Welche Schutzbunker gibt es in Mainz?

Welche Sicherheitsstruktur hat die Stadt Mainz, gibt es Schutzräume, in denen sich die Bevölkerung im Katastrophenfall in Sicherheit bringen kann? Wir haben bei der Stadt nachgefragt.

Welche Schutzbunker gibt es in Mainz?

Tiefgaragen, die im Bedarfsfall für den Autoverkehr gesperrt werden und als Schutzräume dienen oder Privathäuser, deren Keller als Luftschutzraum ausgebaut werden – zur Zeit des Kalten Kriegs wurden in Mainz mehrere Mehrzweckanlagen (MZA) errichtet: Etwa am Schlossplatz, am Proviantamt, am Schillerplatz oder in der Rheinallee. Bunker gibt es zudem am Großberg in Hechtsheim, an der Kreuzschanze (Oberstadt) sowie auf der Zitadelle. Das Fort Josef an der Universitätsmedizin und Philipp wurden im Zweiten Weltkrieg als Luftschutz vor Bomben benutzt.

„Wo müsste man hin im Falle des Falles?“ – ein Merkurist-Leser

Doch würden diese Anlagen auch heute noch den Menschen Schutz bieten und gibt es sie überhaupt noch? Das fragen sich einige Merkurist-Leser: „Auch wenn man nicht weiß, wie es mit der Ukraine weitergeht (hoffen wir, dass es bald ein Kriegsausstiegsszenario gibt), ist es nicht verkehrt, mal die eigene Sicherheitsstruktur zu hinterfragen. Wo müsste man hin im Falle des Falles?“, will ein Leser beispielsweise gerne wissen.

Zivilschutz als Aufgabe des Bunds

„Es gibt im Mainzer Stadtgebiet keine öffentlichen Schutzräume“, sagt dazu die Mainzer Pressesprecherin Sarah Heil. Zivilschutz, also der Schutz der Bevölkerung vor den Folgen eines Kriegs, sei Aufgabe des Bundes, die von den Ländern als „Auftragsangelegenheit“ wahrgenommen werde. Daher hatte sich der Bund damals auch an dem Bau der MZA beteiligt. „Im Gegenzug unterlagen diese Anlagen dann der sogenannten Zivilschutzbindung des Bundes“, so Heil. Das bedeute, dass Eigentümer der Bunker dann nichts an den Anlagen verändern durften. „Das war natürlich bei Modernisierungsmaßnahmen äußerst hinderlich.“

Beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) ist zu erfahren, dass Schutzbauwerke als Luftschutzanlagen in Form von Hoch- und Tiefbunkern während des Zweiten Weltkriegs und bis in die 1980er Jahre errichtet wurden. Hier sollte die Bevölkerung vor möglichen Kriegseinwirkungen geschützt werden. In den alten Bundesländern gab es 2000 öffentliche Schutzraumanlagen.

Vor allem in Ballungsräumen wurden zusätzlich seit Mitte der 1960er-Jahre öffentliche Schutzräume errichtet, größtenteils – wie in Mainz – als Mehrzweckanlagen. Hier sollten mehrere Tausend Menschen im Fall von Flächenbombardierungen und beim Einsatz chemischer und nuklearer Waffen Schutz finden. Inzwischen befinden sich die meisten dieser Schutzräume im Privateigentum der Städte und Gemeinden. Hinzu kamen vom BKK geschätzte 9000 private „Hausschutzräume“ in der Bundesrepublik. Sie wurden vom Staat mit rund 55 Millionen Euro gefördert.

Als die Bedrohung nicht mehr akut war, habe der Bund das Thema Schutzräume nicht weiter verfolgt „und diese als entbehrlich angesehen“. Die Eigentümer der Anlagen konnten beantragen, diese aus der „Zivilschutzbindung zu entlassen“, so Sarah Heil. Die speziellen Einbauten, mit denen die Tiefgaragen damals als Schutzräume umfunktioniert werden konnten, durften auf Kosten des Bundes also entfernt werden, so auch in Mainz: „Bekanntestes Beispiel sind die beiden Schutzräume in der Tiefgarage Proviantmagazin“, erklärt Heil.

Bau zu komplex, Wartungsaufwand zu hoch

Doch auch wenn die Mehrzweckanlagen noch bestehen würden, sei fraglich, ob sie überhaupt ausreichend Schutz bieten würden – allein aufgrund der fortschreitenden Waffenentwicklungen. So dürfe es auch in der Regel „kaum machbar sein“, bestehende Tiefgaragen oder ähnliche Bauwerke umzurüsten, da der Bau zu komplex wäre und der Wartungsaufwand zu hoch. Das sei auch der Grund, warum der Bund das Konzept der Schutzbauten aufgegeben habe. Denn zum einen müssten die Räume mit massiven Decken und Wänden sowie druckfesten Türen so ausgestattet sein, dass sie ausreichend Schutz bieten. Zum anderen müssten sie über spezielle technische Einbauten verfügen, etwa Luftfilter, Notstromgeneratoren, Klimaanlagen, Sanitäranlagen sowie Trinkwasserversorgung mittels unabhängiger Brunnen.

Kein ausreichender Schutz

Beim BKK heißt es dazu: „Schutzräume können der Bevölkerung keine ausreichende Sicherheit bieten.“ Denn die Sicherheitslage habe sich inzwischen sehr verändert, es gebe neue Bedrohungsszenarien, auch gehe man von einem „Schadenszenario ohne Vorwarnzeit“ aus. Das sei auch der Grund gewesen, warum der Bund „im Einvernehmen mit den Ländern“ vor 15 Jahren das bisherige Konzept der Schutzräume aufgegeben habe. Stattdessen stünden sie nun den Eigentümern, also den Städten und Gemeinden, zur freien Nutzung zur Verfügung.

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