Wegen Rheinallee-Baustelle: Gastronom muss bis auf weiteres schließen

Die Bauarbeiten in der Rheinallee sind nicht nur eine Belastung für den Verkehr, sondern auch für die Gastronomie. Die Weinbar „Onkel Oskar“ muss jetzt bis auf weiteres schließen. Das sagt der Geschäftsführer.

Wegen Rheinallee-Baustelle: Gastronom muss bis auf weiteres schließen

Es ist eines der großen Bauprojekte in der Mainzer Neustadt: Schon seit Januar wird in der Rheinallee in mehreren Bauabschnitten die Straße aufgerissen, um unter anderem neue Leitungen zu verlegen (wir berichteten). An diesem Montag hat der dritte Bauabschnitt an der Ecke Rheinallee / Frauenlobstraße begonnen (wir berichteten). Das sorgt vor allem im Berufsverkehr für Staus. Doch die Baustellen sind nicht nur eine Belastung für den Verkehr, sondern auch für die ansässigen Gastronomen.

In einem Facebook-Post hat nun der Gastronom Sven Hillenbrand-Weisheit von der Weinbar „Onkel Oskar“ seinem Unmut Luft gemacht. „Erst Corona – jetzt Baustelle“, schreibt er. „Ihr lieben Gäste, uns bricht es das Herz, aber wir sehen uns gezwungen wieder einmal unseren laufenden Betrieb (vorerst) ab heute bis auf weiteres einzustellen.“ Nur für Geburtstage und geschlossene Gesellschaften werde die Bar in nächster Zeit geöffnet.

Warum die Weinbar schließen muss

Wie Hillenbrand-Weisheit gegenüber Merkurist erklärt, hätten die Mainzer Netze zunächst mitgeteilt, dass die Baustelle von April bis September dauere, der Bauabschnitt vor dem Lokal solle im Mai beginnen und etwa vier Wochen dauern. Begonnen habe der Abschnitt dann im Juni. Trotz Baustelle habe man versucht, die Außengastronomie zu öffnen. „Die Mainzer Netze haben vor unserer Tür extra Platz gelassen und schließen Löcher auch sehr schnell wieder.“ Das Hauptproblem sei aber ein anderes: „Der Gehweg zwischen Grüner Brücke bis zu uns ist komplett gesperrt.“

Deshalb gebe es keinen Durchgangsverkehr für Radfahrer und Fußgänger. „Der Zugang ist nur über den Gehweg von der Frauenlobstraße aus möglich. Die Fußgänger und Radfahrer fahren dann halt eher durch die Hafenstraße oder Taunusstraße anstatt wie zuvor über den Gehweg der Rheinallee“, so Hillenbrand-Weisheit. „Und wer möchte schon in einer Baustelle sitzen?“ Deshalb habe man sich aus betriebswirtschaftlichen Gründen dafür entschieden, „Onkel Oskar“ zu schließen.

Zwar hätten Verantwortliche mit ihm gesprochen. „Allerdings war nie die Rede davon, dass der Bürgersteig zugemacht wird und kein Durchgang mehr möglich ist“, kritisiert der Gastronom. „Wir haben auch auf die wirtschaftliche Situation hingewiesen und dass wir den Betrieb nicht im Hobby betreiben, sondern hauptberuflich.“ Wie lange die Baustelle vor „Onkel Oskar“ noch bestehen bleibe, wisse er nicht. „Angeblich sollte unser Bauabschnitt ja nur vier Wochen dauern.“

Was die Mainzer Netze sagen

Außer dem Umsatzverlust, den Hillenbrand-Weisheit bis September auf einen mittleren fünfstelligen Betrag beziffert, gebe es weitere Probleme. „Es sind auch die neu eingestellten Mitarbeiter, die wir eingearbeitet haben und für die wir nun keine Arbeit mehr haben.“ Außerdem verringere sich jetzt der Bekanntheitsgrad sehr schnell wieder und man müsse wiederum ins Marketing investieren, um sichtbar zu bleiben. „Alles in allem ein beachtlicher Schaden, der uns sehr frustriert. Wir hatten uns gefreut, nach der Corona-Phase endlich in ein normales Fahrwasser zu kommen – und nun das.“

Doch was sagen die Mainzer Netze? Ein Pressesprecher teilt auf Merkurist-Anfrage mit: „Grundsätzlich haben wir Verständnis für die Sorgen des Gastronoms. Vorwiegend lebt sein Lokal vom Durchgangsverkehr und Spontanbesuchen, was aktuell schwierig ist. Das war uns vorher klar und deshalb haben wir versucht, im Vorfeld der Baumaßnahme den Bauablauf so zu planen, dass die Beeinträchtigungen für ihn reduziert werden können.“

Das sei jedoch bei so einer großen Maßnahme mit mehreren Medien wie Strom, Trinkwasser und Beleuchtung nicht immer so einfach. „Wir haben die Bauarbeiten extra in drei Abschnitte aufgeteilt, um vor dem Lokal wenig beziehungsweise nur punktuelle Grabungsarbeiten zu haben“, so der Sprecher. „Die Gehwegfläche wurde so weit wie möglich frei geräumt, damit der Gastronom Tische aufstellen kann. Dass diese innerhalb des Baufeldes stehen, lässt sich leider nicht vermeiden und haben wir ihm im Vorfeld auch gesagt. Zumal wir ihn auch auf die Stromtrasse in der Fahrbahn hingewiesen haben, die dort gleichzeitig gebaut wird. Aber diese ist ja in der Fahrbahn.“

Sechs Wochen Verzögerung

Tatsächlich habe sich der Baufortschritt aus Richtung Grüne Brücke etwa sechs Wochen verzögert, so der Sprecher. „Der Abschnitt Grüne Brücke bis Frauenlobstraße wird voraussichtlich bis Oktober fertig. Der Gastronom möchte sein Lokal jetzt für mehrere Wochen schließen, wir sind in konstruktiven Gesprächen mit ihm, ob wir diese Schließung so in den Bauablauf einbauen können, damit wir an den für ihn kritischen Punkten möglichst rasch vorankommen und er danach weniger Einschränkungen für den Betrieb hat.“

Entschädigung gebe es für den Gastronomen nicht. Man habe ihm einen Ansprechpartner bei der Stadt Mainz vermittelt, damit er einen Weinstand in der Nähe betreiben könne. „Das hat sich aber wohl leider zerschlagen, daher haben wir mit dem Ortsvorsteher der Neustadt, Herrn Hand, gesprochen, der sich bei diesem Thema ebenfalls noch mal Gedanken macht.“ Auch Hillenbrand-Weisheit sieht keine Möglichkeit, gegen den Umstand zu klagen oder auf Schadensersatz zu gehen. Aber: „Wir hoffen, dass die Stadt Mainz uns eine Kompensation in Form von Standplätzen auf diversen Veranstaltungen anbieten kann, damit wir den Verlust wieder wett machen können.“

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