leiter der Digitalen Akademie. Das Labor sei ein Ort, an dem datenintensive Forschung, KI-gestützte Methoden und technologische Innovationen erprobt und reflektiert würden.